Arbeitgeber beeindruckt von Altenpflege-Umschülern

Nahtlos einen Job erhalten

Mit 53 Jahren noch einmal einen neuen Beruf ergreifen, das ist nicht alltäglich. Und dass man in diesem Alter vom Arbeitgeber mit Kusshand genommen wird, ist außergewöhnlich.

Eva-Maria Papenheim hat die Herausforderung angenommen und hat sich in den vergangenen drei Jahren zur Altenpflegerin umschulen lassen. Zusammen mit 19 anderen Umschülern aus dem Hochsauerlandkreis hat die Medebacherin im Esta-Bildungswerk in Olsberg die Schulbank gedrückt, 17 davon haben jetzt die Prüfung gemacht. Heute bekommen die erfolgreichen Umschüler ihre Zeugnisse.

Von Jana Sudhoff

Finanziert wurde die Maßnahme komplett von der Agentur für Arbeit durch „die Initiative zur Sicherung des Fachkräftebedarfs“. Die Maßnahme hat zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. In der Altenpflege macht sich längst ein Pflegenotstand bemerkbar – auch im Hochsauerlandkreis – und er wird noch gravierender werden, sagte Ernst Vogel vom Esta-Bildungswerk im Rahmen eines Pressegesprächs. „Es ist mindestens fünf vor zwölf.“ Qualifizierte Fachkräfte werden händeringend gesucht. Dazu passt die Offensive der Agentur für Arbeit, die Quereinsteiger auf dem ersten Arbeitsmarkt integrieren möchte. Als die Maßnahme vor drei Jahren begann, herrschte starke Arbeitslosigkeit, berichtete Cornelia Homfeldt, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Meschede-Soest. „Und ich bin beeindruckt, wie engagiert und motiviert die Kursteilnehmer sind.“

„Die Unterschiede sind deutlich“

Das sieht auch Dagmar Hühnermann, Pflegedienstleitung im Alten- und Pflegeheim St.-Mauritius-Hospital Medebach so. Deshalb hat sie ihre Auszubildende Eva-Maria Papenheim sofort übernommen. Die Unterschiede zwischen älteren und jüngeren Auszubildenden seien deutlich, sagt sie. „Die Motivation und Flexibilität der älteren Auszubildenden sind deutlich höher, auch das Lernverhalten ist ein anderes.“ Auch die größere Lebenserfahrung erleichtere es oft, einfühlsamer auf die Bewohner einzugehen. Und Eva-Maria Papenheim, gelernte Kinderpflegerin, die später im Versand eines Unternehmens gearbeitet hat, macht der Beruf Spaß. Auch wenn die Theorie für sie schon „’ne Hausnummer“ war, wie sie sagt.

Wie sie haben inzwischen alle aus dem Kurs eine Anstellung gefunden. „Sie sind top qualifiziert. Sie stehen in keiner Weise anderen nach“, lobte auch Eyk Schröder vom LWL-Pflegezentrum Marsberg. „Ich gehe davon aus, dass niemand Schwierigkeiten haben wird, eine Stelle zu finden. Ich hoffe, dass Sie noch mehr fördern“, richtete Schröder vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in der Altenpflege einen berufspolitischen Appell in Richtung Agentur für Arbeit.

Diese wird ab 1. Oktober wieder Umschüler finanziell für drei Jahre unterstützen, die einen Altenpfleger-Kurs besuchen. Eine weitere Qualifizierung startet zum 1. Juni mit einer einjährigen Ausbildung zum Altenpflegehelfer.

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