Bunte Pflanzenvielfalt

Am Schloss Bruchhausen entsteht ein Sauerländer Blütengarten

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Dagmar Kramer, Werner Schubert und Mechtild Heidrich (v.l.) pflanzten Dost – auch bekannt als „Wilder Majoran“ –im Schmetterlings- und Bienengarten. 

Bruchhausen. Einige halb verwelkte Rosenblüten verbreiten einen wehmütigen Charme, in einer Schubkarre liegen büschelweise Astern, Spaten und Schaufeln lehnen griffbereit daneben: Herbstzeit ist Pflanzzeit – deshalb herrscht jetzt auch im Rosenbogen am Gutshof in Bruchhausen Hochbetrieb: Was hier entsteht, ist etwas Besonderes: ein Sauerländer Blütengarten. Die Idee: Alte, heimische Gartenpflanzen sollen nicht in Vergessenheit geraten und zugleich soll ein Beitrag zur Biodiversität geleistet werden.

„Mit Entsetzen verfolgen wir die extreme Vereinfachung der Gartengestaltung, die oft sogar von der Fachpresse hochgelobt wird. Sie bedeutet aber Verarmung der Gartenpflanzen- und Insektenvielfalt sowie der Vogel- und Kleintierwelt“, erklärt die Betreiberin von Gutscafé und Rosengarten am Schloss Bruchhausen, Mechtild Heidrich.

Deshalb hat sie auch Werner Schubert von der Biologischen Station HSK „mit ins Beet“ geholt. Dieser hat ein Blatt des Alant mitgebracht, einer alten Dorfgartenpflanze, die mittlerweile auf der Roten Liste steht. Sie ist leicht zu verwechseln mit der ebenfalls gelb blühenden Telekie, die gleichermaßen in der freien Landschaft kaum noch zu finden ist. Das Problem: Alte Bauerngärten sind nicht mehr so populär und mit ihrem Verschwinden geht nicht nur heimische Pflanzenvielfalt, sondern auch das ganze Wissen darüber verloren. Auch Schubert hat wenig Verständnis für die sterilen Gärten, die allerorts am Entstehen sind: „Ich bin völlig fassungslos, dass man soviel Geld ausgeben kann, um das einzige Stückchen Erde das man hat, mit Kies zu zuschaufeln.“

„Bauern- und Archegarten“

Diesem Trend will Heidrich mit ihrem Lehr- und Schaugarten etwas entgegen setzen. Entstehen soll in ihrem ehemaligen Rosengarten ein „Bauern- und Archegarten“ mit so typischen Pflanzen wie Astern, Malven, Akelei, Ringelblume aber auch unbekannteren, wie Alant oder dem „Guten Heinrich“ – dessen Blätter wunderbar, wie Spinat, als Salat gegessen werden können, wie Gärtnerin Dagmar Kramer erklärt.

Von einer kleinen Hecke getrennt, entsteht daneben ein „Schmetterlingsgarten“, der vor allem Wirtspflanzen für Insekten beherbergen soll; wie den besser als „Wilden Majoran“ bekannten Dost, Eisenhut, den Schmetterlingsflieder, aber auch die bei Gärtnern weniger beliebte Brennessel.

Kinder könnten, nach Anleitung, hier Insektenhotels bauen – eventuell will man auch einen Bienenstock aufstellen. Aber das ist noch nicht alles: In einer weiteren Ecke wird ein Kneippgarten angelegt, mit den für ihn typischen Heilkräutern. Ein anderer Sektor widmet sich Pflanzen die gerne im Schatten gedeihen und Wildgehölzen. Besondere Stimmungen zaubern farblich aufeinander abgestimmte Abschnitte, wie der „Prinzessinnen-“, „Feuer-“ oder „Eisgarten“. Denn der Garten soll nicht nur (außerschulischer) Lernort werden, sondern auch ein „Refugium und Sehnsuchtsort“, der die Sinne anspricht.

Eröffnung im Juni nächsten Jahres

Nach Fertigstellung – Eröffnung ist im Juni nächsten Jahres – soll der Sauerländer Blütengarten, gegen einen kleinen Eintritt, öffentlich zugänglich sein und über Informationsschilder sowie die anwesenden Gärtner viel Wissenswertes vermitteln. Besonders nachdrücklich eingeladen sind Schulklassen und Kindergartengruppen sowie auch ältere Menschen, denen bei den alten Pflanzen und Blumen oft „das Herz aufgeht“, wie Heidrich bereits bei Besuchen in ihrem Rosengarten beobachtet hat. Kontakte mit der heimischen Grundschule sowie mit Seniorenresidenzen hat sie schon geknüpft, weitere sollen folgen. Ein befestigter, Rollstuhl- und Rollatorgerechter Weg schlängelt sich durch die acht Themengärten. Noch ist offensichtlich die Wertschätzung für die alten heimischen Gartentraditonen nicht völlig verloren gegangen. Als sich Heidrichs Idee herumsprach, kamen etliche Nachbarn und brachten ihr „Schätze“ aus ihren Gärten vorbei. Für derartige Bereicherung ist die engagierte Gärtnerin dankbar: „Alles Wissen, das noch vorhanden ist, sei es eine alte Bauernweisheit oder ein Verwendungszweck – oder auch alte Pflanzen selbst“ nehmen wir gerne an“, so ihr Appell. Von ihrem Projekt „Sauerländer Blütengarten“ verspricht sich Heidrich eine Art Multiplikatorenwirkung: Menschen sollen sich von der Schönheit begeistern lassen und in ihren eigenen Gärten nachahmen. „Das Interesse an der Natur führt durch Kontakt mit der Natur“, betonte Dagmar Kramer, die mit einer weiteren Gärtnerin, den Garten schwerpunktmäßig betreuen wird.

Rosen wird es im übrigen im ehemaligen Rosengarten weiterhin geben „Wir wollen keine ‘Bilderstürmer’ sein, mit der Erwartung, dass die Menschen alle Zierpflanzen herausreißen,“ erklärte Schubert, „sondern dass die Leute die heimische Pflanzenwelt bei ihrer Gartengestaltung mit bedenken.“

Kontakt über das Gutscafé zu dessen Öffnungszeiten (12 bis 18 Uhr): Tel.  0 29 62 / 88 08 12. Der Eintritt dient nur der Kostenabdeckung. Soziale Gruppen und Einrichtungen sind frei. Der Garten wird zu 65 Prozent über Leader-Mittel gefördert.

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