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Bauliche Situation macht Maßnahme unumgänglich

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Das Haus Bruno in Brunskappel schließt zum Jahresende. Die Menschen mit Behinderung, die noch hier wohnen, ziehen in andere Wohnhäuser des Josefsheims in Bigge um.
Das Haus Bruno in Brunskappel schließt zum Jahresende. Die Menschen mit Behinderung, die noch hier wohnen, ziehen in andere Wohnhäuser des Josefsheims in Bigge um.

Brunskappel.In Brunskappel geht zum Jahresende eine Erfolgsgeschichte zu Ende: Nach 22 Jahren schließt das Haus Bruno, die Außenwohngruppe des Josefsheims Bigge für Menschen mit komplexen Behinderungen. Die bauliche Situation des Hauses, eines ehemaligen Gasthofs in zentraler Lage im Ort, ist nicht mehr mit der aktuellen Gesetzgebung des Wohn- und Teilhabegesetzes vereinbar.

So müsste unter anderem für jeden Bewohner ein neues Badezimmer geschaffen werden, wo es derzeit nur ein Etagenbad gibt. Weil ein Umbau nicht möglich ist, ist die Schließung des Hauses Bruno unumgänglich.

Das Haus wurde 1994 eröffnet. „Lange bevor Gesetze und Kostenträger eine Dezentralisierung der Angebote stationärer Einrichtungen und eine enge Anbindung an das lokale Umfeld forderten“, sagt Friedhelm Müller, Fachbereichsleiter Wohnen/Fördern im Josefsheim. „Damit war es seiner Zeit weit voraus.“

So sieht es auch Brunskappels Ortsvorsteher Klaus-Peter Körner: „Haus Bruno war von Anfang an ein positives Beispiel, wie Inklusion gelingen kann.“ Zweimal konnte Brunskappel in den vergangenen Jahren beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ auf Stadtebene den ersten Platz belegen und Olsberg anschließend im Kreiswettbewerb vertreten. Den Bewertungskommissionen wurde dabei auch immer das Haus Bruno vorgestellt. Bis zu zwölf Menschen mit Behinderung fanden im Haus Bruno ihr Zuhause.

Die Einbindung in das Dorfleben funktionierte von Beginn an problemlos. „Wir wurden mit offenen Armen empfangen“, erinnert sich Ingrid Maas, die das Haus Bruno von 1994 bis 2007 leitete. Viele Brunskappeler – Einzelpersonen, aber auch Vereine und Gruppierungen – engagierten sich ehrenamtlich, übernahmen zum Beispiel Hausmeister- oder Gartenarbeiten, gestalteten das alljährliche Hausfest mit oder begleiteten die Menschen mit Behinderung zu den Gottesdiensten. „Namentlich genannt werden muss Berthold Börger, der Eigentümer des Gebäudes“, sagt Friedhelm Müller. „Ohne seine Entscheidung, sich vor 22 Jahren auf etwas Neues einzulassen und dem Josefsheim das Haus zu vermieten, hätte es diese Erfolgsgeschichte nicht gegeben.“

Derzeit wohnen noch acht Menschen im Haus Bruno. Sie werden in den kommenden Wochen in anderen Wohnhäusern des Josefsheims in Bigge ein neues Zuhause finden. Die Mitarbeiter werden ebenfalls in anderen Abteilungen eingesetzt.

„Wir lassen sie nicht gerne gehen“, betont Ortsvorsteher Klaus-Peter Körner. Die Einwohnerzahl Brunskappels wird dadurch sinken, das Durchschnittsalter der Dorfbewohner wird steigen – soweit die Statistik. Aber der Ortsvorsteher denkt weiter: „Ein so großes leerstehendes Gebäude in zentraler Lage ist für einen kleinen Ort immer ein Problem.“ Da das Haus weiterhin in Privatbesitz ist, könne die Dorfgemeinschaft erst einmal wenig tun. „Selbstverständlich bieten wir dem Eigentümer an, gemeinsam Ideen und Vorschläge für die weitere Nutzung zu entwickeln“, sagt Körner. „Wir wussten, dass das Josefsheim wegen der baulichen Situation eine Entscheidung treffen musste. Und wir freuen uns, dass Brunskappel vor 22 Jahren mit dem Haus Bruno eine Vorreiterrolle übernehmen konnte.“

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