Ungewöhnlicher Gerichtsprozess

Unterlagen und Zeugen fehlen: Strafverfahren am Amtsgericht ausgesetzt

Der 51-jährige Angeklagte wollte mit unverpixeltem Foto abgebildet werden, seine Verteidigerin bat jedoch um die juristisch übliche Unkenntlichmachung. Foto: Metten
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Der 51-jährige Angeklagte wollte mit unverpixeltem Foto abgebildet werden, seine Verteidigerin bat jedoch um die juristisch übliche Unkenntlichmachung.

Meschede/Essen. Fehlende Unterlagen, nicht erschienene Zeugen und ein Angeklagter, der gerne unverpixelt in der Zeitung erscheinen möchte – all das sind die Begleitumstände eines ungewöhnlichen Prozesses, der sich am Donnerstagvormittag im Amtsgericht Meschede ereignete und letztlich dazu führte, dass ein Strafverfahren gegen einen 51-jährigen Mann aus Essen ausgesetzt wurde.

Dem Beschuldigten wurde laut Anklageschrift zur Last gelegt, in Meschede und Essen „durch vier selbstständige Handlungen sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil verschafft zu haben, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt zu haben, indem er durch Vorspiegelung falscher Tatsachen einen Irrtum erregte“. Die Staatsanwaltschaft warf E. vor, zu einer Tätergruppe mit Hintermännern gehört zu haben, die gezielt Personen betrug, um sich so zu bereichern.

Der Angeklagte, der bei der Westfalia GK GmbH aus Hamm mit Zweigstelle in Essen als Kundenbetreuer gearbeitet hat, soll am 30. Oktober 2015 einen Kreditvertrag in Höhe von 23.000 Euro gestellt haben, ausgezahlt wurde das Geld am 4. November 2015. Weiterhin wurde ihm vorgeworfen am 2. November 2015 einen Kreditantrag in Höhe von 13.000 Euro gestellt zu haben, am 2. Dezember 2015 einen weiteren in Höhe von 24.000 Euro und am 14. Dezember 2015 in Höhe von 24.000 Euro. Insgesamt soll der inzwischen arbeitslose Beschuldigte sich so 84.000 Euro ergaunert haben. Interessant: Laut Handelsregisterauszug vom 1. März 2017 ist besagte Firma aufgelöst und über das Vermögen ein Insolvenzverfahren eröffnet worden.

„Ich habe die Kunden nur beraten“

Der Angeklagte selbst, der im Anschluss an die Verhandlung mit dem Wunsch überraschte, doch bitte mit unverpixeltem Foto in der Zeitung abgebildet zu werden, um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern, äußerte sich wie folgt zu den Vorwürfen: „Ich habe in der Firma als Kundenbetreuer gearbeitet und hatte bis auf einmal nichts mit Kreditvermittlungen zu tun. Ich habe die Kunden nur beraten und bei Problemlösungen wie Zwangsversteigerungen geholfen. Die anderen Personen kannte ich gar nicht. Mit den Kreditnehmern hatte ich nichts zu tun.“

Bei einer Durchsuchung der Büro- sowie Privaträume des Angeklagten wurde ein USB-Stick mit belastenden Unterlagen gefunden. Im Verfahren konnten diese Unterlagen jedoch nicht vorgelegt werden. Durch mehrfaches Kopieren der Akten sei Beweismaterial verschwunden, teilte der zuständige Richter mit. Auf Nachfragen des SauerlandKurier teilte das Gericht im Anschluss an den Prozess mit, dass so etwas bei einem Verfahren dieser Größenordnung tatsächlich vorkommen könne, es allerdings bisher im Amtsgericht Meschede noch nie zu derartigen Vorfällen gekommen sei.

Durch nicht auffindbare Zeugen und fehlende Unterlagen wie Kreditverträge wurde vom zuständigen Richter nach nur 40 Minuten die Verhandlung schließlich ausgesetzt. Weitere polizeiliche Ermittlungen sollen dazu beitragen, Licht ins Dunkel dieser dubiosen Angelegenheit zu bringen.

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