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Ein Leben für Kinder

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Schwester Irmgard Behrendt (Mitte) bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes.
Schwester Irmgard Behrendt (Mitte) bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes.

Sie hilft armen und verwahrlosten Kindern in den Favelas in Brasilien und riskiert dabei ihr eigenes Leben - und das im Alter von fast 87 Jahren. Für ihren außergewöhnlichen Einsatz wurde Irmgard Behrendt auf Anregung des Lions Clubs Schmallenberg-Hochsauerland jetzt das Bundesverdienstkreuz in Sao Paolo durch den Generalkonsul Matthias von Kummer überreicht.

"Schwester Irmgard hat Unmenschliches geleistet", erzählt Georg Weber vom Lions Club, der Irmgard Behrendt bei ihren Projekten "Lar Irma Ines" und "Valo Verde" in Sao Paulo im Auftrag des Lions-Clubs unterstützt hatte. "Sie versucht elternlose Kinder und Straßenkinder in Adoptionen und Familien zu vermitteln, sie zum Schulabschluss zu bewegen und ihnen eine Ausbildung in handwerklichen Berufen zu ermöglichen." Elend, Kriminalität, Armut und Krankheiten bekommt sie täglich mit.

In einem Rückblick schildert Georg Weber den Kontakt zu Irmgard Behrendt. "Im Sommer 1988 erarbeitete eine Gleidorfer Firmgruppe etwas Geld, um damit eine mehr im Hawerland bekannte Schwester Irmgard in Brasilien zu unterstützen. In ihrem Dankesbrief erwähnte Schwester Irmgard, dass sie von einem Gericht ein verkommenes Gebäude mit einer maroden Sporthalle zugewiesen bekommen hat, das sie für ihre caritativen Zwecke renovieren und nutzen sollte."

"Jetzt habe ich ein großes Haus und kein Geld", schrieb Schwester Irmgard ratlos. Der Hilferuf wurde vom Lions Club aufgenommen, und nach eingehender Beratung entschloss man sich, das Projekt der Schwester zu unterstützen. Die veranschlagten Kosten für die Sanierung des Hauses von 80.000 DM konnte der Club mit Hilfe des "Hilfswerks der Deutschen Lions" (HDL) meistern. Nach einem Dreivierteljahr wurde das Gebäude bereits als Jugend- und Gemeindezentrum eröffnet, berichtete Schwester Irmgard in einem Brief.

Eine Bäckerei, handwerkliche Ausbildungskurse, eine Kinderkrippe und eine Elementarschule für Kinder ab fünf Jahren sorgten dafür, dass sich das Projekt "Lar Irma Ines" im Laufe der Zeit selbst trug. "Hilfe zur Selbsthilfe", lautet die Devise des Lions Clubs, und somit war dort seine Aufgabe erfüllt. Heute werden inzwischen rund 500 Kinder und Jugendliche aller Alterstufen im Schichtbetrieb unterrichtet.

Alle Schwierigkeiten gemeistert

Ein weiteres Projekt (280.000 DM) namens "Valo Verde" startete 1992 mit Unterstützung des Lions Clubs. Hierzu veranlasste Schwester Irmgard die Clubmitglieder im Rahmen ihres Heimaturlaubs beim Besuch eines Clubabends 1991 in Hotel Störmann, wo sie eindrucksvoll von den Zuständen in Sao Paolo berichtete.

Trotz täglicher Schwierigkeiten mit der Nationalbank und einer damals galoppierenden Inflation in Brasilien wurde 1995 ein Bau in "Valo Verde", einem Stadtteil im Südwesten von Sao Paolo mit der höchsten Kriminalitätsrate, fertiggestellt. Auch hier werden arbeitslose und drogenabhängige Jugendliche ausgebildet.

Eine Bäckerei versorgte anfangs noch die Einwohner mit Backwaren, wurde dann aber verlegt. Heute gibt es unter anderem Ausbildungsräume für Klempner, Schneider und Bürotechnik. Auch dieses Projekt ist erfolgreich umgesetzt worden.

Doch der Weg dahin war diesmal sehr beschwerlich: "Es fehlte zum Beispiel Starkstrom für die Bäckerei, die wachsende inflationäre Entwicklung bereitete Schwierigkeiten bei der Finanzierung der Baumaterialien und Handwerkerrechnungen; Schwester Irmgard wurde der VW-Käfer gestohlen, als sie zu allem Überfluss von Banditen überfallen wurde", berichtet Weber.

Doch die Mühen zahlten sich aus, denn das "Bundesministerium für Zusammenarbeit und Entwicklung", welches das überseeische Projekt unterstützt hatte, schickte eine Delegation nach Sao Paolo und zeigte sich erstaunt über den absolut europäischen Baustandard des Hauses.

"Wir freuen uns, dass Ihre jahrzentelangen Mühen und Sorgen um das Leben und das Wohl junger, elternloser Kinder endlich eine offizielle Würdigung aus Ihrem Heimatland erfahren haben", telegrafierte der diesjährige Präsident des Lions Clubs Schmallenberg, Peter Walach, in seinem Glückwunschschreiben an Schwester Irmgard am 17. November anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes.

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