Die Olsbergerinnen kämpfen für mehr Mitspracherecht

Zu Kompromissen bereit

Ein Weg, der unendlich scheint: Den haben die beiden Olsberger Rollstuhlfahrerinnen auch schon beschritten, um ein Gefährt zu bekommen, mit dem sie zurechtkommen.

Ohne das nötige Selbstbewusstsein und die Unterstützung von anderen gebe manch einer frustriert auf. Sieben bis acht Monate hat Ursula Sonnenburg in den vergangenen Jahren jeweils um das richtige Modell kämpfen müssen.

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Denn mit einem Standard-Rollstuhl, den man ihr beispielsweise vor sechs Jahren anbot, ist ihr nicht geholfen. Sie benötigt einen Fußkasten, weil sie ihre Beine nicht beugen kann. Bevor solche Hilfsmittel genehmigt und bestellt werden, kommt jemand zur Begutachtung vorbei. Dann wird sie „ausgemessen“: für Duschstangen, Lifter, Bett, einen Aufsatz für den Duschstuhl und eben auch für den Rollstuhl. Die Olsbergerin weiß, dass dies notwendig ist, trifft seitens der Begutachter auch auf viel Verständnis, aber sie stößt sich an dem oftmals „menschenunwürdigen“ Prozedere. „Man kommt sich manchmal vor wie in einem Fleischerfachgeschäft“, sagt sie.

Als sie jetzt etwa aus dem stationären Bereich in eine eigene Wohnung zog, brauchte sie einen wendigeren Rollstuhl, der sich in der kleinen Wohnung gut auf der Stelle drehen lässt. „Lange hat man mir nicht geglaubt, dass ich umgezogen war“, berichtet Ursula Sonnenburg. „Warum glaubt man mir nicht als Mensch? Ich beantrage das ja nicht aus Langeweile oder weil ich Luxus will“, sagt Sonnenburg.

„Mehr mit uns zusammenarbeiten“

„Entweder den oder keinen. Stellen Sie sich nicht so an“ – das hat auch schon Sonja Haase von der Krankenkasse zu hören bekommen, die trotz Hüftproblemen zwei Mal mit dem Standardmodell vorliebnehmen und auf einen verstellbaren Sitz, eine verkippbare Steuerung oder ein Kammerluft-System verzichten musste. „Wir haben vollstes Verständnis für den Kostendruck bei den Krankenkassen. Trotzdem möchten wir im Zuge der Inklusion darauf aufmerksam machen, dass man manches freier und einfacher handhaben sollte. Es ist wichtig, dass man uns auch versteht und mehr mit uns zusammenarbeitet“, appellieren die beiden, dass sie auch als Kundinnen und nicht nur als Nummern wahrgenommen werden. „Wir sind bereit Kompromisse einzugehen, aber wir möchten nicht immer vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Wir können doch am besten einschätzen, was wir brauchen.“

Die Problematik sei nicht neu, sie falle im Zuge der Inklusion jedoch mehr ins Gewicht, weil die Menschen mit Behinderung unter dem Leitsatz „stationär vor ambulant“ vermehrt in die eigenen vier Wände ziehen.

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