„Schulstandort nicht gefährdet“

Verkauf der alten Volksschule in Bigge: Bürgermeister rudert zurück 

Über den Verkauf einer Teilfläche der St. Martinus-Grundschule Bigge soll in der Ratssitzung am Donnerstag abgestimmt werden
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Über den Verkauf einer Teilfläche der St. Martinus-Grundschule Bigge soll in der Ratssitzung am Donnerstag abgestimmt werden.

Olsberg – Nach einer ausführlichen und sachliche Diskussion empfiehlt der Ausschuss Bildung, Sport, Freizeit in seiner Sitzung am Mittwoch dem Rat der Stadt Olsberg die Verwaltung zu beauftragen, den Prozess eines gemeinsamen und nachhaltigen Bildungs- und Raumkonzeptes für die drei Offenen Ganztagsschulen anzustoßen.

Zuvor legte Dr. Matthias Maluck, Sprecher der Bürgerinitiative „Bigge Aktiv“, mit aktuellen Schülerzahlen sowie der prognostizierten Entwicklung der Offenen Ganztagsgrundschule (OGS) in Bigge die Notwendigkeit des Erhaltens des vom Verkauf und Abriss bedrohten alten Volksschule/ Bildungswerkstatt dar: „Die Grundschule unterrichtet 182 Schüler, in der Betreuung sind 30 Schüler, 56 Schüler besuchen die OGS, 6 Schüler stehen auf der Warteliste und 6 Kinder aus der Betreuung wären gerne in der OGS, haben aber keinen Platz mehr. Die OGS-Quote liegt damit zurzeit in Bigge bei 37 Prozent –vor zwei Jahren waren es noch 18 Prozent. Konservativ gerechnet ist im Schuljahr 2025/26 mit einer Quote von mindestens 50 Prozent zu rechnen, ein Wert, den Bruchhausen schon heute fast erreicht hat. Gleichzeitig steigen die Schülerzahlen, wodurch ein Bedarf von mindestens 400 Quadratmetern entsteht – dass bei danach weiter steigender Tendenz (in den Städten liegt die Quote heute schon bei 70 bis 80 Prozent).“ Mit der Fläche wäre man allerdings trotzdem erst beim Prädikat „ausreichend“. Im Moment werden für die OGS 160 Quadratmeter genutzt. 600 Quadratmeter Fläche würden ersatzlos wegfallen, wenn das alte Schulgebäude abgerissen und das Grundstück veräußert würde. Nicht nur die Betreuungsräume würden wegfallen, sondern auch Toilettenanlagen. 

Abstimmung in der Ratssitzung

Der Ausschussvorsitzender Rudolf Przygoda zog das Fazit: „Fakten schaffen ist der schlechteste Weg, den werden wir nicht beschreiten.“ Bürgermeister Wolfgang Fischer bestätigte: „Der Schulstandort ist nicht gefährdet. Das dazu ein räumliches Konzept gehört wissen wir auch.“ 

Weiter ließ Fischer durchblicken, dass in der Sitzung des Rates am Donnerstag im nichtöffentlichen Teil über den Antrag eines Investors zum Erwerb eines Grundstückes abgestimmt und die Öffentlichkeit darüber kurzfristig informiert werde. Mehrheitlich besteht Einigkeit darüber, dass eine für alle Seiten vertretbare Lösung gefunden werden muss, für die nötige Erweiterung der Elisabeth Klinik, wie für die Betreuung in der Offenen Ganztagsgrundschule. 

Schulcontainer in Bruchhausen?

Wie schwierig es ist neuen Raum zu schaffen sieht man aktuell in Bruchhausen. Ein Mehrzweckraum im Untergeschoss des neueren Schulgebäudes wurde dem benachbarten Kindergarten zur Verfügung gestellt. Ohne diesen hätten dort keine Kinder mehr aufgenommen werden dürfen. Der von 32 auf 45 Kindern wachsende Betreuungsbedarf in der OGS kann im kommenden Jahr nicht abgedeckt werden, wenn keine weiteren Räume zur Verfügung stehen. „Die im ersten Obergeschoss vorhandene und leerstehende Mietwohnung in der alten Grundschule ist wegen fehlender Fluchtwege und anfallenden Sanierungsarbeiten unter Beachtung des Denkmalschutzes nicht kurzfristig für die OGS nutzbar“, erklärte Elisabeth Nieder, Leiterin des Fachbereich Zentrale Dienste, Bildung, Sport und Freizeit. 

Um dem steigenden Betreuungsbedarf in der Offenen Ganztagsschule in Bruchhausen gerechnet zu werden, schlägt die Verwaltung die Aufstellung eines mobilen Raummoduls auf der Grünfläche vor dem Pfarrhaus vor.

Als Übergangslösung stellte Nieder ein „mobiles Raummodul“ vor. Dieser für den Zweck gut ausgebaute Container könnte auf dem angepachteten Schulhofbereich in Richtung Pfarrhaus platziert werden, allerdings nur mit der Zustimmung des Kirchenvorstandes. Ortsvorsteher Karl-Josef Steinrücken sorgte sich um die Akzeptanz im Ort, sollte diese „Zwischenlösung“ über mehrere Jahre genutzt werde: „Es wird den Kindern die Spielfläche genommen. Ein unansehnlicher Flachbau stört zudem das Bild mit der dominanten Kirche erheblich. Die Sanierung der oberen Ebene des Schulgebäudes darf nicht aus den Augen verloren werden.“ 

Nachdem Elisabeth Nieder die voraussichtlichen Kosten verglich, versprach Bürgermeister Wolfgang Fischer eine maximale Nutzungsdauer des Containers von ein bis zwei Jahren. Die Kosten für die Herrichtung der ehemaligen Mietwohnung nach Brand- und Denkmalschutz-Vorgaben würden laut Verwaltung mit 120.000 Euro zuzüglich 40.000 Euro für die Heizungsanlage angesetzt. Diese Ausgabe würde allerdings nur vorgezogen, da die Heizung in den nächsten Jahren sowieso saniert werden müsse. Das mobile Raummodul schlägt mit rund 30.000 Euro Anfangs- sowie weiteren nicht unerheblichen Installationskosten wie zum Beispiel Baugenehmigung und Fundament, zu Buche. Dafür kann es später anderorts weiterverwendet werden.

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