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Neue Heizungen? Fachleute aus dem HSK üben viel Kritik

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Von: Claudia Metten

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Das Heizen mit Gas dürfte auch die Gemeinde bald mehr kosten. Denn der Vertrag mit dem Versorger läuft aus und muss neu verhandelt werden.
Die Pläne zur Heizungsreform sind derzeit in aller Munde. © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Die Pläne zur Heizungsreform sind derzeit in aller Munde. Viele Hausbesitzer fürchten um ihr Erspartes, wenn sie – so wie von der Bundesregierung geplant – ihre Heizungen austauschen müssen. Da helfen auch die Zusagen für Ausnahmen und Unterstützungen nichts. Was bleibt, ist vor allem Verunsicherung und teils auch Wut – auch bei Fachleuten im Hochsauerlandkreis.

Hochsauerland – Einer, der die Pläne kritisch sieht, ist Heizungsfachmann Markus Jungmann aus Hallenberg-Braunshausen. Er sagt: „Der Gesetzesentwurf hat alle Leute verunsichert.“

Weil ab dem nächsten Jahr jede neu eingebaute Heizung zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden soll, kommen laut Jungmann viele auf die Idee, in den nun noch verbliebenen Monaten ihre Heizung auszutauschen, um die neue Regelung ab 2024 zu umgehen. „Damit hatte Robert Habeck [Wirtschafts- und Klimaschutzminister] nicht gerechnet, deshalb warnt er jetzt vor der Torschlusspanik.“

Wärmepumpe las eine der Lösungen?

Als eine der Lösungen für die Zukunft wird auch von der Bundesregierung derzeit die Wärmepumpe angepriesen. Sie wird mit Strom betrieben – und das könnte laut Jungmann zum Problem werden. Durch die Abschaltung der letzten Atomkraftwerke und die Umstellung auf Wärmepumpen könne viel in der Industrie kaputt gemacht werden, da möglicherweise der Strom fehlt, befürchtet der Heizungsfachmann.

Ähnlich sieht es auch Diplom-Ingenieur und Heizungsspezialist Jochen Liese aus Bestwig-Nuttlar. „Wir können nicht alle Häuser an den Strom hängen.“ Überhaupt sei die Wärmepumpe für viele Häuser im Hochsauerlandkreis nicht die Lösung. „Alte Häuser mit einfach verglasten Haustüren und Fenstern auf Wärmepumpen umzustellen, lohnt sich nicht. Die Gebäudehülle ist dafür nicht geeignet.“

Schornsteinfeger Andreas Frese aus Olsberg bestätigt diese Aussage: „Insbesondere im Hochsauerlandkreis ist in den alten Fachwerkhäusern die Umstellung auf Wärmepumpen nicht zu leisten und erst recht nicht zu bezahlen.“

Das sagt der Energieberater der Verbraucherzentrale

Eine solche Sanierung mitsamt neuer Heizung könne schnell mal 150.000 Euro kosten, erklärt Energieberater Carsten Peters von der Verbraucherzentrale Arnsberg dazu im Gespräch mit sauerlandkurier.de. Ja, es sei richtig auf Hybridheizungen, Solarthermie und Wärmepumpen umzusteigen, jedoch müsse die Bundesregierung entsprechende Förderungen bereitstellen beziehungsweise weiter verbessern, sagt Peters, der Hausbesitzer vor einer zu schnellen, unüberlegten Reaktion warnt und vorher zu Beratungsangeboten von Energieberatern oder der Verbraucherzentrale rät.

Bei dem Gesetzesentwurf wurde der zweite Schritt vor dem ersten gemacht.

Schornsteinfeger Andreas Frese

Schornsteinfeger Frese fasst zusammen: „Bei dem Gesetzesentwurf wurde der zweite Schritt vor dem ersten gemacht. Wir haben in Deutschland gar nicht die Infrastruktur, um den Strom für die ganzen E-Autos und Wärmepumpen zu generieren und zu transportieren. Das ist purer Idealismus und Aktionismus.“

Andreas Frese selbst wird nach den bisherigen Plänen übrigens noch die undankbare Rolle eines Alterskontrolleurs zukommen. Denn: Schornsteinfeger sollen bei ihren Besuchen überprüfen, wer älter als 80 Jahre alt ist, denn diese Altersgruppe ist von den Heizungstauschplänen nicht betroffen. Frese sagt dazu: „Wer will diese soziale Härte beurteilen? Ich fühle mich dazu nicht imstande.“

Die Reformpläne

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch die umstrittenen Pläne zum Heizungstausch beschlossen. Von 2024 an soll möglichst jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Damit soll der Abschied von Gas- und Ölheizungen eingeläutet werden. Denn: Derzeit werde noch mehr als 80 Prozent der Wärmenachfrage durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern gedeckt. Eine sofortige Austauschpflicht bei Bestandsgebäuden gibt es nicht. Bestehende Heizungen können also weiter betrieben werden. Falls die Heizung kaputt geht und nicht mehr repariert werden kann, soll es Übergangsfristen geben. Unter bestimmten Voraussetzungen soll der Heizungstausch mit einem „Klimabonus“ gefördert werden.

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