Abstinenz ist manchmal besser

Aktionswoche Alkohol: Caritas-Drogenberatung informiert Ärzte - besonders Gynäkologen

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Schon ein Bier ist zu viel: Alkoholkonsum in der Schwangerschaft kann schlimme Folgen für das Baby haben.

Altkreis Brilon. Zur landesweiten „Aktionswoche Alkohol“ wird das Team der Caritas Drogen- und Suchtberatung Hausärzte und Gynäkologen besuchen, um auf das Thema aufmerksam zu machen. „Dadurch wollen wir auch die Zusammenarbeit weiter stärken“, betont Liliane Schafiyha-Canisius, Leiterin der Beratungsstelle.

Besonderen Fokus wollen die Suchtexperten auf die Information der Frauenärzte legen. „Denn zum Beispiel 2014 wurden in Deutschland über 12.600 Babys mit einer sogenannten Fetalen Alkoholspektrumsstörung geboren, darunter knapp 3000 mit einem Fetalen Alkoholsyndrom“, sagt Liliane Schafiyha-Canisius. Wird während der Schwangerschaft Alkohol konsumiert, kann das dem Kind erheblich schaden. „Beim Fetalen Alkoholsyndrom können zum Beispiel die Lernfähigkeit, das soziale Verhalten oder die motorischen Fähigkeiten eingeschränkt sein“, erklärt Liliane Schafiyha-Canisius. „Konkret heißt das, dass es für die Betroffenen schwieriger sein kann, erfolgreich die Schule und Ausbildung zu durchlaufen, um einen guten Beruf zu finden. Auch Beziehungsprobleme, etwa mit Blick auf Bindung, Vertrauen und Verlässlichkeit, können die Folge sein.“ Die Chancen auf ein glückliches, gelingendes Leben werden also schon vor der Geburt gedrückt.

Auf diese Problemstellungen will das Beratungs-Team zu Beginn der Aktionswoche am kommenden Montag und Dienstag, 20. und 21. Mai, die Ärzte sensibilisieren. Darüber hinaus stellen die Experten noch einmal ihre Angebote und Hilfen vor. Dazu gehören natürlich die Beratung von Betroffenen und Angehörigen bei der Abhängigkeit von Alkohol, Drogen und Medikamenten – auf Wunsch auch anonym – und die Begleitung auf dem Weg zu einem abstinenten, suchtmittelfreien Leben. Das kann in Form einer ambulanten Rehabilitation erfolgen, ohne dass Einschnitte in Arbeit, Alltag und Familie erforderlich sind. „Wir übernehmen die Antragsformalitäten und kümmern uns um den weiteren Werdegang der Patienten, sowohl in einer ambulanten Therapie als auch nach Absolvierung eines Aufenthaltes in der Suchtklinik in Form einer nachstationären Weiterbehandlung“, sagt Liliane Schafiyha-Canisius. Das Team vermittelt aber auch in eine stationäre medizinische Rehabilitation.

Kontakt zur Caritas-Drogen- und Suchtberatung: Montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr sowie montags bis donnerstags von 14 bis 16.30 Uhr unter Tel. 0 29 61/7 79 97 70 oder via E-Mail unter psbb.brilon@caritas-brilon.de. Abendsprechstunden sind nach Absprache möglich.


Hier hört der Trink-Spaß auf:

Alle 7 Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch in Folge von Alkoholkonsum oder den kombinierten Konsum von Alkohol und Tabak. Das sind 74.000 Menschen pro Jahr. Sie könnten problemlos das Berliner Olympiastadion füllen.

Schon während man Alkohol trinkt, greift Alkohol Zellen im Mund- und Rachenraum an. Bei regelmäßigem und überhöhtem Konsum steigt das Krebsrisiko. Es erhöht sich deutlich, wenn zusätzlich geraucht wird.

Schon täglich zwei kleine Gläser Bier oder Wein lassen das Brustkrebsrisiko steigen. Regelmäßiger hoher Konsum erhöht es um das 1,5-fache.

Dauerhafter Alkoholkonsum erhöht das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Menschen mit einer Krankheits- oder Familienvorgeschichte von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, sollten Alkohol meiden.

Durch zu viel Alkohol wird die Produktion der Sexualhormone schwer gestört. Beim Mann führt das oft zu Impotenz. Die Hoden schrumpfen, der Samen wird geschädigt und die Brustdrüsen vergrößern sich.

Alkohol ist kalorienreich. Der Bierbauch wächst auch bei Wein, Schnaps und Cocktails.

Etwa ein Viertel der Frauen in Deutschland hat seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch aktuelle oder frühere Lebenspartner erlebt. Oft sind die Täter alkoholisiert: 51 Prozent der Männer, die gegenüber ihrer Partnerin körperlich und/oder sexuell gewalttätig sind oder waren, trinken zu viel Alkohol. In Fällen von sexueller und sehr schwerer körperlicher Gewalt sind sogar zwei Drittel der Männer stark alkoholisiert.

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