Schultes Gespür für Schnee

Bis an die körperlichen Grenzen und darüber hinaus: Eberhard Schulte und Jutta Weigel haben bei der 'Fulda Challenge' Höchstleistungen bei Extremtemperaturen erbracht.

Wenn sich die Menschen im Sauerland zurzeit über die "Eiseskälte" bei Minusgraden knapp unter dem Gefrierpunkt beklagen, kann Eberhard Schulte nur müde lächeln. Gerade erst ist der gebürtige Olsberger von dem Extremsport-Wettbewerb "Fulda Challenge" aus den Untiefen der kanadischen Provinz heimgekehrt - dort kämpfte er zum Teil gegen Temperaturen von bis zu minus 40 Grad.

"Den ersten Atemzug bei dieser klirrenden Kälte wird wohl keiner der Teilnehmer so schnell vergessen", beschreibt der 39-jährige Familienvater seinen bleibenden Eindruck von der Atmosphäre jenseits des Polarkreises. Allerdings herrsche eine trockene Kälte vor, die das Leben vor Ort in wärmender Thermokleidung einigermaßen erträglich mache.

Doch zum Urlaub machen war Eberhard Schulte sowieso nicht nach Kanada gekommen, auch wenn ihn "die unendliche Weite und die gigantische Landschaft" nachhaltig beeindruckten. Als Teilnehmer der "Fulda Challenge" ging es für den Diplom-Betriebswirt darum, bei einer Art polarem Zehnkampf die eigenen körperlichen Grenzen auszutesten und sich in einem internationalen Teilnehmerfeld unter Extrembedingungen zu behaupten. Neben Ausdauer (arktischer Halbmarathon, Schneeschuhlauf), Kraft (Eisklettern, Schlittenhundefahrt) und Geschicklichkeit (Extremkochen, Zwei-Mann-Schneeloch-Bauen) ist auch das fahrerische Können der Kandidaten (Geschicklichkeitsparcours, Eis-Strecken-Rennen) gefragt, die eigens für die zehntägige Challenge einen VW Touareg zur Verfügung gestellt bekamen.

Kampf gegen die Kälte und sich selbst

Damit pendelten die Teilnehmer auch zwischen den verschiedenen Stationen hin und her, denn der Austragungsort des Events, das Yukon Territory im Westen von Alaska, ist flächenmäßig um ein Drittel größer als Deutschland, sodass die Fahrt über die schier endlosen Highways durchaus ihre vier Stunden in Anspruch nehmen kann. "Die einmalige Umgebung und das supertolle Wetter ließen die Zeit aber wie im Flug vergehen", versichert Eberhard Schulte, dem die Begeisterung über das Erlebte in jeder Aussage anzumerken ist.

Auf die körperlichen Strapazen angesprochen entgegnet der Olsberger, dass die Aufgaben natürlich sehr anspruchsvoll seien und absolute konditionelle Fitness verlangen würden, dennoch sei gerade das ja auch der Reiz des Ganzen. Zumal alle Teilnehmer sich Monate zuvor bei einem Qualifikationsevent bereits in vier Prüfungen beweisen mussten und somit ihre Tauglichkeit für die "Fulda Challenge" zeigten. Darüberhinaus wurde das Teilnehmerfeld, das sich aus Männern und Frauen in gemischten Teams zusammensetzt, ständig von einem Ärzteteam begleitet, um die medizinische Überwachung bei derartigen Extrembedingungen zu gewährleisten.

Dass eine solche Kontrolle notwendig ist, hat Eberhard Schulte schmerzhaft am eigenen Leib zu spüren bekommen. Nach dem 15 Kilometer langen "Skidoo River Quest", einem Schneemobil-Rennen, machten sich Erfrierungserscheinungen unter Schultes linkem Auge sowie am rechten Nasenflügel bemerkbar. "Da musste ich zum Auftauen dann ganz schnell ins Warme", betrachtet er die halbstündige Akklimatisierungsphase im warmen Auto rückblickend mit Humor. Überhaupt seien die Autos, deren Motor während der sportlichen Wettkämpfe durchläuft, um die Wärme im Fahrzeuginneren zu garantieren, "ein ums andere Mal unsere rettende Insel gewesen", so der 39-Jährige.

Denn selbst für ein Event wie die "Fulda Challenge" war es im Januar 2011 in Kanada ungewöhnlich kalt. So mussten die Veranstalter sowohl sportlich als auch organisatorisch improvisieren: Einige vorgesehene Wettbewerbe wie das Abseilen vom Helikopter oder Kite-Surfen mussten wegen fehlender Thermik kurzfristig ersetzt werden, zudem konnten die Athleten aufgrund der Außentemperaturen nicht wie vorgesehen in Zelten schlafen, sondern mussten in vor Ort organisierten Unterkünften (unter anderem einer Trucker-Lodge) übernachten.

Geburtstag irgendwo im Nirgendwo

Besonders in Erinnerung geblieben sind Eberhard Schulte die Wettbewerbe "The Outdoor Gourmet" und der Touareg-Geschicklichkeitsparcours. Beim Outdoor Gourmet ging es für die acht Teams darum, bei Minus 30 Grad mit rustikalen Zutaten auf einem Lagerfeuer ein Mehr-Gänge-Menü zu kreieren, das von Fernsehkoch Steffen Henssler bewertet wurde. Der Geschicklichkeitsparcours hinterließ bei Schulte einen prägenden Eindruck, da er - gut in der Zeit liegend - kurz vor Ende eine Pylone umfuhr und so eine Strafzeit aufgebrummt bekam. Zeitnehmer Hans-Joachim "Striezel" Stuck, ehemaliger Formel 1-Rennfahrer und DTM-Sieger, kommentierte das Missgeschick trocken mit den Worten "Die hast du aber volle Möhre umgemäht."

Zutiefst beeindruckt zeigt sich Eberhard Schulte auch im Nachhinein noch vom eingeschworenen Teamgeist, der unter den eigentlichen Konkurrenten vom ersten Tag an zu spüren war. "Hier haben sich echte Freundschaften entwickelt", blickt der Mountainbike-Spezialist zufrieden zurück. Dazu beigetragen hat auch ein persönliches Ereignis, das per Zufall in die Tage des Wettbewerbs fiel: sein 39. Geburtstag. Diesen verbrachte der verheiratete zweifache Familienvater nämlich nicht wie gewohnt im Kreise seiner Frau Claudia und der Kinder Laurien (9) und Kilian (6), sondern irgendwo im Nirgendwo in der kanadischen Provinz. Für ein klein wenig Gemütlichkeit sorgten da seine Mitstreiter durch ein spontanes Geburtstagsständchen beim gemeinsamen Frühstück sowie mit einem indianischen Traumfänger, den sie ihm zum Geschenk machten. Zusammen mit selbstgemalten Bildern seiner Kinder und lieben Wünschen aus der Heimat wurde der Geburtstag schließlich doch zu einem "sehr emotionalen Moment".

Gesucht hat Eberhard Schulte bei der "Fulda Challenge" die sportliche Herausforderung (schlussendlich Platz drei in der Herrenwertung), gefunden hat er daneben aber vor allem auch einmalige Erfahrungen und neue Freundschaften. So ist bereits für März ein Gruppentreffen in Form eines gemeinsamen Skitourwochenendes geplant.

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