"Da ist die Verschuldung schon vorprogrammiert"

Hubert Kleff (l.) und Angelika Gemkow (2.v.r.) sprachen mit Geschäftsführer Hubert Vornholt (r.) und mit Mitarbeitern der Buchbinderei. Foto: Timo Bakenfelder

Angelika Gemkow und Hubert Kleff zu Besuch im Josefsheim

Bigge. (tomo)

"Was macht das Gesundheitssystem mit Menschen mit Behinderungen:" Um auf diese Frage eine Antwort zu erhalten, haben die Landesbehindertenbeauftragte Angelika Gemkow und der heimische Landtagsabgeordnete Hubert Kleff das Josefsheim Bigge besucht. Vertretungsorgane des Josefsheims Heimbeirat, Werkstattrat und die Rehabilitandenvertretung hatten einen umfangreichen Fragenkatalog erarbeitet, der mit Gemkow und Kleff vor Ort diskutiert wurde. Ob und wie Gesundheitsreform, Antidiskriminierungsgesetz oder Behindertengleichstellungsgesetz griffen, konnten die Bewohner des Josefsheims aus eigener Erfahrung berichten.

Zum Thema "freie Arztwahl" führten sie ein Negativbeispiel an. "Solche Fälle müssen bekannt werden, wenn ein Mensch mit Behinderung aus Budgetgründen nicht von einem Arzt behandelt wird. Die Versorgungssicherheit muss gewährleistet sein", so Hubert Kleff. Andere Fallbeispiele erörterten die unterschiedliche Leistungserbringungen im stationären und im ambulanten Wohnen. Die Mobilitätshilfen, für einen Menschen mit einer Körperbehinderung unerlässlich, sind im betreuten Wohnen sehr begrenzt. So werden zum Beispiel die Heimfahrten im ambulanten Wohnbereich nicht mehr gewährt. Soziale Kontakte zur Familie oder guten Freunden brechen ab oder sind stark gestört. "Wie soll ein Mensch mit Behinderung ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben führen, wenn er seine wichtigen sozialen Kontakte verliert: Dieses Vakuum was da entsteht muss bearbeitet werden", so Gemkow. "Die Bedarfe und die Versorgung werden immer komplexer. Es kann nicht richtig sein, dass sich Menschen mit Behinderung enorm verschulden, wenn sie die Medikamente selbst bezahlen müssen. An dieser Stelle ist die Verschuldung vorprogrammiert, da sind wir weit weg vom selbstbestimmten Leben dieser Menschen", erklärte auch Hubert Vornholt, Geschäftsführer des Josefsheim.

Gemkow und Kleff sicherten ihre weitere Unterstützung zu, mit der Bitte die weiteren Missstände und Problematiken schriftlich einzureichen.

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