Etwa 1500 Fälle im Vorjahr

Polizei sagt mit neuer Kampagne Unfallfluchten den Kampf an - und appelliert an Zeugen

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Wollen aufklären (v. l.): Ralf Schilde (Provinzial-Versicherung), Klaus Bunse (Polizeidirektor HSK), Landrat Dr. Karl Schneider, Gregor Mertens (Leiter Direktion Verkehr), Stephanie Trompeter (Geschädigte) und Dirk Breiken (Hausleiter Kaufland Bruchhausen).

Hochsauerland. Der Außenspiegel an der Beifahrerseite beschädigt, der Kotflügel eingedellt und ein hoher Schaden an der Lackierung – genau das ist Anfang November Stephanie Trompeter passiert. Vom Täter gibt es keine Spur, außer blauen Farbrückständen an ihrem Pkw sind keine Hinweise vorhanden. Das ist nur einer von vielen Fällen. Denn im Jahr 2017 gab es etwa 1500 Fälle von Unfallfluchten im HSK. In diesem Jahr rechnet die Polizei ebenfalls mit einer hohen Anzahl. Daher möchte die Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis nun mit ihrer neuen Kampagne „Unfallflucht ist unfair“ auf das Thema Unfallfluchten hinweisen und an mögliche Zeugen appellieren, eine Aussage zu tätigen.

„Anfangs war ich ziemlich fertig“, gibt die 31-jährige Stephanie Trompeter bei der Auftaktveranstaltung der neuen Kampagne am vergangenen Mittwoch auf dem Kaufland-Parkplatz in Bruchhausen zu. Genau dort ist ihr Anfang November ein Unbekannter in ihr Auto gefahren und hat danach Unfallflucht begangen. „Ich arbeite seit dem 1. November bei der Maxmo-Apotheke. Ich habe hier auf dem Parkplatz ganz normal morgens geparkt. Als ich dann abends um 19 Uhr Feierabend hatte, fiel mir auf, dass irgendetwas mit meinem Auto nicht stimmt“, schildert die Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte. 

Die Schäden an Außenspiegel, Kotflügel und Lackierung belaufen sich auf 2300 Euro. „Besonders ärgerlich ist, dass ich bei meiner Kaskoversicherung einen Eigenanteil von 500 Euro habe und nun bei der Schadensfreiheitsklasse in den Prozenten steige“, so die Hüstenerin.

Laut Ralf Schilde von der Provinzial-Versicherung müsse Stephanie Trompeter mit Mehrkosten von etwa 500 Euro im Jahr rechnen. „Da sie erst in der Schadensfreiheitsklasse drei war, hat sie natürlich nun mit erheblichen Mehrkosten zu rechnen“, erklärt er. Die Schadenshöhe von 2300 Euro liege knapp unter dem Durchschnitt. In der Regel beliefen sich die Kosten bei Unfallfluchten im Rahmen von etwa 2500 bis 3000 Euro, so Schilde. 

Was die Geschädigte jedoch am meisten ärgert, sind nicht die für sie entstandenen Kosten, sondern dass sich der Täter nicht bei der Polizei gemeldet hat. „Da bin ich auch wirklich ehrlich. Es geht mir nicht um die Kosten. Ich finde es viel schlimmer, dass Menschen nicht zu dem stehen, was sie gemacht haben“, betont die 31-Jährige. Dass der Fall noch aufgeklärt wird, daran glaubt Trompeter nicht mehr. „Es war dunkel. Da ist auch auf dem Parkplatz nicht mehr so viel Betrieb. Es gibt einfach auch zu wenig Hinweise.“ 

Nur 41 Prozent der Fälle aufgeklärt 

Genau darauf zielt nun die neue Kampagne der Kreispolizeibehörde ab – mehr Hinweise zu erhalten und vor allem mögliche Zeugen zu sensibilieren, dass sie sich bei der Polizei melden. „Wir sind bei solchen Fällen von Zeugenaussagen abhängig. Oft wissen sie viel mehr als der Geschädigte selbst: Sie haben sich zum Beispiel das Kennzeichen gemerkt oder es vielleicht sogar mit dem Smartphone fotografiert oder sie haben sich die Automarke gemerkt“, betont Gregor Mertens, erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Direktion Verkehr. 

Etwa 1500 Fälle von Fahrerflucht gab es im HSK im vergangen Jahr. Eine nur geringe Aufklärungsquote von 41 Prozent verdeutlicht, dass die Ermittlungsarbeit in Fällen mit Sachschaden für die Polizei schwierig ist. „Bei Unfallflucht mit Personenschaden liegt die Aufklärungsquote allerdings bei etwa 70 Prozent. Das liegt natürlich auch daran, dass dann unsere Ermittlungen tiefgreifender und ausgedehnter sind. Die Opfer sind auch häufig traumatisiert und wir versuchen auch, sie nach dem Unfall teilweise zu betreuen“, verdeutlicht Klaus Bunse, Polizeidirektor im HSK. 

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In der Regel werde ein Vierteljahr ermittelt, oft auch mit Einbeziehung der Öffentlichkeit vor allem in Sozialen Netzwerken. „Es hängt auch immer ein bisschen davon ab, ob es Hinweise gibt und ob die Spurensicherung zu Ergebnissen gekommen ist“, erklärt Bunse. 

Im HSK sollen nun etwa 160 Plakate, die auf die Kampagne hinweisen, an Parkplätzen von Kaufhäusern und auch an P&R-Anlagen aufgehängt werden. „Gerade Parkplätze bei Kaufhäusern sind typische Stellen für Unfallflucht“, stellt Landrat Dr. Karl Schneider heraus.

Motive sind vielfältig 

Motivationen zur Unfallflucht seien vielfältig: Einige hätten Angst vor der Strafe, andere standen vielleicht unter Alkohol- oder Drogeneinfluss und manche befürchteten einen Verlust der Schadensfreiheitsrabatte. „Fahrerflucht zieht sich durch alle Schichten. Wir wollen der Problematik nun den Kampf ansagen“, so der Landrat. Zu den Strafen, die auf die Täter bei solchen Delikten zu kommen, zählen Entzug der Fahrerlaubnis, eine Kontrolle der Kraftfahrzeugtauglichkeit und Punkte in Flensburg. Unfallflucht sei nämlich kein Kavaliersdelikt. 

Wer an seinem Auto Spuren eines Unfalles bemerkt sollte umgehend die Polizei unter 110 informieren. „Die Polizei rückt zu jeder Unfallflucht aus. Die Geschädigten sollen möglichst am Tatort bleiben und nicht zur nächsten Polizeiwache fahren, damit man mögliche Spuren am Unfallort sichern kann“, so Gregor Mertens. 

Für Unfallverursacher, die den Schaden bei der Polizei melden möchten, gilt ähnliches. „Auch sie sollen möglichst vor Ort bleiben und die Polizei telefonisch informieren“, so der Polizeihauptkommissar. „Es ist gesetzlich festgelegt, dass man 20 bis 30 Minuten am Unfallort bleiben muss.“ Für alle, die der Polizei Hinweise geben möchten gilt: „Was man gesehen hat, sollte nicht für sich behalten werden.“ So können dann vielleicht zukünftig mehr Fälle aufgeklärt werden und Geschädigte wie Stephanie Trompeter bleiben nicht auf den hohen Kosten sitzen.

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