Sicher durch den Winter kommen

Vorsicht vor glatten Straßen: TÜV Nord verrät Tipps und Tricks

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Falls es im Winter doch mal kracht, rät der TÜV Nord zu einem neutralen Gutachten.

Hochsauerland. In den Wintermonaten gibt es in Deutschland die meisten Crashs. Laut Statistischem Bundesamt ereigneten sich im Jahr 2017 etwa 2,34 Million Unfälle mit Sachschaden, davon rund 420.000 in den Monaten November und Dezember. Ein häufiger Grund ist, dass der Anhalteweg auf glatten Fahrbahnen falsch eingeschätzt wird. Bei vielen Autofahrern liegt der Fahrschulunterricht schon ein wenig zurück. Trotzdem sollte jeder wissen, wie man den Anhalteweg aus Brems- und Reaktionsweg berechnet. Denn den notwendigen Sicherheitsabstand zum Vordermann und eine angemessene Reisegeschwindigkeit richtig einzuschätzen, kann Unfälle verhindern.

„Der Bremsweg ist die Strecke, die ein Wagen vom Betätigen der Bremse bis zum Stillstand zurücklegt. Bei einer normalen Bremsung beträgt der Weg ein Zehntel der Geschwindigkeit mal ein Zehntel der Geschwindigkeit in Metern“, sagt Matthias Kramer, Leiter der TÜV-Station Meschede. 

Für 50 km/h bedeutet das: 5 x 5 = 25 Meter Bremsweg. Hinzu kommt der Reaktionsweg, also die Strecke, die man zurücklegt, bis man die Gefahr erkannt hat und überhaupt reagieren kann. Bei einer üblichen Reaktionszeit von einer Sekunde beträgt der Reaktionsweg ein Zehntel der Geschwindigkeit mal drei in Metern. Für 50 km/h heißt das: (50:10) x 3 = 15 Meter Reaktionsweg. Zusammen genommen ergeben Brems- und Reaktionsweg den Anhalteweg. Dieser liegt für 50km/h also bei 40 Metern.

Für die wichtigsten Richtgeschwindigkeiten und eine Reaktionszeit von einer Sekunde sind dies die ungefähren Anhaltewege im Überblick (zum Vergrößern oben rechts klicken).

Die Formeln beziehen sich auf Idealbedingungen wie trockene Fahrbahn, ausreichend Profiltiefe bei den Reifen und gute Bremsen. Kramer: „Im Winter sind die Straßen durch Schnee und Glatteis oft rutschig und der Anhalteweg ist entsprechend länger. Als Faustregel kann man sich Folgendes merken: Liegt Schnee auf der Fahrbahn, beträgt der 5 Anhalteweg etwa das Dreifache, bei Eis ungefähr das Siebenfache gegenüber einer trockenen Fahrbahn.“ 

Gerät man ins Rutschen, heißt es: Ruhe bewahren

Glatteis ist im Winter gerade in den Morgen- und Abendstunden keine Seltenheit. „Feuchtigkeit auf der Fahrbahn gefriert schon bei leichten Minusgraden. Dann kann die Autofahrt zur gefährlichen Rutschpartie werden“, sagt Matthias Kramer.

Bei glatten Straßen steigt die Unfallgefahr enorm. Für Autofahrer bedeutet dies, dass sie besonders besonnen und ruhig fahren sollten. „Am besten vermeidet man hohe Geschwindigkeiten und unnötiges Überholen. Man sollte darüber hinaus starkes Beschleunigen und Bremsen vermeiden. Auch der Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Wagen gehört über das normalerweise empfohlene Maß hinaus vergrößert“, empfiehlt der Prüfingenieur. Gerät man dennoch ins Rutschen, heißt es Ruhe bewahren. Dann sollte man das Lenkrad mit beiden Händen festhalten und hektische Lenkbewegungen vermeiden, damit der Wagen einigermaßen stabil in der Spur bleibt.

Fahrweise den Umständen anpassen

Der tatsächliche Anhalteweg ist abhängig von vielen Faktoren wie Zustand, Profiltiefe und Luftdruck der Reifen. Außerdem spielen das Gesamtgewicht des Fahrzeugs und die Wetterbedingungen, einschließlich Beschaffenheit und Temperatur von Schnee und Eis, eine Rolle. In jedem Fall sollte man sich aber darüber im Klaren sein, dass im Winter gesteigerte Aufmerksamkeit herrschen und die Fahrweise entsprechend den Umständen angepasst werden sollte. Daher gilt: auf verschneiter Oberfläche die eigene Reisegeschwindigkeit auf die Hälfte und bei Glatteis auf etwa ein Drittel der zulässigen Höchstgeschwindigkeit reduzieren.

Kommt es dennoch zu einem Zusammenstoß, kann ein neutrales Gutachten Aufschluss über Reparaturkosten und -dauer geben. Außerdem können Schadenersatzansprüche schnell und eindeutig geltend gemacht werden, sollte es sich um Fremdverschulden handeln. „Jeder hat im Schadensfall das Recht auf ein neutrales Gutachten. Bei Fremdverschulden und ab einer Schadenshöhe von 800 Euro übernimmt zudem die Versicherung des Unfallverursachers die Kosten hierfür“, weiß Kramer.

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