Wenn der Pfarrer zum Zauberkasten greift

In Olsberg spielt die Orgel im Gottesdienst – ohne Organist 

Zauberkasten Orgonola Olsberg Gottesdienst
+
Präsentiert den „Zauberkasten“, der auf die Orgel-Tastatur gesetzt wird: Pfarrer Burkhard Krieger.

Harry Potter? Oder Gandalf, der Weise? Aber doch mindestens David Copperfield – irgendein großer Zauberer muss doch hier buchstäblich seine Finger im Spiel haben: Durch die Martin-Luther-Kirche „schwebt“ Orgelmusik, aber niemand sitzt auf der Bank vor dem Instrument. 

Olsberg – Wie von Zauberhand werden die Tasten gedrückt.

„Ist das nicht großartig“, freut sich Pfarrer Burkhard Krieger und hat einen Heidenspaß, dass sein Besucher den Mund vor lauter Staunen nicht mehr geschlossen bekommt. Einfach irre. Möglich macht diesen „Zaubertrick“ die vom Ingenieurbüro Klaus Holzapfel (Ziertheim) entwickelte „Organola“.

„Da war einfach nichts zu machen“

„Als vor drei Jahren unsere Organistin gekündigt hat, standen wir vor der Überlegung, wie es weitergehen soll“, blickt Krieger zurück, drückt fast unsichtbar Knöpfe an einer handtellergroßen Fernbedienung und schon erklingt eine andere Melodie. Anfangs sei die Kirchengemeinde noch zuversichtlich gewesen, einen Ersatz an der Orgel zu finden, habe Anzeigen in verschiedenen Zeitungen geschaltet und sich überall umgehört, jedoch ohne Ergebnis. Krieger weiter: „Wir haben wirklich lange gesucht. Aber da war einfach nichts zu machen.“

Die Alternative, die Musik für den Gottesdienst von einer CD oder aus dem Internet abzuspielen, wurde rasch verworfen: „Das klingt einfach nicht.“ Durch Zufall wurde man auf die Organola aufmerksam, die der findige Ingenieur Holzapfel aus Bayern einst für katholische Kirchen entwickelt hat und mittlerweile bundesweit vertreibt.

In fast vierhundert Kirchen hat seine Erfindung bereits Organisten ersetzt, berichtet der Evangelische Kirchenkreis Soest-Arnsberg. „Wir“, erläutert der Olsberger Pfarrer, „haben uns das dann mal angesehen und natürlich angehört und waren komplett begeistert.“

Prinzip ebenso komplex wie genial

„Die zuverlässige Kirchenorgel-Selbstspieleinrichtung für Gemeinden, die oft auf eine Orgelbegleitung verzichten müssen“. Mit etwas sperrigen Worten beschreibe das Unternehmen seine Angebote auf der eigenen Internetseite für den „Orgelspielautomaten“. Das Prinzip dieser Ingenieur-Meisterleistung sei dabei ebenso komplex wie genial: Auf der Klaviatur der Orgel wird ein Kasten platziert, von dem aus eine „ausgeklügelte“ Mechanik über Filzstößel jede einzelne Taste anspielt. Die Lieder, die über ein Steuergerät abgerufen werden, werden via Datenbank eingespielt, erklären die Verantwortlichen weiter.

„Da ist praktisch alles dabei, was wir so während eines Kirchenjahres brauchen. Und wenn mal etwas fehlt, nimmt mein Kollege Schorstein es eben auf“, so Pfarrer Krieger weiter. Mittels einer kleinen Fernbedienung könne er vom Altarraum aus das Instrument auf der Orgelbühne punktgenau und passend zum Klingen bringen.

„Für uns eine gute Lösung“

„Der Vorteil ist, dass der Orgelklang so ist, als ob ein Mensch spielen würde. Das macht es für die Gemeinde deutlich angenehmer“, glaubt Krieger, dass sie mit der 7.500 Euro teuren Anschaffung den richtigen Weg gegangen sind. „Natürlich gibt es auch Dinge, die dieses Gerät nicht kann, zum Beispiel unmittelbar auf den Gesang oder die Stimmung der Gottesdienstbesucher reagieren. Aber dennoch ist es für uns eine gute Lösung und allemal besser, als Gottesdienste ohne Orgelmusik feiern zu müssen“, resümiert Krieger.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare