"Unermesslicher Wert" 

Archäologen entdecken Reste der alten Schmallenberger Stadtmauer

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Historischer Fund: Wolfram Essling-Wintzer, Holger Entian und Bürgermeister Bernhard Halbe (v.l.)präsentieren die Überreste der Stadtmauer hinter dem Rathaus.

Schmallenberg - „Wir haben einen linearen Verlauf der Stadtmauer erfasst“, sagt Wolfram Essling-Wintzer (LWL-Archäologie für Westfalen) stolz und deutet auf ein 1,20 Meter starkes Stück Mauerwerk mit 1,60 Metern Gründungstiefe hinter dem Schmallenberger Rathaus. Bürgermeister Bernhard Halbe und Holger Entian von der Stadt Schmallenberg drückten es so aus: „Mission erfüllt“. Die Suche nach Resten der Stadtmauer, die im Rahmen des Historischen Marktes zum 775-jährigen Stadtjubiläum an diesem Wochenende präsentiert werden sollen, war erfolgreich.

Die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe haben in den vergangenen Tagen ganze Arbeit geleistet und ein etwa 40 Zentimeter unter der Oberschicht gelegenes Stück der alten Stadtmauer freigelegt. „Wir sind sehr zufrieden“, berichtet Wolfram Essling-Wintzer. Die Grabung habe unermesslichen Wert für die Stadt Schmallenberg und die städtische Geschichtsforschung, betonte der Archäologe.

Immerhin gebe der Fund Aufschluss darüber, dass sich an dieser Stelle Reste der Burg und der mittelalterlichen Stadtbefestigung befinden. „Das ist ein wichtiger Punkt in der Stadt, hier liegt der Ursprung der Siedlungsentwicklung“, so Essling-Wintzer. Der Fund habe zudem die im westfälischen Städte-Atlas eingezeichnete Stadtmauer-Linie bestätigt.

Doch bevor die Archäologen ans Werk gehen konnten, wurde eine geophysikalischen Untersuchung mittels Georadar, die Strukturen im Boden darstellt, durchgeführt. Die Bilder und Messsungen seien interpretiert und so kleine Flächen ermittelt worden, wo Fundamente vermutet und die Bagger angesetzt werden konnten. „Und wir sind tatsächlich auf Fundamente gestoßen.“

„Es ist wichtig, dass wir das vermessen, zeichnen und fotografieren“

Neben dem Stück der Stadtmauer, die an einer Stelle abrupt endet, sind auch zwei Grüfte aus Backstein freigelegt worden. Diese deuten auf einen alten Friedhof hin, der sich von 1825/26 bis etwa 1916 an dieser Stelle befunden hat. Durch das Anlegen der Gräber sei die Stadtmauer an einigen Stellen beschädigt worden. Ebenso seien dadurch Fundstücke, die Aufschluss über das Alter der Stadtmauer geben könnten (zum Beispiel Münzen), abhanden gekommen. Aufgrund der Mauertechnik spreche laut Essling-Wintzer jedoch nichts gegen die archivalische Überlieferung, dass die Mauer aus den Jahren um 1244 stammt.

„Es ist wichtig, dass wir das vermessen, zeichnen und fotografieren“, berichtet der Archäologe. So soll eine langfristige Dokumentation angelegt werden, damit der Fund auch greifbar ist, nachdem er wieder zugeschüttet worden ist. Eine weitere Grabung wird neben dem „Schmalen Haus“ durchgeführt, wo die Reste eines steinernen Hauses aus der Zeit vor dem Stadtbrand von 1822 vermutet werden. Das „Schmale Haus soll auf den Resten der Stadtmauer errichtet worden sein.

Die Idee zu einer Grabung sei in den Arbeitsgruppen für das Stadtjubiläum entstanden. Bei den Stadtführungen sei deutlich geworden, dass die Besucher „mittelalterliche Erwartungen“ hatten. „Das war der Startschuss“, so Bürgermeister Bernhard Halbe, das Thema ernsthaft anzugehen. Die Idee: „Wir machen eine offene Grabung, so dass die Bürgerschaft gucken kann“, so Halbe.

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