Arbeitskreis „Stolpersteine“ sucht weitere Zeitzeugen

Menschen wieder ein Gesicht geben

In Marsberg sind bereits „Stolpersteine“ verlegt worden. Zur Erinnerung an das Schicksal jüdischer Mitbürger in der Stadt Olsberg und ihren Dörfern soll es auch hier bald die Stolpersteine geben.

Auf Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wurde das Projekt „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Günter Denmig für die Stadt Olsberg auf den Weg gebracht. Über den aktuellen Stand der laufenden Recherche informierten sich gestern Abend 20 Geschichtsinteressierte im Olsberger Rathaus.

Bei dem Projekt „Stolpersteine“ geht es darum, das Leben und die Geschichte jüdischer Mitbürger zur Zeit des Nationalsozialismus aufzuarbeiten und vor deren ehemaligen Wohnhäusern Gedenksteine in der Größe von 10 mal 10 Zentimetern in die Gehwege einzulassen. In den Messingschildern werden die persönlichen Daten und die Schicksale der Menschen eingeschlagen. 20 Geschichtsinteressierte, darunter auch Bürger, die diese Zeit als Kinder miterlebt haben, trafen sich im Rathaus, um den aktuellen Stand der Nachforschungen zu hören, aber auch um eigene Erfahrungen zu erzählen und sich über den Verbleib von damaligen Nachbarn und Freunden zu erkundigen. Bürgermeister Wolfgang Fischer sprach dem Heimatbund der Stadt Olsberg Dank für die übernommene Arbeit der Aufarbeitung aus und kündigte an, das Projekt durch die Stiftung „Wir in Olsberg“ finanziell zu unterstützen. Die weitere Finanzierung ist über Spenden und Patenschaften geplant. Ortsheimatpfleger Michael Maiworm aus Bigge trug die bisherigen Rechercheergebnisse vor. Demnach wurden mit Hilfe der Gedenktafeln auf dem Bigger Friedhof, der Bronzetafel an der ehemaligen jüdischen Schule und der dem Pogrom zum Opfer gefallenen Synagoge sowie der Durchforstung des Stadtarchivs 44 jüdische Mitbürger namentlich festgestellt. Winfried Henke erinnerte daran, nicht die Menschen zu vergessen, die vertrieben wurden oder nur durch Flucht mit dem Leben davon gekommen sind. Die sieben Mitglieder des Arbeitskreises rufen Zeitzeugen auf, ihre Erinnerungen mitzuteilen und auch evtuell vorhandene Fotos oder Dokumente zur Einsicht und Digitalisierung leihweise zur Verfügung zu stellen. Persönliche Daten werden auf Wunsch vertraulich behandelt, betont Michael Maiworm. Diese Aufarbeitung ist wichtig, um die Geschichte in Erinnerung zu behalten und den Menschen wieder ein Gesicht zu geben. Zum dritten Treffen des Arbeitskreises am 29. April (Dienstag) sind auch wieder alle Interessierten eingeladen. Auf der Seite http://olsbergwiki.de befinden sich die Daten der Opfer.

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