Trockener Dezember, nasser Sommer

Ruhrverband zieht zweischneidiges Fazit des Abflussjahres 2017 

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Da die Talsperren in den Sommermonaten August bis Oktober keine zusätzlichen Wassermengen abgeben mussten, war der Pegel - wie hier der Vordamm Mielinghausen der Hennetalsperre bei Meschede - stets gut gefüllt.

Hochsauerland. Das Einzugsgebiet der Ruhr verzeichnete im Abflussjahr 2017, das vom 1. November 2016 bis zum 31. Oktober 2017 dauerte, den trockensten Dezember seit 43 Jahren. Das hat die wasserwirtschaftliche Auswertung des Ruhrverbands für die vergangenen zwölf Monate ergeben. Insgesamt fiel im Abflussjahr 2017 in der Region zwischen Winterberg und Duisburg acht Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel der Jahre 1927 bis 2016, was diesen Zeitraum zum neunten Abflussjahr in Folge (seit 2009) mit einem Niederschlagsdefizit macht.

Bemerkenswert war im Abflussjahr 2017 vor allem eine Zweiteilung zwischen dem sehr trockenen Winterhalbjahr (31 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel) und dem vergleichsweise regenreichen Sommerhalbjahr (14 Prozent mehr Niederschlag). 

Das schlug sich auch in der Verteilung der so genannten zuschusspflichtigen Tage nieder: Sie war zwischen November 2016 und Juli 2017 doppelt so hoch wie im Vergleichszeitraum der letzten 25 Jahre. In der dritten Juniwoche wurde ein streckenweises Trockenfallen der Ruhr bei Schwerte-Villigst nur dadurch verhindert, dass die Talsperren des Ruhrverbands das Zehnfache der Wassermenge, die ihnen im selben Zeitraum zufloss, an das Flusssystem abgaben.

Keine zusätzliche Wasserabgabe der Talsperren in den Spätsommermonaten

In den Hoch- und Spätsommermonaten August bis Oktober hingegen, in denen üblicherweise reichlich Zuschusspflicht herrscht, musste das Talsperrensystem an keinem einzigen Tag zusätzliche Wassermengen abgeben, um die gesetzlichen Mindestabflüsse in der Ruhr aufrechtzuerhalten. Zum Vergleich: Von August bis Oktober des Vorjahres hatte an 87 von 92 Tagen Zuschusspflicht geherrscht.

Die Hochwassermeldegrenze an der unteren Ruhr (410 Zentimeter am Bezugspegel Wetter/Ruhr, entspricht einem Durchfluss von 300 Kubikmetern pro Sekunde) wurde im Abflussjahr 2017 kein einziges Mal überschritten. Der höchste Abfluss wurde mit 294 Kubikmetern in der Sekunde am 24. Februar am Pegel Hattingen verzeichnet. Aktuell ist das gesamte Talsperrensystem des Ruhrverbands zu rund 83 Prozent gefüllt – mit steigender Tendenz, da der Gesamtzufluss zu den Talsperren mit knapp 55 Kubikmetern in der Sekunde derzeit deutlich über dem Abfluss von knapp 34 Kubikmetern liegt. Zum Ende des vorherigen Abflussjahres hatte der Füllstand nur bei rund 65 Prozent gelegen. Mit Abklingen der aktuellen Niederschläge wird der Anstieg beendet, und in den kommenden Tagen bis Freitag wird sich die Abflusssituation dann nur wenig ändern.

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