Vom pompösen Fremdkörper zu lebendigem Mittelpunkt

Assinghausen. (kris) Vor genau 100 Jahren wurde in Assinghausen das Grimme-Denkmal eingeweiht. Anlass für den Landschaftsverband Westfalen-Lippe, die Büste des Dichters am Samstag in einer Feierstunde in die Hände der Stadt Olsberg zu übergeben. Die Bereitschaft, sich für das Denkmal und auch das lebendige Erbe Grimmes einzusetzen, sei bei den Askern vorhanden, sind sich Ortsvorsteher Franz-Josef Essfeld und Bürgermeister Elmar Reuter sicher.

Assinghausen feiert Grimmefest und Denkmalsübergabe

Stadtheimatpfleger Otto Knoche wandte den Blick zurück: Ursprünglich ganz im wilhelminischen Stil, wirkte das pompöse Denkmal zunächst wie ein Fremdkörper in dem kleinen Dorf. Doch bald wurde der Platz zum lebendigen Dorfmittelpunkt.

Hier trafen und treffen sich bis heute Jung und Alt. Reisende, Arbeiter auf dem Weg in die Bergwerke, Bauern mit ihren Fuhrwerken oder die Melkerinnen mit den Milchkannen passierten das Denkmal täglich. Viele Feste fanden hier statt und alle Rosenwege Assinghausens nehmen hier ihren Anfang. Die Asker Jugend eroberte sich das Denkmal auf ihre Weise: Im Winter dienten die Treppen als Rodelbahn, im Sommer als „Schikane“ für Biker und der Obelisk als Kletterfelsen. Dieser fiel allerdings mitsamt dem westfälischen Ross auf seiner Spitze der Umgestaltung 1953 zum Opfer.

Auch das Wasserbecken hatte sehr gelitten und wurde entfernt. Eines war Grimme sicher nicht: grimmig

Seit vielen Jahren schaut der bronzene Grimme auf die Asker herab und mag manchmal heimlich geschmunzelt haben, ob der Streiche und der Dönekes, die um ihn herum passierten. Denn eines war er sicher nicht: grimmig.

Viele seiner Gedichte und Geschichten, die das Sauerländer Leben vor rund 150 Jahren widerspiegeln, sind voller Humor und spaßiger Anekdoten. Friedrich Wilhelm Grimme, 1827 als Sohn eines Dorfschullehrers in Assinghausen geboren, durchlief „die typische akademische Laufbahn im ländlichen Raum“, so beschrieb es der stellvertretende Landrat Rudolf Heinemann in seiner Festrede. Erst Unterricht durch den Vater und Dorfpfarrer, dann Schulbesuch in Arnsberg und Brilon. Nach dem Studium in Münster erhielt er seine ersten Anstellungen an Gymnasien in Arnsberg, Brilon und Münster. In Paderborn unterrichtete er 16 Jahre.

In dieser Zeit entstanden die meisten Arbeiten. Am bekanntesten sind bis heute die „Memoiren eines Dorfjungen“. Seine letzten aktiven Jahre im Schuldienst verbrachte er als Direktor in Sachsen, bevor er nach Münster zurückkehrte. Dem Sauerland ist er in Prosa und Poesie immer treu geblieben.

Ihre Referenz erwiesen dem „Strunzerdäler“, wie er sich auch nannte, eine Abordnung der Katholisch-Deutschen Studentenverbindung Sauerlandia, die er einst mitbegründet hatte.

Mit Gedicht- und Musikvorträgen erinnerten Christian Niggemann, Georg Stratmann, der Olsberger Männerchor Sauerlandia und die Chorgemeinschaft Assinghausen-Wiemeringhausen an den „großen Sohn des Dorfes“. Musikalisch begleitet wurde die Feier außerdem von der Blechbläserformation Brass for Fun.

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