"Waren fernsehhungrig"

Franz-Josef Rettler zeigt stolz sein Souvenir zum Aufbau des 400. Lückenfüllsenders im Jahr 1988.

Am 30. April diesen Jahres ist der Stichtag: Das analoge Fernsehen wird abgeschaltet und durch das digitale ersetzt. Dadurch soll die Bildqualität weiter verbessert und noch mehr Sender bezogen werden. Kaum vorstellbar, dass noch vor etwa 50 Jahren ein eher mäßiger Fernsehempfang die Regel war.

"Früher hatten wir ein sehr schlechtes Fernsehbild", erzählt Elektromeister Franz-Josef Rettler aus Remblinghausen, "wenn Sport lief, sind wir von Haus zu Haus gerannt, um das klarste zu finden." Erst mit dem Aufbau des Lückenfüllsenders im August 1960 änderte sich die Situation in Remblinghausen.

Seit 1950 strahlte der Westdeutsche Rundfunk Fernsehen aus. Aus Gründen der für den WDR erheblichen Kosten zur ländlichen Versorgung wurden vorab Flächen mit einer Zahl ab 30 000 Einwohnern berücksichtigt. Remblinghausen mit seinen 1500 Einwohnern musste sich auch weiterhin auf die schlechten Empfangsverhältnisse einstellen.

"Schon vor dem Projekt in meinem Heimatort habe ich mit den Mitarbeitern meines Elektroinstallationsunternehmens einige Lückenfüllsender aufgebaut, zum Beispiel in Meschede. Deshalb kannte ich die Vertreter des WDR schon länger. Das gab mir die Möglichkeit, das Vorhaben für Remblinghausen anzusprechen", so Rettler.

Neid auf die Remblinghauser

Die Kosten für den Aufbau des Lückenfüllsenders betrugen etwa 40.000 Deutsche Mark, mehr als ein Drittel davon musste von den Dorfbewohnern in Eigenleistung getragen werden. "Wir waren fernsehhungrig", sagt Franz-Josef Rettler, "das Projekt war wichtig für uns. Ich als Remblinghauser engagierte mich natürlich doppelt." Unter die Eigenleistungen zählten die Verlegung von 800 Meter Kabel, die in Handschachtung erledigt werden mussten, sowie die Herstellung der Mastfundamentanlage mit der Einspannkonstruktion zum Aufbau des Antennenmasten. Zudem gestatteten die Anwohner im Waldbereich am Astenberg die Nutzung ihrer Grundstücke, in der die Stromversorgung verlegt wurde. Mit den Technikern des 1957 durch Franz-Josef Rettler gegründeten Elektroinstallationsunternehmens wurde dann der technische Aufbau der Sender- und Empfangsanlage realisiert.

"Seitdem hatte jeder von uns ein klares Fernsehbild", sagt der Elektromeister, "außerdem gibt es nun kleine Antennen, die vertikal an der Hauswand angebracht waren und nicht mehr diesen großen Antennenwald auf dem Dach."

Das Unternehmen von Franz-Josef Rettler versorgte seitdem unzählige Orte mit Lückenfüllsendern und guten Fernsehempfang. 1988 wurde der Aufbau des 400. Lückenfüllsenders in Altenilpe gefeiert. Der WDR orderte daraufhin eine größere Anzahl Schnapsfläschen bei der Firma H.& F. Schneider in Nuttlar: "Das war eine Gaudi", schmunzelt Franz-Josef Rettler und fügt hinzu: "Der Aufbau der Sender ist ortsteilgebunden. Früher waren unsere Nachbardörfer neidisch auf uns Remblinghauser, da wir auf dem neuesten Stand der Fernsehtechnik waren. Nun haben wir alle die Voraussetzungen für ein klares Bild."

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