Mehr Netzwerke gewünscht

Spätestens am Ende der Woche wird der Ausbau des Mariengässchens zur Durchfahrt zwischen Sachsenecke und Bahnhofstraße im Rahmen des Zentrenkonzepts Olsberg für den Verkehr freigegeben. Foto: Christine Müthing

Die Bevölkerung nimmt ab und wird im Durchschnitt immer älter. Zusätzlich sind die öffentlichen Kassen leer. Wie kann die Stadt Olsberg mit ihren Ortsteilen unter diesen Voraussetzungen als eine lebendige, für alle Altersgruppen attraktive Kommune in die Zukunft geführt werden? Am Donnerstag bot sich im Sitzungssaal des Olsberger Rathauses ein ungewohnter Anblick: Etwa 80 Bürger, Politiker und Verwaltungsfachleute diskutierten vor vier Stellwänden über Fragen zu Olsbergs Zukunft.

Wie Bürgermeister Wolfgang Fischer zu Beginn des Abends erläuterte, läuft der Olsberger Strategieprozess seit etwa eineinhalb Jahren im Rathaus, professionell begleitet von Kerstin Schmidt aus Minden, die als anerkannte Demographie-Expertin bundesweit Kommunen und Kreise berät. "Doch jetzt möchten wir unsere Überlegungen in die breite Öffentlichkeit bringen", so Fischer.

Kerstin Schmidt zeigte die Entwicklung anhand konkreter Zahlen auf. Seit 1999 ging die Bevölkerung von 16.382 auf aktuell 15.003 Einwohner zurück. "Doch dies ist nicht der dramatische Faktor, sondern die Abwanderungsbewegungen der jungen Leute zwischen 19 und 24 Jahren, die meist nicht zurückkehren und in Zukunft fehlen. Dazu kommt der Wandel der Altersstruktur", so ihre Beurteilung. Das Ganze ist vor dem Hintergrund der angespannten Finanzlage der Stadt zu sehen. "Wir sind zwar nicht mehr im Nothaushalt, aber immer noch in der Haushaltssicherung und müssen uns die Frage stellen, wo ist der Euro gut angelegt, wo nicht", so Fischer.

Funktionierende Wirtschaft wichtig

In einem Ratsbeschluss im November wurden bereits konkrete Ziele innerhalb von fünf Handlungsfeldern bis 2013 beschlossen. Die Fortführung des Zentrenkonzepts sowie die Wirtschaftsförderung vor allem durch die Weiterentwicklung der Gewerbegebiete sind geplant. Bei der Anpassung des Schulstandortes wird mit der Einführung der Sekundarschule in diesem Jahr ein Teilziel erreicht. Hinsichtlich des Standortfaktors "Familienfreundlichkeit" ist bis 2013 vorgesehen, die Bedarfsdeckung bei der U-3-Betreuung zu erreichen. Im Handlungsfeld Gesundheit, Freizeit und Kultur geht es unter anderem um die Sicherstellung der medizinischen Versorgung.

Eine funktionierende Wirtschaft war für fast alle Teilnehmer der Diskussion Voraussetzung zur Sicherung der Lebensqualität vor Ort. Erst dann kamen die Punkte Nahversorgung und Mobilität. Konkrete Einsparpotentiale sahen viele bei Gebäuden und der Verwaltung. Auch Feuerwehr und Bücherei wurden hinterfragt. Energieeinsparkonzepte wurden diskutiert oder auch der Vorschlag, Vereine zu verschmelzen.

Zur Frage, ob Bürger in Zukunft weitere Aufgaben übernehmen können, kamen Vorschläge wie Bildungsberatung, Bürgerhilfeverein, Büchereibetreuung, stärkere Vernetzung der bestehenden Vereine und Institutionen -aber auch der Hinweis, dass Bürger bereits viel machen.

An der letzten Workshop-Station wurden Anregungen zur Weiterentwicklung der Stadt gesammelt. Auch hier kam die Forderung nach orts- und spartenübergreifenden Netzwerken. Olsberg als Teilstandort der Fachhochschule Südwestfalen, aber auch Mehrgenerationenhäuser wurden aufgelistet. Viele forderten eine stärkere Polizeipräsenz und mehr Sauberkeit im Stadtbild.

Regelmäßiger Austausch

Am Schluss der Veranstaltung griff Fischer den Vorschlag auf, diese Überlegungen in die Ortsteile zu bringen. Er versprach, bis zum Sommer mindestens zwei Ortstermine durchzuführen. Um dem Wunsch nach einer größeren Bürgerbeteiligung nachzukommen, sollen die Infos kurzfristig ins Internet (www.olsberg.de) gestellt werden. Generell wünschten sich alle Beteiligten einen regelmäßigen Austausch, denn eines stellte Fischer am Ende klar: "In Zukunft werden unschöne Entscheidungen fiskalischer Natur notwendig. Da ist es besser, wenn dies im Dialog mit Bürgern, Verwaltung und Politik entschieden wird."

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