"Mehr Rot im Sauerland"

SPD will „Ärmel hochkrempeln“ - Brüggemann kandidiert als Landrat

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Wollen gemeinsam „mehr Rot im Sauerland“: Reinhard Brüggemann (l.) und Dirk Wiese von der SPD.

Meschede/Hochsauerland - Nach dem bundespolitischen Paukenschlag wurde der Unterbezirksparteitag der SPD indieser Woche in der heimischen Politiklandschaft mit Spannung erwartet. Natürlich war die Wahl von Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans zum neuen SPD-Führungsduo auch in Meschede-Berge zunächst das dominierende Thema.

Der Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese zeigte sich optimistisch und betonte in seiner Rede, dass das Ergebnis im Rahmen der Mitgliederbefragung demokratisch zustande gekommen sei. „Viele denken jetzt, dass die SPD auch das nicht hinbekommt. Das neue Duo sucht aber jetzt den Schulterschluss, geht gemeinsam nach vorne und setzt ein Signal“, so Wiese. Weiter beschwor der Briloner das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Partei und mahnte an, den Kopf oben zu behalten und gemeinsam nach vorne zu schauen. Dabei ließ er auch eine Spitze in Richtung Koalitionspartner CDU folgen: „Friedrich Merz hat die Wahl von AKK (Annegret Kramp-Karrenbauer Anm. d. Red.) noch nicht verkraftet. Die anderen haben auch genug mit sich zu tun. Die SPD braucht die Verankerung vor Ort. Das wird heute mit der Landtagskandidatur auf den Weg gebracht.“

In seinem Bericht stellte er ganz klar heraus, dass die Sozialdemokraten im kommenden Jahr noch mehr Rot im Sauerland anstreben. Wiese ging dabei auf die vier Kernthemen im ländlichen Raum ein: Er erklärte, dass die Transformation der Arbeitswelt unter der Fragestellung „Wo geht es hin mit der Automobilindustrie und den metallverarbeitenden Betrieben?“ ein entscheidender Faktor sei, um sicherzustellen, dass Südwestfalen führende Industrieregion bleibe. Ferner sprach der Bundestagsabgeordnete davon, dass die Infrastruktur weiter ausgebaut werden müsse.

Dirk Wiese will Schienenverkehr stärken

„Die Eröffnung des Teilstücks der A 46 bis Nuttlar bringt schon einen kleinen Erfolg. Wir sind jetzt fünf Minuten schneller am Ziel. Jedoch ist es notwendig die Schiene weiter zu reaktivieren“, so der heimische Politiker mit Blick auf den Bahnverkehr im Sauerland. Zudem verdeutlichte Wiese in seiner Rede die existenzielle Bedeutung von Natur und Umweltschutz und plädierte für die vollständige Abschaffung sämtlicher Straßenausbaubeiträge, um die Bürger der Kommunen bestmöglich finanziell zu unterstützen.

Zur Nominierung des neuen Landratskandidaten der SPD, Reinhard Brüggemann aus Eversberg, sagte Wiese: „Unser Landratskandidat wird nicht wie die CDU Taschenspielertricks anwenden. Wir packen an, streiten hinter verschlossenen Türen und nicht in sozialen Netzwerken. Wir krempeln die Ärmel hoch und gehen voran.“

In seiner Bewerbungsrede ging der Landratskandidat anschließend auf die Schnelllebigkeit in der Welt ein und die damit verbundene notwendige Veränderungsbereitschaft. „Die Halbwertzeit des Wissens beträgt im Schulwissen noch gut 20 Jahre, im Hochtechnologie- und IT-Bereich jedoch nicht einmal mehr ein Jahr. Heute ist Wissen nur noch der Zugang eines Anschlusses ans Internet.“ Reinhard Brüggemann sprach weiter davon, dass er sich als Landratskandidat für mehr Erzieher, flexiblere Arbeitszeiten in Kindergärten und Kitas als auch mehr qualifiziertes Personal in Grundschulen einsetzten werde, um so im sozialen Bereich Familien mit ihren Kindern zu unterstützen und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. 

Brüggemann will Schullandschaft digitalisieren und entbürokratisieren

Digitalisierte Lernsoftware ab dem sechsten Schuljahr, die Reformierung des 200 Jahre alten Schulsystems und moderne Lernmethoden seien dabei zwingend erforderlich. „Für mich gehört ein Laptop als integraler Bestandteil des Unterrichts ab dem sechsten Schuljahr in jede Schultasche. Dass wir in Sachen Digitalisierung nicht mehr hinten anstehen, dafür werde ich mich einsetzen“, so Brüggemann.

In seiner Antrittsrede ging er weiter auf die notwendige Renovierung der Schulen und den fortschreitenden Klimawandel ein und erklärte, dass er sich für eine rasche Aufforstung von Mischwald stark machen werde. Im Reflektieren von Sonnenlicht sehe er zudem die großartige Chance, um so die CO2- Reduktion voranzutreiben. Klare Kante zeigte Brüggemann auch in Sachen Entbürokratisierung und dem Bedarf an mehr Pflegepersonal. „Bedingt durch den demografischen Wandel und die höhere Lebenserwartung der Menschen steigt der Bedarf an Pflegepersonal. Wir brauchen mehr Kurzzeitpflege um die Familien zu entlasten und eine Sicherstellung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum. Telemedizin, eine fahrende Arztpraxis und eine Anlieferung der Arzneimittel bis zur Haustür müssen selbstverständlich sein.“

Mit 86 Prozent der Stimmen wurde Reinhard Brüggemann anschließend als Landratskandidat der SPD gewählt.

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