BioWild-Projektleiter macht auf aktuelle Situation aufmerksam 

„Unser Wald braucht Hilfe“ - diese Rolle spielt Verjüngung bei der Wiederbewaldung

Wald Sauerland Borkenkäfer Fichten
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Die heimischen Wälder leiden unter dem Borkenkäferbefall.

Durch Trockenheit, Stürme und Borkenkäferbefall sind ganze Wälder abgestorben. Nach und nach müssen die toten Bäume gefällt werden. Es bleiben riesige Freiflächen, die dringend wieder aufgeforstet werden müssen. Wissenschaftliche Untersuchungen im Rahmen des BioWild-Projektes würden zeigen, dass die Wiederaufforstung in erheblichen Maße durch natürliche Waldverjüngung unterstützt werden könne. 

Schmallenberg - Dafür sei aber eine intensivere Bejagung von Rehwild, Rotwild und Muffelwild notwendig. Ein Blick ins Hochsauerland belege das, so Wolfgang Pester, BioWild-Projektleiter.

Hier bejagt Lucas von Fürstenberg seine Wälder intensiv und arbeitet mit den Forschern des BioWild-Projekts zusammen. Auf kahlgeschlagenen Flächen könne man beobachten, dass sich auf ganz natürliche Weise erst Pionierbaumarten wie Birke und Ebereschen ansiedeln. Etwas später folgten dann Baumarten wie Kiefer, Eiche, Buche, Bergahorn und auch Fichte in bunter Mischung von ganz alleine. Aber eben nur, wenn sie nicht gleich wieder durch Rehe und anderes Schalenwild abgefressen werden, stellt Pester heraus.

Der Schlüssel für eine natürliche Wiederbewaldung liege also in der richtigen Bejagung. Und die solle, so die Forscher des BioWild-Projekts, intensiv und intervallartig erfolgen. Besonders die Jagd auf Rehwild sollte möglichst mit Beginn der Vegetationszeit einsetzen. „Und die beginnt in Zeiten des Klimawandels nun fast vier Wochen früher als wir es bisher gewohnt waren. Der ‘legendäre Maibock’, der früher pünktlich zum 1. Mai erlegt wurde, muss zum ‘Aprilbock’ werden, um Baumkeimlingen die Chance zu geben, zum Baum zu werden“, so der Projektleiter.

Jeder soll einen Beitrag leisten

In Nordrhein-Westfalen hätten die Unteren Jagdbehörden den besonders betroffenen Waldbesitzern deshalb die Möglichkeit gegeben, schon ab dem 1. April die Jagd auf Rehbock und Schmalreh zu eröffnen. Gleichzeitig sollten in den jagdgenossenschaftlichen Jagdbezirken die verantwortlichen Jagdvorsteher das Gespräch mit den Jagdpächtern suchen und auf eine frühe Bejagung des Rehwildes drängen. Genauso wichtig wie die intensive Jagd auf den Kahlflächen seien aber konsequente Ruhezeiten für das Wild in den verbliebenen Waldflächen.

Vor allem in den Setz- und Aufzuchtzeiten des Reh- und Rotwildes sollten die Jäger zu Hause bleiben und Hundebesitzer ihre Hunde nicht frei laufen lassen. „Auch Mountainbiker, die meinen, ihren Downhilltrail mitten durch die Ruhezonen des Wildes legen zu müssen, stören in vielfältiger Weise“, erläutert Pester. Wanderer sollten generell auf den Waldwegen bleiben. Es seien letztlich alle Waldnutzer in der Pflicht.

„Lassen Sie uns deshalb gemeinsam – jeder in seinem Bereich – dazu beitragen, dass der Wald als vielfältiger Lebensraum eine Zukunft hat“, appelliert der Projektleiter abschließend.

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