Olsbergerinnen wandern auf den Spuren ihrer Romanheldin

Überraschung für Bummi-Fans

Die gesammelten Werke von Martha Schlinkert hat ihre Schwiegertochter (links) für ihre Besucherinnen Gudrun Hagemeister, Monika Schöne, Astrid Bittern, Cornelia Schmidt, Edeltraud Lahme und Sigrid Wiepen zurechtgelegt. Foto: Jana Sudhoff

Eine fast unscheinbare Mappe. Der dünne Schriftzug auf dem Deckblatt fällt kaum ins Auge. Die beiden schlichten Schriftbündel – Schreibmaschinen geschrieben – lassen auf den ersten Blick nicht erkennen, was sich dahinter verbirgt.

Und dennoch ist dies wohl die größte Überraschung für die fünf Frauen, die sich am Dienstag bei der Bummi-Wanderung der Olsberg Touristik in Olsberg auf die Spuren ihres Kindheitsidols begeben haben.

Immer wieder greifen sie zu dem Manuskript und seiner Kopie zurück, das zusammen mit fast allen Werken Martha Schlinkerts auf dem Tisch liegt. Liebevoll hat Gerda Schlinkert für ihre Besucher das Erbe ihrer Schwiegermutter, der bekannten Olsberger Heimatschriftstellerin, in ihrer Stube drapiert. Ob sich hinter dem Entwurf „Bummi hat Heimweh“, datiert auf 1976, kurz vor dem Tod der Bummi-Autorin, ein unveröffentlichter Band verbirgt? Hat Schlinkert ihn überhaupt beendet? Könnte er noch veröffentlicht werden?

Die Teilnehmerinnen der Wanderung haben die erschienenen zehn Bummi-Abenteuer in ihrer Kindheit verschlungen. Hatten als junge Sunderinnen oder Nuttlarerinnen den großen Traum wie die verehrte Romanheldin in Olsberg zu wohnen oder zumindest ihr Zuhause das Haus Nummer 176 einmal mit eigenen Auge zu sehen. Wünsche, die sich inzwischen erfüllt haben.

Bummi-Abenteuer verschlungen

Dass sie nach Jahrzehnten aber noch einmal neuen Lesestoff bekommen könnten, wäre natürlich eine kleine Sensation nicht nur für die fünf Bummi-Fans.

Die fünf Frauen entdecken bei ihrer rund zehn Kilometer langen Wanderung – durch Olsberg, vorbei an der ehemaligen Schützenhalle, durch das Wohngebiet um den Drönkerweg Richtung Rote Brücke, vorbei an der Olsberger Hütte, entlang der Ruhr, vorbei am Stausee – bei ihrer letzten Stadion bei Gerda Schlinkert noch mehr Neues. Eine Erzählung in einer Anthologie übersetzt ins Chinesische aus dem Jahr 1990 gehört genauso dazu wie das Poesiealbum der Autorin, Privates aus dem Fotoalbum oder ein Büchlein, das sie 1940 ihrer Tochter zur Geburt geschrieben hat, beginnend mit den Zeilen: „Ich habe ein Kind, ein Kind, ein richtiges Kind…“

Spaß macht es auch in der Fanpost Schlinkerts zu blättern, die ihr unzählige Kinder aus ganz Deutschland – auch noch nach ihrem Tod – an „Bummi Fröhlich, Olsberg im Sauerland, Haus 176“ geschickt haben. „Der Postbote wusste Bescheid“, sagt Gerda Schlinkert, die später die Briefe zusammen mit ihrer Tochter beantwortet hat.

„Kinderkeller“ wieder hergerichtet

„Das ist ja meine Schwiegertochter“ ist auch Wanderführerin Gudrun Hagemeister überrascht, als sie im „Kinderkeller“, den Gerda Schlinkert zum 100. Jahrestag ihrer Schwiegermutter beinahe im Originalzustand hergerichtet hat, auf den Fotos an den Wänden bekannte Gesichter entdeckt. Hier haben unzählige Kinder aus der Nachbarschaft täglich ihre Nachmittage verbracht, um der Bummi-Autorin zu lauschen und nach ihren Geschichten Bilder zu malen.

Mehr als 100 Werke hat die gebürtige Gelsenkirchenerin, die die Liebe zum Fabrikant Erwin Schlinkert nach Olsberg zog, geschrieben. „Ein Zipfel Glück für Sigrid“ – „Ob sie durch meinen Namen auf den Titel gekommen ist“, fragt sich Sigrid Wiepen, die als Kind oft bei Martha Schlinkert war. Ebenso wie Edeltraud Lahme, Bummi-Fachfrau, die während der Wanderung Auszüge aus den Abenteuern vorliest. Genauso wie bei einem der Vorlesetage in der Stadtbücherei, wo sie Grundschülern eine Lesekostprobe gibt. Zu kosten gab es bei einer ihrer Vorlesekollegin etwas Besonderes: eine Probe Sauerländer Erde für die ganz Mutigen, runtergespült mit Himbeersaft. Für viele Bummi-Fans eine einprägsame Szene, als Bummi im Selbsttest herauszufinden versuchte, woher das Sauerland seinen Namen hat.

Und vielleicht sind die jungen Zuhörer ja wieder auf den Geschmack gekommen – zumindest was die Kinder- und Jugendliteratur angeht. Denn Martha Schlinkerts großes Anliegen war es, Kinder fürs Lesen zu begeistern. (Von Jana Sudhoff, j.sudhoff@sauerlandkurier.de)

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