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Wortakrobatik im Hörsaal

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Plakate wie dieses hängen für den Science Slam im gesamten Stadtgebiet aus.
Plakate wie dieses hängen für den Science Slam im gesamten Stadtgebiet aus.

„Die Wissenschaft ist der Verstand der Welt, die Kunst ihre Seele“ hatte schon der russische Schriftsteller Maksim Gorki Ende des 19. Jahrhunderts festgestellt. Warum also nicht diese zwei Komponenten auf kreative Weise zusammenbringen, dachten sich einige Studenten der FH Südwestfalen und trafen in den letzten Wochen gemeinsam mit ihrem Dozenten die Vorbereitungen für den ersten „Mescheder Science Slam“, der am Mittwoch, 9. April, in der FH stattfindet. Bei diesem Kurzvortragsturnier treffen wissenschaftliche Themengebiete auf die Kunst der Worte.

Fünf Referenten werden an diesem Abend auf unterhaltsame Art und Weise in jeweils zehn Minuten ihr Forschungs- oder Wissenschaftsthema vorstellen. Zum Schluss entscheidet das Publikum mit seinem Applaus, wer der Sieger ist.

Der Science Slam ist vergleichbar mit einem Poetry Slam. Während es dort um Lyrik geht, stehen beim Science Slam wissenschaftliche Themen im Mittelpunkt. Neben den „slammenden“ Professoren Dr. Martin Botteck, Dr. Martin Ehret, Dr. Ewald Mittelstädt und Dr. Wolfram Stolp hat sich auch ein wagemutiger studentischer Herausforderer gefunden: Nils Felix Madynski wird zum Thema „Thun Dir ma die Ruhe an“ eine sehr persönliche Sichtweise auf das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun geben. Was ihn bewogen hat, am Science Slam teilzunehmen? Einerseits die „neue Herausforderung und der gewisse Nervenkitzel“, andererseits „die Möglichkeit, auf der Bühne über sich selbst hinauszuwachsen“, erläutert der 24-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch auf die Frage, warum ausgerechnet er als Maschinenbaustudent (6. Semester) über ein Kommunkationsmodell referiere, hat der Slam-Neuling eine ebenso augenzwinkernde wie plausible Erklärung: seine Fachrichtung gelte gemeinhin ja nicht als die kommunikativste, sodass er mit seinem Vortrag genau dieses Klischee bewusst konterkarieren wolle.

Ausstrahlung und Eloquenz als Faktoren

Die Gegner auf der Professorenseite wiederum bedienen ihre wissenschaftlichen Schwerpunktgebiete und sprechen über Themen wie Ökonomie, Entrepreneurship Education oder die Relativität der Zeit. Das alles muss natürlich möglichst unterhaltsam und abwechslungsreich vorgetragen werden, schließlich geht es um die Gunst des Publikums. „Bei der Suche nach geeigneten Kandidaten haben wir schon Wert auf Ausstrahlung und Eloquenz gelegt“, erklärt Nadine Bock vom studentischen Organisationsteam des Wahlpflichtfachs Event-Marketing, in dessen Rahmen der Science Slam als Modul organisiert wird.

„Infos zu Infotainment machen“

Denn neben dem erwünschten Entertainment-Faktor der Veranstaltung an sich hat der Science Slam durchaus einen essentiellen wissenschaftlichen und didaktischen Hintergrund.

Deshalb haben insgesamt sieben Event-Marketing-Studenten den Wettbewerb in einem eigenständigen Modul gemeinsam mit ihrem Dozenten Frank Schnitzler intensiv vorbereitet. Unter anderem gilt es, eine Hausarbeit zur Veranstaltungsplanung zu schreiben. „Aus didaktischer Sicht ist es wichtig, dass die Studenten die Planung, Durchführung und Reflexion der Veranstaltung in Theorie und Praxis vollziehen“, weiß der Lehrbeauftragte für besondere Aufgaben Event-Marketing, Frank Schnitzler. Übergeordnetes Ziel sei es, eine Art „Mentoring-Funktion“ zu erreichen, sodass die Studenten den nächsten oder übernächsten Science Slam selbstständig organisieren und umsetzen können; wie ein „Schneeballsystem“, das „von Studenten auf Studenten“ übergeht.

Für den Abend selbst, der vom Science Slam-erfahrenen Kabarettisten Christoph Tiemann moderiert wird, möchte Schnitzler „aus Informationen Infotainment machen“, während die Studenten zunächst vor allem auf einen vollen Hörsaal (200 Plätze) hoffen. „Wir haben viel Herzblut in die Organisation dieses Events gesteckt und gerne auch die Zeit dafür geopfert. Nun hoffen wir, dass der Abend beim Publikum gut ankommt und Auftakt für weitere Mescheder Science Slams ist“, so Peter Schreider vom Orga-Team.

Oder, um es mit Maksim Gorki zu sagen: Es geht darum, herauszufinden, ob die (Wort)Kunst der Wissenschaft eine neue Seele verleiht.

Der Eintritt zum Science Slam am 9. April beträgt zwei Euro inklusive Freigetränk. Karten können in der Hochschule in der Lindenstraße 53 beim AStA oder bei Monika Hesse im Fachbereichssekretariat sowie im Tourismusbüro in der Le-Puy-Straße 6-8 erworben werden. Info: www.fh-swf.de/science-slam

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