Josefsheim Bigge beteiligt sich an Imagekampagne

Experten mit Leidenschaft

Michael Heininger ist einer von rund 350 Menschen mit Behinderung, die in der Werkstatt arbeiten.

Ob Waschmaschine, Nobelkarosse oder Kreuzfahrtschiff – Werkstätten für Menschen mit Behinderung steuern hochwertige Bestandteile für Qualitätsprodukte „made in Germany“ bei.

Doch das Bild von geistig, psychisch oder körperlich behinderten Menschen an computergesteuerten High-Tech-Maschinen passt nicht ins öffentliche Klischee. Die Caritas-Werkstätten möchten dieses Bild korrigieren.

Im Mittelpunkt der Plakatmotive stehen behinderte Mitarbeiter an hochmodernen Arbeitsplätzen. Auch das Josefsheim Bigge beteiligt sich mit seiner Werkstatt an dieser Kampagne. Rund 350 Menschen mit Behinderung haben hier Arbeitsplätze gefunden. „Nicht nur im Josefsheim selbst“, betont Geschäftsführer Hubert Vornholt. „Wir haben auch Arbeitsgruppen in Unternehmen der Region. Dort arbeiten die Menschen mit Behinderung eng mit den Mitarbeitern der Unternehmen zusammen.“ Das Josefsheim möchte diese Kooperationen ausweiten und neue Partner gewinnen.

Bei allem Selbstbewusstsein, die die Kampagne unter dem Motto „Experten mit Leidenschaft“ ausstrahlt, verdeutlichen die Plakatmotive aber auch: Auf dem freien Arbeitsmarkt hätten die meisten Beschäftigten mit Behinderung keine Chance. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit in Deutschland seit 2005 ist an ihnen weitgehend vorbeigegangen. Während laut Bundesagentur für Arbeit in dieser Zeit die Arbeitslosigkeit in NRW um 30,9 Prozent sank, ging sie bei Menschen mit Behinderung nur um 7 Prozent zurück. Im Bundesdurchschnitt lag die Arbeitslosenquote 2011 mit 14,8 Prozent etwa doppelt so hoch wie bei nichtbehinderten Arbeitnehmern. Die Einrichtungen seien in der Lage, Arbeitsprozesse so zu gestalten, dass Beschäftigte auch mit schwersten Behinderungen an der Herstellung hochwertiger Produkte oder Dienstleistungen beteiligt werden. Deshalb richtet sich die Kampagne auch an Politik und Kostenträger, die vielfach die Werkstätten nur noch als hochsubventionierte „Sonderwelten“ betrachteten.

Von den öffentlichen Mitteln profitieren nicht nur die Menschen mit Behinderung, sondern auch die heimische Wirtschaft, die mit den Werkstätten kooperiert. Die Kampagne möchte auch den behinderten Mitarbeitern signalisieren, dass eine Werkstatt keine „Sackgasse“ für ihr Leben ist, sondern ein Ort der persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung.

Deshalb sind Werkstätten immer auf die Befähigung des Einzelnen ausgerichtet, am Arbeitsprozess in der Werkstatt teilzuhaben oder auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vorzubereiten und Übergänge zu gestalten. Noch etwas will die Kampagne vermitteln: Werkstätten sind Orte gelebten christlichen Glaubens und Modelle für eine humane Arbeitswelt. Die Kampagne läuft bis zum 5. Juli.

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