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Wieder leere Regale durch Hamsterkäufe: Wie sieht die Lage im Sauerland aus?

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Von: Daniela Weber, Stefanie Schümmer, Claudia Metten

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Hamster Bestwig
Auch im Aldi-Markt in Bestwig sind einige Regale leer: Mehl und auch Speisestärke sind beispielsweise vergriffen. © Claudia Metten

Wer in diesen Tagen in den Supermarkt geht, wird sich vermutlich denken: „Oh nein, nicht schon wieder“: Leere Regale und Zettel, die auf temporär verhängte Kaufbeschränkungen hinweisen, wecken Erinnerungen an den Beginn der Corona-Pandemie, als vor allem das Toilettenpapier knapp war. Aufgrund des Kriegs in der Ukraine mangelt es nun vor allem an Speiseöl und Mehl. Es wird wieder „gehamstert“. Der SauerlandKurier hat sich bei heimischen Lebensmittelmärkten und Kunden umgehört, wie die Lage vor Ort aussieht.

Meschede/Brilon/Bestwig/Olsberg - Ob Aldi, Lidl oder Netto – Discounter sind für viele Menschen beliebte Anlaufstellen für den Einkauf. Kein Wunder also, dass gerade dort in der derzeitigen Situation einige Produkte vergriffen sind. Das bestätigt auch Christian Schneider, Unternehmenskommunikation bei Aldi Nord: „Stand jetzt schwankt der Abverkauf von Speiseölen und Mehl derzeit sehr stark von Tag zu Tag. Dadurch kann es aktuell sein, dass einzelne Artikel kurzzeitig vergriffen sind.“

Lage bei den Discountern

Auch bei Lidl könne es derzeit bei einzelnen Produkten zu Lieferverzögerungen kommen. „Wir sind bestürzt über das Geschehen in der Ukraine und verfolgen die weiteren Entwicklungen sehr aufmerksam. Die Warenversorgung in den Filialen bei Lidl ist grundsätzlich sichergestellt“, betont das Unternehmen.

Ähnlich äußert sich auch Netto. Der Discounter arbeite eng mit seinen Lieferanten zusammen, um die Nachversorgung mit allen Produkten des täglichen Bedarfs sicherzustellen. „In den vergangenen Wochen ist die Nachfrage in einigen Sortimentsbereichen grundsätzlich auf einem hohen Niveau, auf das sich unsere Logistik aber eingestellt hat.“ Auch hier betreffe es vor allem aus der Ukraine stammende Speiseöle.

So sieht es im Scharfenberger Dorfladen aus

Nicht nur bei den großen Discountern machen sich die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine bemerkbar. Auch in kleinen, inhabergeführten Geschäften in den Dörfern sind einzelne Regale leer. Im Scharfenberger Dorfladen sind etwa Mehl und Öl bereits seit geraumer Zeit ausverkauft. Anika Kersting, Mitarbeiterin im Scharfenberger Dorfladen, ist sich aber sicher: „Hätten wir noch Mehl und Öl im Angebot, würden die Leute die Ware ,hamstern’.“

Entwarnung kann sie aber beim Toilettenpapier geben. Das sei noch vorrätig, sagt sie schmunzelnd. Doch nicht nur leere Regale machen dem kleinen Geschäft im drittgrößten Briloner Ortsteil zu schaffen, auch das Einkaufsverhalten der Kunden habe sich geändert: „Die Leute sind extrem zurückhaltend mit ihren Einkäufen. Alle haben weniger Geld und passen sich dementsprechend an. Bei schlechtem Wetter ist das noch schlimmer als bei Sonnenschein“, stellt Anja Witteler, Inhaberin des Scharfenberger Dorfladens, mit Bedauern fest.

Das sagen Kunden

Und wie erleben die Kunden die derzeitige Situation bei ihren wöchentlichen Einkäufen? „Es gibt inzwischen kein Öl und kein Mehl mehr. Alles ist viel teurer geworden und trotzdem müssen wir unsere Lebensmittel weiter kaufen. Das ist schlimm“, kommentiert Halil Dzhunyr aus Bestwig. Dass sich sein Einkaufsverhalten verändert hat, verneint Dirk Friedhof aus Heringhausen. „Ich kaufe ganz normal weiter wie bisher meine Lebensmittel ein.“ Anders sieht es da bei Beata Stücka aus. Die Meschederin kauft allerdings nicht erst seit der Ukraine-Krise bestimmte Produkte verstärkt ein: „Das Einzige, was ich auf Vorrat seit der Corona-Pandemie kaufe, ist Toilettenpapier, Milch und Mineralwasser“, gibt sie zu.

Das sagt die Verbraucherzentrale

Auch die Verbraucherzentrale beschäftigt sich mit dem Thema „Hamsterkäufe“ und rät Verbrauchern dringend davon ab. Denn „sie erzeugen künstliche Engpässe, die wiederum die Preise nach oben treiben“, betont Petra Golly von der Arnsberger Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW. In Deutschland gebe es genug Mehl und Speiseöle, eine Nahrungsknappheit sei nicht zu befürchten.

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