Fast 20-fach vorbestraft

Vergewaltigungsprozess gegen Heimleiter sorgt für politischen Wirbel

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Der Angeklagte im Gerichtssaal. Ein Justizbeamter öffnet dem 51-Jährigen die Handfesseln.

Meschede/Arnsberg/Finnentrop. Vier Mal soll ein 51 Jahre alter Niederländer aus Meschede eine junge Asylbewerberin vergewaltigt haben. Deshalb steht er vor dem Arnsberger Landgericht. Besonders erschütternd: Der Mann hatte das Opfer als Leiter der Flüchtlings-Notunterkunft in Finnentrop kennengelernt. Im Gericht geht es zwar „nur“ um die Vergewaltigungsvorwürfe, doch der Fall sorgt für reichlich Wirbel bis in die Düsseldorfer Landespolitik.

Zum Prozessauftakt hatte der Niederländer geschwiegen, nicht einmal zur Person machte er Angaben. Beim zweiten Prozesstag am Donnerstag sprach dafür das Opfer. Die zur Tatzeit Anfang des Jahres 22-Jährige aus Syrien wurde allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit von der Kammer befragt. Aber offenbar hat die Frau viel zu erzählen, denn auch am nächsten Verhandlungstag ist sie die Hauptperson, die Befragung soll weiter gehen.

Bei der Polizei hatte sie geschildert, dass der 51-Jährige ihr angeboten hatte, im Gästezimmer seines Hauses zu wohnen. Der Mann lebt mit seiner ebenfalls aus den Niederlanden stammenden Lebensgefährtin in Meschede. Dort kam es dann mehrfach zu den Übergriffen, so das Opfer. Die Partnerin des Mannes hatte im Gericht allerdings gesagt, dass sie nichts von den Taten mitbekommen und auch keine Hilfeschreie gehört habe.

Haftstrafe wegen Missbrauchs der eigenen Nichte (14)

Doch nach Bekanntwerden der Anschuldigungen war der 51-Jährige in Untersuchungshaft gekommen. Er ist in den Niederlanden und Belgien häufiger Gast der Justiz: Fast 20 Vorstrafen hat der Mann, der mal als Krankenpfleger mal als Gastronom tätig war. Meist kleinere Delikte wie Drogen, Betrug oder Diebstahl. Aber einmal war er bereits in Haft, weil er vor 15 Jahren seine damals 14 Jahre alte Nichte missbraucht hatte. Und eine zweite Verurteilung wegen eines weiteren Sexualdeliktes soll noch nicht rechtskräftig sein. Der Mann hatte vor dem obersten Strafgerichtshof der Niederlande Berufung eingelegt.

Warum aber konnte er als Heimleiter arbeiten? Diese Frage beschäftigt nicht nur die für die Notunterkunft verantwortliche Bezirksregierung in Arnsberg, sondern mittlerweile auch das Innenministerium. Wieder ist der bereits mehrfach in die Kritik geratene private Heimbetreiber „European Homecare“ (EHC) aus Essen involviert. Das Unternehmen hatte von der zwielichtigen Karriere des Mannes nichts mitbekommen. „Er hat uns ein tadelloses Führungszeugnis vorgelegt“, sagte ein Unternehmenssprecher. Doch weiter wurde der Mann auch nicht überprüft. Dabei hätte EHC die Möglichkeit gehabt, Mitarbeiter auch von den Behörden checken zu lassen, sagt ein Sprecher des Düsseldorfer Innenministeriums.

EHC Chef bei Bezirksregierung einbestellt

Wegen der Einstellung des „erfahrenen Krankenpflegers“ als Heimleiter wurde jetzt sogar der EHC-Chef bei der Bezirksregierung einbestellt. Er gab dort offenbar Fehler zu. Dabei aber galt EHC in letzter Zeit in Arnsberg „als verlässlicher Partner“ und bekam in den Neuausschreibungen einiger NRW-Flüchtlingsunterkünfte den Zuschlag vor angesehenen Organisationen wie den Johannitern.

Im Prozess wird ein Urteil erst im Januar erwartet. Und ob es Konsequenzen für den Heimbetreiber EHC gibt, ist noch unklar. Zumindest scheint die Bezirksregierung der Firma wieder kritischer gegenüber zu stehen. (jot)

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