Geburtshilfe Meschede soll verlegt werden

Weichenstellung mit „Imageverlust“: Krankenhäuser tauschen sich mit NRW-Gesundheitsministerin aus

+
Die Verantwortungsträger der Krankenhäuser in Meschede, Arnsberg und Winterberg tauschten sich im Beisein von Meschedes Bürgermeister Christoph Weber (r.) mit NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (4.v.l.) aus. 

Meschede/Hochsauerland. „Es war eine intensive und notwendige Diskussion in großer Runde“, fasste Anja Rapos, Geschäftsführerin des St. Walburga-Krankenhauses Meschede die Gespräche zusammen, die am Donnerstag zwischen Verantwortlichen der hiesigen Krankenhäuser, Vertretern der Bezirksregierung und der Stadt sowie NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens auf Einladung der Grünen-Fraktion Meschede geführt wurden, zusammen.

„Grund des Treffens war der allgemeine Austausch über künftige Bedarfe und Herausforderungen im Gesundheitswesen unter personell und finanziell veränderten Rahmenbedingungen. Es geht sowohl um andere Kooperationsformen und bessere Vernetzung als auch um eine Differenzierung der Krankenhäuser und der ambulanten Versorgung im Land,“ verdeutlichte Barbara Steffens.

Generell sei NRW bezüglich der Struktur und Dichte an Krankenhäusern hervorragend aufgestellt. Die Ministerin bezeichnete die Gesundheitsversorgung als „eine existenzielle Frage“ und begrüßte es daher, dass sich die Krankenhäuser über Kreisgrenzen und unterschiedliche Träger hinaus gemeinsam auf den Weg machen. „Wir müssen uns darüber im Klaren sein und uns fragen, welche Bereiche wirtschaftlich, personell und versicherungstechnisch wo auf Dauer tragbar sind“.

Ein "schmerzhafter" Schritt

In den Fokus rückte dabei erneut vor allem das Aufregerthema „Geburtshilfe“. Die Abteilung Gynäkologie/Geburtshilfe des Mescheder St. Walburga-Krankenhauses soll Planungen zufolge Mitte dieses Jahres an das Klinikum Arnsberg, Standort Karolinen-Hospital in Hüsten verlegt werden. Im Gegenzug dazu soll die Urologie an den Standort Meschede wechseln. Diese Maßnahme hatte für massive Proteste in der Bevölkerung gesorgt (unter anderem sammelten die Hebammen mehr als 10.000 Unterschriften gegen die Verlegung).

Steffens, selbst Mutter von zwei Kindern, hat Verständnis für den massiven Widerstand aus der Bevölkerung, wies aber auf die dringende Notwendigkeit dieses „schmerzhaften“ Schrittes hin. „Bei immer weniger Geburten und gleichzeitig steigenden Qualitätsansprüchen sollten wir einen solchen Prozess lieber frühzeitig anstreben und kooperieren als die Qualität der Versorgung leiden zu lassen – gerade bei einem so emotionalen Thema wie Geburten.“ Hier gehe es nicht um kurzfristige Perspektiven, sondern um Nachhaltigkeit und eine dauerhafte Versorgung.

"Gemeinsame Versorgungssicherung"

Auch Anja Rapos stellt die „gemeinsame Versorgungssicherung“ in den Mittelpunkt der künftigen Bestrebungen. Denn der Disziplinenaustausch zwischen Geburtshilfe/Gynäkologie und Urologie sei nur einer von vielen Fachgebieten, in denen künftig Synergien zwischen dem St. Walburga-Krankenhaus Meschede, dem St. Franziskus-Hospital Winterberg, dem Klinikum Arnsberg und dem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in Bad Fredeburg geschaffen werden müssen. Über mögliche Verschiebungen in den Bereichen Kardiologie und Onkologie, dem ambulanten Sektor, der strukturellen Altersmedizin (Geriatrie), der telemedizinischen Versorgung, der Notfallversorgung (Traumatologie) und der akut-neurologischen Versorgung sowie Gefäßmedizin werde ebenfalls diskutiert. Werner Kemper, Sprecher der Geschäftsführung im Klinikum Arnsberg, sprach dabei von einem „ganzen Bündel an Maßnahmen“, welche derzeit erarbeitet werden und in einem weiteren Schritt in Teams konkretisiert werden. Anja Rapos stellt aber gleich klar: „Nicht jedes Konstrukt ist sinnvoll und machbar“.

Kein Weg vorbei führt offenbar daran, dass der Kreißsaal aus der Kreisstadt verschwindet. „Es ist und bleibt ein Imageverlust für ganz Meschede. Da gibt es nichts zu beschönigen“, brachte es Bürgermeister Christoph Weber aus Sicht der Stadt auf den Punkt. Wann dieser „Imageverlust“ die Stadt zeitlich tatsächlich ereilen wird, darüber konnte Geschäftsführerin Rapos keine konkreten Angaben machen: „Ich wünschte, ich könnte etwas mehr zum Zeitplan sagen. Unsere Vorschläge liegen derzeit beim Kostenträger, der sie in ein Konzept umwandelt. Vielleicht wissen wir Ende Januar mehr, um die Pläne weiter zu konkretisieren.“ Sie bedauere den derzeitigen „Schwebezustand“ für alle Beteiligten – besonders für die Mitarbeiter sei die Ungewissheit eine „psychische Belastung“. 

Eine Maßnahme ohne Alternativen

Dennoch betonte Rapos die Alternativlosigkeit dieser Maßnahme und hob die Verlegung der Urologie von Hüsten an den Standort Meschede hervor: „Die Alternative wäre gewesen, dass es gar kein Kompensat gegeben hätte.“ Jedes Krankenhaus für sich solle gestärkt aus der Geschichte herausgehen. Anstelle von Konkurrenzdenken setze man sich das gemeinsame Ziel, Patienten wieder verstärkt in den HSK zurückzuholen. Dies untermauerte Werner Kemper an konkreten Zahlen: „Lag der Versorgungsgrad an stationären Leistungen in der Region vor ein paar Jahren noch bei rund 70 Prozent, so sind es aktuell knapp 76 Prozent. Unser Ziel ist es, diese Zahl durch die Kooperationen auf 85 Prozent zu bringen und damit die Abwanderungsquote von Patienten deutlich zu verringern.“

Daran knüpfte auch Ministerin Barbara Steffens in ihrem Fazit an: „Das Patientenverhalten hat sich generell verändert. Die Qualität ist heutzutage wichtiger geworden als die direkte Nähe zum Wohnort.“ Für gute Qualität und die bestmögliche OP würden die Menschen auch weitere Wege in Kauf nehmen. „Ohne Qualität haben die Krankenhäuser keine Chance im Wettbewerb. Sie müssen sich neben der Grundversorgung spezialisieren und für die Region stabilisieren“, verdeutlichte Steffens.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare