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Franz-Josef Hagemeier aus Oberberndorf als Senior Experte in Armenien

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Von: Marco Twente

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Franz-Josef Hagemeier (l.) gab sein Fachwissen an die Mitarbeiter der Agroholding Armenia weiter.
Franz-Josef Hagemeier (l.) gab sein Fachwissen an die Mitarbeiter der Agroholding Armenia weiter.

Oberberndorf. Als Franz-Josef Hagemeier vor gut zwei Wochen aus dem Flugzeug stieg, musste er erstmal Luft holen. Der Diplom-Agrar-Ingenieur in Altersteilzeit war gerade auf dem Flughafen in Eriwan, der Hauptstadt Armeniens, gelandet – eine ganz andere Welt. In der kleinen armenischen Stadt Spitak vermittelte der 62-jährige Oberberndorfer den Mitarbeitern der größten Milchviehanlage des Landes ehrenamtlich sein Fachwissen aus jahrelanger Berufserfahrung. Doch wie kam es zu seiner zweiwöchigen „Mission“?

Als Franz-Josef Hagemeier vom SES – dem Senior Experten Service mit Sitz in Bonn – erfuhr, war ihm sofort klar: „Das ist die Chance, mein berufliches Wissen in anderen Ländern weiterzugeben.“ Denn eigentlich hatte Hagemeier tropische und subtropische Landwirtschaft studiert. Aus privaten Gründen hatte es ihn jedoch nicht in die weite Welt, sondern nach Südwestfalen verschlagen.

Der gebürtige Ostwestfale war seit 1978 bei der Landwirtschaftskammer in Meschede tätig und im ganzen Regierungsbezirk Arnsberg für die Beratung von Milchbauern bei allen Themen „rund ums Melken“ zuständig. Als Geschäftsführer einer Geschäftsstelle des Landeskontrollverbandes NRW waren er und seine rund 40 Mitarbeiter zudem für die Milchkontrolle bei Landwirten zuständig.

Das über die Jahre hinweg angeeignete Fachwissen gibt Hagemeier nun ehrenamtlich an Firmen im Ausland weiter. „Viele Länder haben noch den Standard wie vor 50 oder 100 Jahren und benötigen Entwicklungshilfe“, berichtet Hagemeier.

So staunte er in Armenien nicht schlecht, als er aus dem Flieger stieg. „Da musste ich schon schlucken und dachte, morgen buchst Du den Rückflug“, schmunzelt der 62-Jährige. Armenien sei ein armes Land mit einem ganz anderen Standard. So wohnte Hagemeier zwei Wochen in einer kargen Wohnung auf dem Milchviehbetrieb. „Bei Gewitter regnete es auch schon mal rein“, so der Senior Experte.

In zwei Wochen vier Kilo abgenommen

„Außerdem habe ich in zwei Wochen vier Kilo abgenommen“, verrät Hagemeier. So gab es fast täglich Eintopf mit Kartoffeln, Fleisch sei zu teuer gewesen. Die Landmaschinen stammten oftmals aus alten DDR- oder Sowjetbeständen und auch die Straßen entsprachen nicht dem deutschen Standard. Hier und da blieb schon mal ein Lkw in einem Schlagloch hängen und musste per Radlader herausgehievt werden. Doch bevor er diese Erfahrungen machen konnte, hatte Hagemeier Kontakt zum SES aufgenommen. Nachdem er sich beworben hatte (per Mail oder telefonisch möglich), musste er einen Anmeldebogen ausfüllen und wurde mit seinem Berufsprofil in die Datenbank aufgenommen.

Dann kam eines Tages der Anruf der Agroholding Armenia, die Hilfe in Sachen Melktechnik benötigte. Die SES-Verwaltung in Bonn informierte Hagemeier über das Unternehmen und die Aufgaben – und der Rentner ließ sich auf das Abenteuer ein.

In einem Vertrag des SES mit dem Auftraggeber wurde die Aufgabenstellung fixiert. Flug und eine Infoveranstaltung zahlt der durch Wirtschaft und zwei Bundesministerien unterstützte SES selbst. Ab Ankunft sei das jeweilige Unternehmen, das die Hilfe angefodert hat, zuständig für Verpflegung und Unterkunft des Seniorexperten. „Geld habe ich dort nicht benötigt“, so Hagemeier.

Der Ruheständler unterrichtete in Spitak die Melker unter den rund 20 fachlich nicht ausgebildeten Mitarbeitern der Agroholding Armenia. Alles auf Englisch mit Hilfe eines Dolmetschers, der ins Russische oder Armenische übersetzte. Themen waren unter anderem Biologie sowie die Physiologie der Kuh in Theorie und Praxis, um die Milcherzeugung des Betriebes zu optimieren und Eutererkrankungen vorzubeugen.

Dabei erfuhr Hagemeier viel Dankbarkeit der Mitarbeiter des Großbetriebes mit 100 Kühen. „Ich hoffe, dass sie es so weiterführen“, wünscht sich Hagemeier, der seine Aufgabe bereits eine Woche früher als geplant erledigt hatte und nach Deutschland zurückkehren konnte. Als symbolische Entschädigung erhielt er 5 Euro am Tag.

Viel wichtiger waren dem Oberberndorfer die Erfahrungen mit der anderen Kultur. „Ich habe das Land hautnah erlebt“, schwärmt Hagemeier und empfiehlt den SES jedem Rentner, der weltoffen ist und sein Wissen anderen Menschen in der Welt zur Verfügung stellen möchte.

Wer sich für eine ehrenamtliche Tätigkeit beim SES interessiert: Anmeldung und Informationen auf www.ses-bonn.de

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