Mobilität im ländlichen Raum

Dieselfahrverbot, Carsharing und E-Autos waren Thema einer Diskussionsrunde mit Dirk Wiese

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Lothar Stanka, Vice President Sales EMobility innogy, MdB Dirk Wiese, MdB Arno Klare und Thomas Frye von der IHK Arnsberg (v.l.) diskutierten in Gevelinghausen über neue Wege in der Verkehrspolitik.

Gevelinghausen/Hochsauerland. „Wo stehen wir bei dem Thema Diesel? Wie hoch dürfen die Grenzwerte sein, bevor Fahrverbote ausgesprochen werden? Was bringen Angebote wie Carsharing und Mitfahrzentralen? Und welche Möglichkeiten bietet der klassische öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV)?“ – Diese und viele weitere Fragen wurden jetzt auf der Diskussionsveranstaltung der SPD „Von Dieselverbot und neuen Wegen in der Verkehrspolitik“ ausgiebig diskutiert.

MdB Dirk Wiese ging direkt zu Beginn des Abends auf die gravierenden Themen ein: „Die Fahrverbote werden seit Monaten ausgiebig diskutiert. Wer kauft überhaupt noch neue Autos und welche Herausforderung bedeutet das für den ländlichen Raum? Wie kann die Mobilität sichergestellt werden?“ Die Folgen des demografischen Wandels sowie die großen Entfernungen stellen die ländlichen, peripheren Räume vor immer größere Herausforderungen. Durch den Imageverlust des Dieselmotors nach Bekanntwerden der Abgasmanipulation durch zahlreiche Automobilhersteller sowie dem Inkrafttreten der ersten Dieselfahrverbote hat sich die Lage für Dieselfahrer in den Städten erheblich verschlechtert.

Mobil zu sein, ist jedoch die Voraussetzung für die Teihabe am öffentlichen Leben. Ein gutes Mobilitätsangebot ist gerade im ländlichen Raum das A und O, um auch in Zukunft attraktive Lebensbedingungen zu gewährleisten und so dem demografischen Wandel entgegenzuwirken zu können. „Die Mobilität der Zukunft ist nicht der urbane Raum. Wir müssen auf nachhaltige Energiequellen umstellen, also auf andere Fahrzeuge umsteigen. Ohne Auto kann man im ländlichen Raum nicht leben. Doch wie sieht die Mobilität der Zukunft aus?“, so MdB Arno Klare, Mitglied im Ausschuss für Verkehr und Digitale Infrastruktur. „Der Diesel hat eine Zukunft über das Jahr 2030 hinaus. Andere Antriebsformen wie die E-Mobilität werden hinzukommen.“

Klare ging weiterhin auf Carsharing peer to peer und die damit verbundenen gesetzlichen und steuerpflichtigen Risiken bei regelmäßiger Anwendung ein, stellte klar, dass die Digitalisierung voranschreiten und ein 5G-Netz flächendeckend ausgebaut werden muss. Autonomes Fahren, E-Mobilität, Mobility-on-Demand (Nachfrage-gesteuerte Mobilitätsangebote) oder auch die technische Nachrüstung der Dieselfahrzeuge seien Alternativen für die Zukunft. „Durch die Musterfeststellungsklage, die Dirk Wiese durchgesetzt hat, können Betroffene nun Schadensersatzansprüche geltend machen. Dieselfahrer können durch technische Umtauschprämien oder technische Nachrüstung entschädigt werden. VW und Daimler haben zugesagt, dass sie 3.000 Euro für den SCR Kat geben“, gab Arno Klare zum Besten.

Zukunft des Diesels

Auch Thomas Frye von der IHK Arnsberg erläuterte in der anschließenden Podiumsdiskussion, dass man auf lange Sicht nicht am Diesel vorbeikommt. „Die Zuliefererbetriebe haben mit der Dieselproblematik nicht das große Problem, sondern eher mit der Elektromobilität. Zehn Prozent der Teile werden nur noch für das E-Auto benötigt. Der Diesel hat daher eine Zukunft, auch wenn sich die E-Mobilität auf den Weg gemacht hat.“

Ein klarer Befürworter für E-Mobilität war hingegen Lothar Stanka, Vice President Sales EMobility innogy. Er vertrat deutlich die Meinung, dass kein Weg mehr an der E-Mobilität vorbeiführe. „Im ländlichen Raum wird es Fahrzeuge geben, die 300, 400 oder auch bis zu 500 Kilometer fahren können. Der Zugang zur Zapfsäule wird einfacher werden und das Ladeverhalten wird sich verändern. Wir können demnächst beim Arbeitgeber, zuhause oder beim Discounter laden. Das Nachladen wie beim Smartphone ist die Zukunft auch im ländlichen Raum. Die Intelligenz an jeder Ladeinfrastruktur ist dabei die Lösung“, so Lothar Stanka.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde der Zugriff von innogy auf die Ladestationen in der heimischen Garage und die damit verbundene Transparenz kritisiert. Fragen wurden gestellt wie: Wer haftet dafür, wenn nach einem nachträglichen Einbau des SCR Kat womöglich der Turbolader nach 500 Kilometer kaputt geht? Wie wirkt sich das stundenlange Laden auf das Klima aus und kann man den Ladevorgang verkürzen? Ist die Netzstabilität gewährleistet, wenn nachmittags um 17 Uhr alle ihr Fahrzeug aufladen wollen? Des Weiteren wurde der Wasserstoffantrieb als auch die Mobilität auf der Schiene angesprochen.

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