Kurz vor dem Scheitern

Das Brunskappeler Schützenfest am Tag der Währungsreform 1948. Noch ahnten die amtierenden Majestäten nicht, was am folgenden Tag auf sie zukommen würde.

Es war der Tag, an dem der Grundstein für das deutsche Wirtschaftswunder gelegt wurde. Es wäre beinahe der Tag geworden, an dem in Brunskappel das zweite Schützenfest nach dem Zweiten Weltkrieg gescheitert wäre: Sonntag, 20. Juni 1948. Der Tag der Währungsreform in Deutschland.

Jetzt, zum 60. Jahrestag der Währungsreform, wird die Erinnerung wieder lebendig.

Am 19. Juni 1948 gaben die Militärgouverneure der drei westlichen Siegermächte bekannt, am folgenden Tag werde die inflationäre Reichsmark durch die D-Mark ersetzt. Jeder Bürger bekomme ein "Kopfgeld" von zunächst 40 D-Mark. "Der nächste Tag war in Brunskappel der Schützenfestsonntag", erinnert sich Ortsheimatpfleger Günter Körner, der damals zwölf Jahre alt war. Die Stimmung war gut, die Schützenhalle war überfüllt, wie in der Chronik der Schützenbruderschaft St. Sebastian verzeichnet ist. "Die Ernüchterung folgte am Montag", erzählt Günter Körner. "Plötzlich wollte die Musikkapelle Wulmeringhausen ihr vorab vereinbartes Entgelt nicht mehr in Reichsmark, sondern in der neuen Währung haben." Nur: Wie sollte die Schützenbruderschaft in der Kürze der Zeit 300 D-Mark auftreiben? Das Fest drohte zu scheitern — dabei war der Vogel schon gefallen und Franz Kohlhase jun. stand als neuer Schützenkönig fest.

Eiligst riefen der neue König und sein Vizekönig Fritz Sommer die Schützen zusammen. Der Schriftführer der Bruderschaft, Wilhelm Wiegelmann, erklärte die Zusammenkunft kurzerhand zur außerordentlichen Generalversammlung. Diese beschloss einen Sonderbeitrag für 1948 von zwei D-Mark pro Mitglied, um die Musikkapelle zu bezahlen. Das Fest war gerettet.

"Besonders verdient machte sich in dieser Situation Fritz Sommer", sagt Ortsheimatpfleger Günter Körner. Sommer stiftete 25 seiner 40 D-Mark "Kopfgeld" als Grundstock für die Bezahlung der Musik. Die Anerkennung folgte prompt: Noch an diesem Montag, 21. Juni 1948, ernannte ihn die Schützenbruderschaft zum außerordentlichen Ehrenmitglied.

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