Windkraft: Assinghauser haben Angst vor Einkesselung

Sachliche Diskussion

Besonders besorgt zeigte Ortsvorsteher Ingo Hanfland auf das Gebiet „Mannstein“ westlich von Assinghausen mit 14 geplanten Anlagen. Foto: Jörg Leske

Ingo Hanfland fühlte sich als Ortsvorsteher verpflichtet, die Assinghauser Bürger über den aktuellen Planungsstand der Standortsuche für Windkraftanlagen zu informieren.

Er begrüßte am vergangenen Montagabend im Dorfgemeinschaftshaus die mehr als 50 Interessierten, die im kleinen Saal zusammenrücken mussten, um Platz zu finden. Er freute sich auch über die Besucher aus den Nachbarorten. Eingeladen hatte der Ortsvorsteher zusammen mit Stadtratsmitglied Giesbert Hoffmann, der sich aus dringenden privaten Gründen entschuldigen ließ.

Ingo Hanfland bemängelte die fehlende Information von der Stadt Olsberg an ihn als Ortsvorsteher. Erst auf Nachfrage habe er die Visualisierung der möglichen Windparkstandorte aus der Sicht von 16 Standpunkten in und um Assinghausen erhalten. Die Veröffentlichungen der Stadt im Internet bezeichneten einige Anwesende als irreführend, da durch die Weitwinkel-Aufnahmetechnik die Windkraftanlagen kleiner wirken würden. Besonders ein Foto löste Reaktionen von Lachen bis Entsetzten aus, da es nur ein nahes Bild des Assinghauser Pastorats zeigt, hinter dem keine Windräder sichtbar sind, wenn man direkt vor dem Haus steht.

Dem Ortsvorsteher war sehr daran gelegen neutral zu informieren und gab nach der Präsentation die Diskussion frei. Hans Georg Pieper stellte seine Situation als Geschäftsführer eines Betriebes mit etwa 120 Mitarbeitern dar. Durch den bisher sparsamen Umgang mit Energie gehört die Firma nicht zu den Energieintensiven, die von der EEG-Umlage befreit sind wie andere in der Branche. Alleine dadurch entstehen ihm im kommenden Jahr Mehrkosten von 300.000 Euro, die zum Teil mit der Beteiligung an dem Windparkprojekt abgefangen werden müssen, um überhaupt wettbewerbsfähig zu bleiben, so Pieper.

Befeuerung im Bedarfsfall

Hans-Josef Becker vom Bundesverband für Windenergie beantwortete viele Fragen von besorgten Bürgern sachlich. Der Olsberger Diplom-Ingenieur Thomas Hachmann, ebenfalls vom Bundesverband Windenergie, wies darauf hin, dass bereits technische Möglichkeiten vorhanden sind, die die nächtliche Befeuerung nur im Bedarfsfall bei sich annäherndem Luftverkehr einschalten, um die Anwohner nicht unnötig zu stören. Ob diese Technologie allerdings Anwendung findet, ist noch fraglich.

Interessant war auch die Information, dass die Lautstärke der geplanten Anlagen in einem Abstand von 600 Metern, was der gesetzlichen Restriktionszone entspricht, lediglich der von Blätterrauschen eines Baumes entsprechen soll. Die Stadt Olsberg hat einen Abstand von 800 Metern zu bebauten Wohngebieten vorgesehen. Die oft ins Feld geführte Beeinträchtigung des Tourismus konnte nicht durch Studien belegt werden. Dagegen wurden Stimmen der Gegner laut: „Mehr Risiken als Nutzen für unsere Region“.

Ebenso kam in der Diskussion ein Fehler in einer Fotomontage der Bürgerinitiative „Gegenwind Bruchhauser Steine“ zur Sprache. Hier werden Windräder mit einer Nabenhöhe von 200 Metern gezeigt, diese liegt tatsächlich jedoch bei „nur“ 135 Metern. Die Gesamthöhe liegt bei 185 Metern – laut Hersteller Enercon.

Das Fazit des Abends: Die Assinghauser Bürger wollen sich auf jeden Fall dafür stark machen, nicht von allen Seiten mit Windparks eingekesselt zu werden. Besondere Sorgen bereitet Ingo Hanfland das Gebiet „Mannstein“ westlich von Assinghausen mit 14 geplanten Anlagen. Zugleich sieht der Ortsvorsteher aber auch den wirtschaftlichen Nutzen für das örtliche Gewerbe (Pieper). (Von Jörg Leske, olsberg@sauerlandkurier.de)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare