Die Tinte ist trocken

Lutz Hünnebeck, Georg Muth-Köhne, Hubertus Peitz (vorne v. l.), Burkhard König, Klaus Freudenthal, Norbert Neuhaus, Bernhard Halbe, Hans Robert Schrewe (Mitte v. l.), Frank Eikel und Helmut Hentschel (hinten v. l.) bei der Vertragsunterzeichnung im Rathaus. Foto: Marco Twente

Wo sich sonst Hochzeitspaare das Ja-Wort geben, ist die Stadt Schmallenberg jetzt eine ganz besondere Partnerschaft in Sachen Klimaschutz mit erneuerbaren Energien und langfristiger Wirtschaftlichkeit eingegangen.

Der Wärmelieferungsvertrag für SauerlandBad, Akademie und Schulzentrum zwischen der Stadt Schmallenberg und der Bietergemeinschaft SER wurde am vergangenen Donnerstag im Trauzimmer des Schmallenberger Rathauses unterzeichnet, ab 1. Juli 2012 soll die Wärme fließen. Die "Ehe" gilt für die kommenden 15 Jahre.

"Zum Start im Sommer 2012 werden die Heizkosten für die drei Gebäude auf dem aktuellem Niveau von 235 000 Euro pro Jahr liegen", erklärte Bürgermeister Halbe, "danach erwarten wir über die Jahre einen zunehmenden Vorteil, denn 42 Prozent der Wärmekosten sind über 15 Jahre festgeschrieben und können nicht erhöht werden, nur noch 47 Prozent sind an Energiepreise gekoppelt, der Rest an einen Lohnkostenindex."

Bereits am 22. September hatte der Rat beschlossen, den Auftrag zur Wärmeversorgung von drei Gebäuden in Bad Fredeburg an SER zu vergeben. Vorangegangen war ein europaweiter Teilnahmewettbewerb mit anschließender Ausschreibung, in der sich die Bietergemeinschaft SER durchsetzte. In der Bietergemeinschaft arbeiten die Stadtwerke Schmallenberg, Ebbinghof Biogas GmbH & Co. KG und RWE Energiedienstleistungen GmbH zusammen.

"Die Wärmeversorgung - Wärme, Warmwasser - der städtischen Liegenschaften SauerlandBad und Akademie erfolgt derzeit mit Erdgas, das Schulzentrum in Bad Fredeburg wird elektrisch beheizt. Ab 1. Juli 2012 wird SER pro Jahr etwa drei Millionen kWh Wärme liefern", erläuterte Klimamanager Helmut Hentschel. Mehr als 80 Prozent der benötigten Wärme komme dann aus einem Biogas-Blockheizkraftwerk mit einer Wärmeleistung von 445 kW. Das BHKW wird von der Ebbinghof Biogas GmbH & Co. KG am Schulzentrum errichtet. Über ein Leitungsnetz - Planung und Bau von den Stadtwerken Schmallenberg und RWE ED - wird die Wärme dann zu den drei Gebäuden verteilt. Vier hocheffiziente Erdgaskessel mit zusammen 1600 kW - ebenfalls von RWE gebaut - und ein 25 000 Liter-Pufferspeicher liefern die restlichen 20 Prozent und stehen bereit zur Abdeckung von Lastspitzen im Winter und als Reserve im Fall von Stillständen des BHKW.

CO2-Emissionen sinken

Klimamanager Helmut Hentschel, der für die Stadt Ausschreibung und Vergabe betreute, sieht vor allem die Reduzierung der CO2-Emissionen. "Die drei Gebäude stehen für mehr als 30 Prozent des Wärmeverbrauchs der Stadt. Mit Umstellung auf den 80/20-Mix sinken die CO2-Emissionen von 1150 um 67 Prozent auf rund 380 Tonnen pro Jahr. Auch aus Biogas lassen sich Strom und Wärme nicht CO2-frei erzeugen, im Vergleich zu fossilen Energieträgern sinken die Emissionen aber deutlich, ein wichtiger Schritt zum Erreichen des Schmallenberger Klimaziels." Und dieses lautet: eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 33 Prozent bis zum Jahr 2020. Dies sei besonders relevant bei langfristigen Investitionen, so Hentschel.

Auch mit den geplanten Wirkungsgraden ist Hentschel sehr zufrieden: "SER wird das BHKW modulierbar betreiben, das heißt, bei niedrigem Wärmebedarf im Sommer wird der Motor auf halber Leistung laufen. Damit ist zu erwarten, dass die Abwärme aus der Stromerzeugung fast vollständig genutzt werden kann."

Auch RWE ED Projektleiter Klaus Freudenthal betont: "Die neuen technischen Komponenten schonen durch eine deutliche CO2-Einsparung von rund 770 Tonnen pro Jahr nicht nur die Umwelt. Sie steigern auch die Effizienz durch eine komplett neue Gesamtanlagenkonzeption."

"Innovation ist hier und nicht nur an den Hochschulen", freute sich Bürgermeister Bernhard Halbe über die neu geschlossene "Ehe" der Vertragspartner.

Mit Biowärme seien die Raumtemperaturen im Schulzentrum und die Wassertemperatur im SauerlandBad garantiert. Die Bietergemeinschaft werde die fünf Wärmeerzeuger, das Leitungsnetz und die Übergabestationen in die Gebäude rund um die Uhr fernüberwachen, erklären die Partner.

Erdgas und das Biogas aus dem Bioenergiedorf Ebbinghof werden in Zukunft unterirdisch über Leitungen zugeführt. "Das Nahwärmesystem mit dem BHKW löst Investitionen von geschätzt 1,1 Millionen Euro aus, etwa die Hälfte kann von regionalen Unternehmen ausgeführt werden", verspricht der Klimamanager.

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