„Der Glaube ist in mir gewachsen“

Der Olsberger Bastian Steinrücken pilgert im Rollstuhl zum vierten Mal nach Lourdes

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Bastian Steinrücken genießt die Zeit in Lourdes sichtlich. Zusammen mit Christian von Wichelhaus, Helfer des Lourdes Krankendienstes des Malteserordens, schaute er sich auch die Grotte von Massabielle an.

Olsberg/Lourdes. Mit gepackten Koffern und unermesslicher Vorfreude im Gepäck verlässt Bastian Steinrücken sein kleines Reich in einer Wohneinrichtung des St. Josefsheim. Er kann es kaum abwarten, endlich wieder an dem Ort zu sein, der ihm so viel Kraft verliehen hat in den vergangenen drei Jahren. Der sympathische Olsberger wagt noch einen letzten Blick auf ein in einen roten Rahmen eingefasstes Gruppenfoto, eine Erinnerung an eine seiner Pilgerreisen nach Lourdes mit der beeindruckenden Rosenkranz-Basilika im Hintergrund. 29 Stunden später findet er sich genau vor dieser Kulisse wieder – für Bastian Steinrücken das Ereignis des Jahres.

In diesem Jahr unternimmt der Olsberger, der an einer körperlichen Behinderung leidet und daher im Rollstuhl sitzt, nun schon zum vierten Mal das Abenteuer Wallfahrt mit dem Malteser-Hilfsdienst. Der fromme Olsberger genießt dabei jeden einzelnen Moment von der Vorbereitung und der Fahrt im Pilgerzug bis hinzu den zahlreichen Aktivitäten vor Ort. „Die Fahrt gibt mir innerlich Kraft und Stärkung im Glauben“, schildert er seine Empfindungen im Gespräch mit dem SauerlandKurier.

Zunächst muss er dafür aber das beschauliche Olsberg verlassen und in den Zug steigen, der den lebensfrohen jungen Mann geradewegs in den Südwesten Frankreichs bringt. „29 Stunden ist man unterwegs. Die Fahrt mit dem Sonderzug ist schon ein Erlebnis für sich.“ Überlegungen nach Lourdes zu fliegen, ließ er direkt wieder fallen. „Im Zug ist es einfach schöner, man hat mehr Freude“, begründet Bastian Steinrücken seine Passion für die mehr als eintägige Fahrt.

Bereits während der Anreise finden zahlreiche kirchliche Zeremonien statt. So wird der Rosenkranz gebetet und sogar eine heilige Messe zelebriert. „Man bleibt dabei in seinem Abteil sitzen. Lautsprecher übertragen alles. Während der heiligen Messe bringt ein geistlicher dann die heilige Kommunion zu allen Mitreisenden“, erklärt der 33-Jährige. In der Vergangenheit hatte er bereits die Gelegenheit im Pilgerzug das Rosenkranzgebet vorzutragen. Für den Olsberger hatte dies eine besondere Bedeutung. „Ich wollte schon mit fünf Jahren Priester werden, konnte diesen Weg aber wegen einer Lernschwäche nicht weiterverfolgen. Für mich hat sich das ein bisschen angefühlt, wie Priester zu sein“, erinnert er sich mit einem Strahlen im Gesicht.

„Dieses Ereignis gönne ich mir“

In Lourdes angekommen, wartet ein vollgepacktes Programm auf den Pilger. Für die mitgereisten Menschen mit Behinderung gibt es in der Pilgerstadt ein Rahmenprogramm mit zahlreichen verschiedenen Aktivitäten. Dies sei allerdings nicht verpflichtend. „Aber ich mache alles mit, weil es mir einfach so viel Spaß macht“, so der überzeugte Christ.

Von morgens bis abends sorgen zahlreiche religiöse Veranstaltungen und Zeremonien für abwechslungsreiche und spannende Stunden. „Es finden viele feierliche Messen, Lichterprozessionen und Sakramentsprozessionen statt.“ Letztere seien mit den Fronleichnam-Prozessionen vergleichbar. Dennoch gibt es einen eindrucksvollen Unterschied. Die feierlichen Umzüge führen in eine unterirdische Kirche, der Basilika Pius X. „Beim ersten Mal war ich echt total erstaunt. Die Kirche sieht im Inneren aus wie eine riesige Fabrikhalle, ganz anders als die Kirchen, die wir aus dem Sauerland kennen“, lacht der Pilger.

Der aufgrund seiner Behinderung auf Hilfe angewiesene Katholik, freute sich vor der Abreise vor allem auch auf die besondere Zuwendung für Kranke und gehandicapte Menschen in dem Gotteshaus. „Das nennt sich sakramentaler Einzelsegen. Der Priester geht dabei mit seinen Messdienern zu den Kranken und Behinderten.“

Die Zeit in der französischen Pilgerstadt nutzt der 33-Jährige auch, um seinen Angehörigen eine Ehre zu erteilen. „Ich freue mich immer, wenn ich in Lourdes für verstorbene Angehörige, aber auch für die Lebenden eine Messe lesen lassen kann. Daran habe ich große Vorfreude.“ Das sei eine schöne Erinnerung an für ihn wichtige Menschen. Für den lebensfrohen jungen Mann steht auch bereits eins ganz sicher fest: „Solange ich gesund und fit bin, werde ich jedes Jahr nach Lourdes pilgern.“

In seinem Zimmer in einer Wohneinrichtung des St. Josefsheims hat sich der gläubige Katholik eine kleine religiöse Ecke eingerichtet.

Dass er sich überhaupt dazu entschieden hat, jemals den Weg in den französischen Wallfahrtsort aufzunehmen, war ein „schöner Zufall“. Bereits seit Jahren habe er mit dem Gedanken gespielt, nach Lourdes zu pilgern. „Ich wusste aber nicht, dass man im Pilgerort so gut betreut wird. Daher habe ich nie wirklich den Mut gehabt“, gibt der Olsberger zu. Der Anstoß kam letztlich von hoher geistlicher Stelle. „Ich habe das dem Weihbischof Matthias König aus Paderborn zu verdanken“. Dieser habe ihn 2016 angesprochen und ihm nahegelegt sich auf die spirituelle und geistliche Reise nach Frankreich zu begeben. „Und ich habe das noch keinen einzigen Moment bereut. Es ist unbeschreiblich, genauso wie ich es mir immer vorgestellt habe“, betont der gebürtige Olsberger. Für ihn ist der Glaube die bestimmende Kraft im Leben und das schon seit seiner Kindheit. „Auch wenn mich dafür viele belächeln, werde ich diesen religiösen Weg weitergehen. Der Glaube ist in mir selbst gewachsen und bis heute lebendig geblieben“, verkündet er stolz.

Wenn der sympathische Christ am heutigen Mittwoch vom Abenteuer Pilgerfahrt zurückkehrt, wird er sich wieder gestärkt für den Alltag fühlen, so wie es bisher jedes Mal der Fall war. „Ich komme immer begeistert zurück.“ Wenn er dann sein Zimmer betritt und an seine Wand schaut und das in einen roten Rahmen eingefasste Gruppenbild betrachtet, wird er sich bereits auf das kommende Jahr freuen. „Dieses einzigartige Erlebnis möchte ich mir jedes Jahr gönnen“, so der fromme Katholik abschließend.

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