„Schöne Abwechslung zum Schulalltag“

Anne-Frank-Tag: Über 500 Schüler beteiligen sich an Aktion gegen Antisemitismus und Rassismus

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Klassenlehrer Markus Kaiser war mit seinen Schülern der 6b am jüdischen Friedhof unterwegs.

Nicht nur aufgrund des sonnigen Wetters war kürzlich viel los in der Schmallenberger Kernstadt: Über 500 Schüler des Städtischen Gymnasiums beteiligten sich am Anne-Frank-Tag, einem bundesweiten Aktionstag gegen Antisemitismus und Rassismus.

Schmallenberg – Die Schülervertretung des Gymnasiums organisierte aus diesem Anlass einen Projekttag für die ganze Schule, bei dem in verschiedenen Programmbausteinen unter anderem auch die Geschichte und Schicksale der jüdischen Gemeinde in Schmallenberg thematisiert wurde.

Der Aktionstag wird zentral vom Anne-Frank-Zentrum in Berlin organisiert und steht in jedem Jahr unter einem besonderen Thema.

Blick in die Geschichte

Die Schüler sollten sich in diesem Jahr mit der Geschichte von Anne Frank in der Zeit des Nationalsozialismus zu befassen, wobei insbesondere das Untertauchen vor den Nationalsozialisten in den Fokus gerückt wurde. Dazu wurde der Schule kostenlose Lernmaterialien zur Verfügung gestellt. „Als Mitglied des Netzwerkes ‚Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‘ ist es uns wichtig, die Schülerinnen und Schüler für Antisemitismus und Rassismus zu sensibilisieren“, erklärt Hannes Tigges, Schülersprecher des Gymnasiums. „Gerade aufgrund der anstrengenden letzten Wochen wurde der Aktionstag auch sehr gut von den Schülerinnen und Schülern angenommen und hat eine schöne Abwechslung zum Schulalltag geschaffen“, ergänzt Amy Hochstein, stellvertretende Schülersprecherin.

Einer der Programmpunkte war eine Stadtrallye durch die Schmallenberger Kernstadt, bei der die Schüler verschiedene Orte mit Bezug zur jüdischen Geschichte ansteuerten. Am Vormittag und Mittag machten sich so über 500 Schüler auf den Weg in die Stadt, um mehr über die Geschichte hinter den im Jahr 2012 verlegten „Stolpersteinen“ zu erfahren, welche die Wohnorte der aus Schmallenberg deportierten Juden während des Nationalsozialismus kennzeichnen. Auch das Denkmal in der Synagogenstraße und der jüdische Friedhof waren Stationen der Rallye.

Einige Aufgaben waren zu lösen

Zur Unterstützung nutzen die Schüler die vorhandenen iPads der Schule und eigene Endgeräte. Über die App „Biparcours“ wurde den Kindern die vorgegebene Route sowie weitere Informationen zu den Stationen angezeigt. Darüber hinaus waren einige Aufgaben zu lösen wie: „Wie viele Juden aus Schmallenberg wurden zwischen 1942 und 1945 von den Nationalsozialisten ermordet?“ (Antwort: 36), so das Gymnasium.

Die vielen Schülergruppen in der Stadt blieben natürlich nicht unbeachtet: Zahlreiche Passanten erkundigten sich nach dem Grund, warum so viele Schüler in Begleitung ihrer Lehrkräfte in der Stadt unterwegs waren. Dabei zeigten sich einige sehr begeistert von der Aktion und konnten den Schülern zum Teil sogar noch weitere interessante Informationen über die einzelnen Stolpersteine geben.

Moderne Form der Schnitzeljagd

Auch bei den Schülern kam diese moderne Form der Schnitzeljagd gut an: „Die Stadtrallye war wirklich super vorbereitet und sehr informativ. Besonders die Informationen zu den persönlichen Schicksalen hinter den Stolpersteinen bewegte die Schülerinnen und Schüler sehr“, berichtet Markus Kaiser, Klassenlehrer der 6b. „Einige der Kinder fragten mich, aus welchem Grund die Menschen denn eigentlich damals aus Schmallenberg weggebracht worden sind und was sie getan hätten. Dass die Deportation der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger natürlich nicht plausibel zu begründen ist, war da gar nicht so einfach zu erklären.“

Einen besonderen Gast begrüßten die Schüler der Jahrgangsstufen 10 und 11 am Mittag. Mit Norbert Otto, lange Zeit selbst Schulleiter des Gymnasiums, konnte ein wahrer Experte zur jüdischen Geschichte in Schmallenberg gewonnen werden. Der Autor des bereits erschienenen Buches „Stolpersteine“, welches sich ausführlich mit den jüdischen Opfern des Nationalsozialismus in Schmallenberg beschäftigt, arbeitet derzeit an einem neuen Projekt, der Aufarbeitung der Geschichte der Familie Stern.

Appell an die Zuhörer

Nach einigen persönlichen Eindrücken, die Norbert Otto als ehemaliger Geschichtslehrer mit Augenzeugen des Holocausts sammeln konnte, stand er den Schülern Rede und Antwort zur jüdischen Geschichte in Schmallenberg. Hier bewies der Experte sein umfangreiches Wissen und gab den Schülern noch viele weitere Informationen. Sein Appell an die Zuhörer zum Schluss: „Lesen Sie sich gut in die Geschichte ein, hinterfragen Sie Fakten und Erzählungen, vor allem jene, die in sozialen Netzwerken verbreitet werden. Und ganz wichtig: Auch das Zurückweisen von kleineren antisemitischen Äußerungen, wie in einem blöden Spruch oder Witz, hilft schon dabei, die Welt ein bisschen besser zu machen.“

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