1000-jährige Eiche stellt in Brunskappel eine Gefahr dar

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Neben der Pfarrkirche und dem Schloss Wildenberg gehört sie zum Brunskappeler Ortsbild: die so genannte 1000-jährige Eiche. Aus Gründen der Verkehrssicherheit wird sie im Herbst bis auf einige Meter Stammhöhe gekürzt.

Sie ist Naturdenkmal, Spielgefährte, Hausbeschützer, Schattenspender und einer der ältesten Bäume im Hochsauerlandkreis. Als so genannte 1000-jährige Eiche war sie in den 1970er und 80er-Jahren sogar überregional bekannt.

Denn sie war das Symbol des Widerstands der Brunskappeler gegen die Pläne zum Bau einer Talsperre im Negertal. In jüngster Zeit bietet der Baum ein trauriges Bild: Aus Gründen der Verkehrssicherheit mussten in den vergangenen Jahren viele trockene Äste herausgesägt werden.

Kaum mehr als der mächtige, 18 Meter hohe Stamm und einige stammnahe Äste blieben übrig. Jetzt geht die Zeit der alten Eiche zu Ende. „Ihr Zustand ist so schlecht, dass sie leider eine Gefahr darstellt“, sagt Alfons Schmidt, öffentlich bestellter Sachverständiger für die Verkehrssicherheit von Bäumen. „Für die Autofahrer auf der Negertalstraße, für Fußgänger und für die Eigentümer des Baumes, die direkt unterhalb der Eiche wohnen.“ Deshalb wird bei einem sogenannten Kronensicherungsschnitt ein Großteil der Eiche in Kürze weichen müssen.

Der Hochsauerlandkreis, als Untere Landschaftsbehörde für Naturdenkmäler zuständig, und der Sachverständige sehen keine andere Lösung. „Ich hatte gehofft, dass ich das nicht mehr erleben muss“, gibt Schmidt zu.

Rückblick ins 17. Jahrhundert: Der 30-jährige Krieg verwüstet Europa, in Frankreich regiert der „Sonnenkönig“ Ludwig XIV., türkische Truppen belagern Wien, Fernrohr und Mikroskop werden erfunden. Irgendwann in dieser Zeit wird in Brunskappel eine Eiche gepflanzt. „Wenn sie auch 1000-jährige Eiche genannt wird, liegt ihr wahres Alter zwischen 350 und 450 Jahren“, sagt Alfons Schmidt. In ihrer Lebenszeit hat die Eiche viel Orts- und Weltgeschichte erlebt. Unter anderem im 18. Jahrhundert den Neubau der Brunskappeler Pfarrkirche St. Servatius nach einem verheerenden Brand, der das halbe Dorf zerstörte, zwei Weltkriege und den erfolgreichen Widerstand der Brunskappeler gegen die Talsperre. So wurde die Eiche neben der mächtig wirkenden Kirche und dem Schloss Wildenberg – beide jeweils kaum 100 Meter entfernt – das dritte Wahrzeichen des kleinen Ortes im Negertal.

Rettungsversuch scheiterte

Vor acht Jahren unternahm Alfons Schmidt einen Versuch, das Leben des betagten Baumriesen zu verlängern. Er impfte die Eiche mit Pilzsporen. Dazu schlug er an rund 40 Stellen rund um den Stamm Kerben in den Boden, streute die Pilzsporen ein und schloss die Löcher wieder. Die Sporen, Mykorrhiza genannt, sollten einen Filzmantel um die feinen Wurzeln der Eiche bilden und ihr helfen, Wasser besser aufnehmen und somit Trockenphasen besser überstehen zu können. Diese Methode ist relativ neu: Mitte der 1990er-Jahre begannen Landschaftsökologen Pilzsporen zu isolieren und damit die Wurzeln alter Bäume zu impfen – in vielen Fällen mit Erfolg. Was auch Alfons Schmidt damals nicht ahnen konnte: Wahrscheinlich schon zwei Jahre vor der Impfung, im extrem trockenen Sommer 2003, hatte sich bei der Eiche der Hallimasch eingenistet – ein Pilz, der sich von totem Holz ernährt. Gegen ihn ist kein Kraut gewachsen. Er bringt seinen Wirt über Kurz oder Lang zum Absterben. Der Eiche wird nun ihr Standort zum Verhängnis. „In einem Urwald würde dieser Baum noch weitere 100 Jahre stehen und langsam sterben“, weiß Schmidt. Doch hier, unmittelbar an der Negertalstraße, ist er nun eine Gefahr für den öffentlichen Verkehr.

Früher oder später würde der vom aggressiven Hallimasch angegriffene Stamm dem Gewicht des Baumes nicht mehr standhalten – ein Risiko, das weder der Hochsauerlandkreis noch der Sachverständige noch die Eigentümer des Baumes verantworten können. Gemeinsam haben die Beteiligten eine Lösung gefunden, die verhindert, dass der Baum komplett entfernt werden muss.

Im Herbst wird der Stamm auf etwa fünf bis sechs Meter gekürzt – eine Höhe, die mit Blick auf die Verkehrssicherheit sehr gut zu vertreten ist. Kleinere Äste, die bis zu dieser Höhe wachsen, bleiben erhalten und werden hoffentlich auch in den kommenden Jahren wieder Laub tragen

Nach dieser Maßnahme wird der Hochsauerlandkreis die Eiche aus der Liste der Naturdenkmäler entlassen. „Über die Jahre wird der Restbaum in sich zusammenfallen und kann stückweise abgetragen werden“, erläutert Alfons Schmidt. Auch aus ökologischer Sicht ist dieses Vorgehen sinnvoll: Alte Eichen sind seltene und wertvolle Lebensräume für viele Tiere. Fliegen, Falter und Käfer leben an und auf ihnen, ebenso Spechte, Kleiber und Baumläufer. Und schließlich freuen sich auch die Eigentümer: „Auf diese Weise bleibt uns die Eiche als Schattenspender und Schutz zur Straße erst einmal erhalten“, sagt Elke Polzer.

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