Qualität auf Prüfstand

Was bedeutet Qualität bei Dienstleistungen für ältere oder behinderte Menschen? Dieser Frage geht das von der EU geförderte Projekt Best Quality nach.

Qualität von Sozialdienstleistungen — was genau bedeutet das in Griechenland und Litauen, in Nordirland und Deutschland? Welche Qualitätsmanagementsysteme gibt es in diesen Ländern? Wo liegen ihre Schwerpunkte? Und welche Maßstäbe können für ganz Europa gelten? Diesen Fragen geht ein Projektteam mit sieben Partnern aus vier Ländern nach. Zum Auftakt trafen sich die Beteiligten jetzt im Josefsheim Bigge.

"Qualitätsmanagement ist ein großes Thema bei Sozialunternehmen. Aber einen europaweiten Vergleich der Systeme, die Sozialdienstleister anwenden, gibt es bislang nicht", erläutert Martin Künemund, Projektleiter im Josefsheim. "Diesen Vergleich werden wir anstellen."

Das Josefsheim in Bigge ist bei dem Projekt federführend. "Wir haben führende Sozialunternehmen aus vier Ländern als Partner gewinnen können", freut sich Künemund. Die Cedar Foundation (Nordirland), Panagia Eleousa (Griechenland), das Valakupiu Rehabilitation Center (Litauen) und die Gruppe Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie sind wie das Josefsheim Bigge Dienstleister für Menschen mit Behinderung. Die Stiftung Liebenau mit Sitz am Bodensee hat ihren Schwerpunkt in der Altenhilfe.

Das Projekt trägt den Titel Best Quality. Best ist dabei die Abkürzung für "Benchmarking European standards in Social services Transnationally", also "länderübergreifende Bewertung europäischer Standards bei Sozialdienstleistungen". Es wird von der Europäischen Union finanziell gefördert.

Im ersten Schritt entwickeln die Partner ein Vergleichsraster für die unterschiedlichen Qualitätsmanagementsysteme. Dabei sollen gesetzliche Vorgaben ebenso berücksichtigt werden wie praktische Erfahrungen.

"Wir vergleichen die Systeme sowohl aus wirtschaftlicher Sicht als auch mit Blick auf die Besonderheiten bei Sozialdienstleistern", sagt Winfried Henke, Qualitätsmanager im Josefsheim Bigge. "Solche Besonderheiten sind zum Beispiel Ganzheitlichkeit, Ethik und die Ausrichtung unserer Angebote an den Bedürfnissen der Menschen, die unsere Dienste in Anspruch nehmen."

Im Herbst 2010 werden die Projektpartner ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit vorstellen. Zum einen eine wissenschaftliche Studie, die die Technische Universität Dortmund vorlegen wird. Zum anderen Empfehlungen an die Europäische Kommission, welches System zum Qualitätsmanagement die Vorgaben der Europäischen Union am besten erfüllt und vorgegebene Standards sichert.

"Viele Sozialdienstleister verzichten bislang noch ganz auf Qualitätsmanagement, weil sie nicht wissen, welches System für sie das richtige ist", sagt Henke. "Durch unsere Ergebnisse werden diese Dienstleister konkrete Hilfestellung bekommen. Auch Politiker und Kostenträger erhalten zum ersten Mal einen europaweiten Vergleich."

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