Kein Sternchen wird vergessen

Kleidung für "Sternenkinder" nähen: Verein "Lächelwerk" ruft zu bewegender Aktion auf

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Die Mitglieder des Vereins Lächelwerk möchten für Eltern da sein, wenn sie Abschied nehmen müssen von ihrem Sternenkind.

Bad Fredeburg/Hochsauerland. Als Emma auf die Welt kommt, klopfen sacht zarte Sonnenstrahlen an die Fenster. Es ist noch früh, etwa 8 Uhr, draußen bellt ein Hund, ein Auspuff knallt, zwei Frauen rufen einander ein fröhliches "Guten Morgen" zu. Ein normaler Tag im Januar, schön verspricht er zu werden. Emmas Eltern werden von all dem nichts mitbekommen. Sie sollten ihr Glück in die Welt da draußen schreien, eigentlich. Sich freuen auf ein Leben mit ihrer Kleinen, den ersten Blick aus ihren Äuglein, den ersten Schrei. Nichts davon werden sie jemals erleben. Denn ihre kleine Emma ist tot. Ein Sternenkind.

Für Emmas Eltern bleibt die Zeit stehen. Nichts ist, wie es war. Nichts ist normal, nichts ist gut. Emma sollte gesund sein. Doch ihr Herzchen hörte einfach auf zu schlagen. Dass ihre Emma tot geboren werden muss, wussten sie kurz zuvor. Doch leichter macht es Emmas Anblick nicht, nicht im Geringsten, der Schmerz ist überwältigend, es gab nur wenig Zeit sich vorzubereiten. 

Mit Familien, die Ähnliches erlebt haben wie Emmas Eltern, haben Alex Göbel und Manja Schulz vom Verein Lächelwerk aus Bad Fredeburg viel zu tun, momentan in einem besonderen Maße. „Aktuell kontaktieren uns sehr viele Eltern kleiner Menschenkinder, die sehr früh über die Regenbogenbrücke gehen“, erklärt Alex Göbel. Sie benötigen Unterstützung, jemand, der ihnen Halt gibt. Natürlich emotional, aber auch finanziell. „Mit unserem Verein möchten wir Eltern, deren Kinder versterben, komplett entlasten.“ Unterstützung bieten direkt nach ihrem schrecklichen Verlust sowie nachhaltig, eben immer, wenn Eltern Hilfe benötigen. Dazu bietet der Verein neben Gesprächsterminen innerhalb und außerhalb seiner Räumlichkeiten eine mobile psychologische Beratung an. 

Sobald eine Familie eine nicht vorstellbare Krise verkraften muss, hat sie die Möglichkeit, psychologische Beratung über das Lächelwerk zu bekommen, auch außerhalb der Öffnungszeiten. Kostenlos. Auf der Stelle. Ohne Warteliste. „Das ist meines Wissens nach einmalig in Deutschland. Sehr oft müssen Eltern auf Betreuung warten, das ist für sie unerträglich.“ 

Das Kinderzimmer bleibt leer 

Vielen Eltern geht es wie den Eltern der kleinen Emma. Emmas Eltern spüren nach der Geburt eine Kälte, die nichts mit dem Winter zu tun hat, sie ist in ihnen, kriecht durch ihren Körper. Mama und Papa berühren ihr Neugeborenes, ihre Füßchen, ihre Händchen, streicheln ihren kleinen Körper, ihr Köpfchen, versuchen, sich alles einzuprägen. So wenig Zeit. 

Emma ist ein Wunschkind, ihr Kinderzimmer ist schon eingerichtet, die Wände rundherum sind gelb gestrichen, mit großen Sonnenblumen selbstbemalt, die dunkelblaue Decke ist über und über beklebt mit Sonne, Mond und Sternen, die Emma beim Einschlafen freundlich zuzwinkern sollten. Wie Abschied nehmen von diesem Leben? Wie Abschied nehmen von ihrer kleinen Emma? 

„Ein Sternchen, das niemals die Chance hatte, das Leben kennenzulernen, wird den Eltern trotz des harten Schicksals immer in Erinnerung und im Herzen bleiben. Der Moment, in dem sich Eltern in Ruhe und liebevoll von ihrem Sternenkind verabschieden können, ist daher unabdingbar.“ Um ihnen eine würdevolle Bestattung zu ermöglichen, unterstützt das Lächelwerk auch hier. 

Alex Göbel und Manja Schulz laden ein zur „Sternenkinder-Lächelwerkstatt“.

Alex Göbel: „Die Kosten einer Bestattung sind für manche Eltern nicht tragbar. Daher bieten wir mittlerweile einen Sarg für Babys an. Diese Särge werden ganz normal bei einem Bestatter bestellt und wir als Verein tragen die Kosten.“ Darüber hinaus hatten Alex Göbel und Manja Schulz jüngst ein zukunftsweisendes Treffen mit einer Näherin. Die Dame fertigt auch Kleidung für Sternenkinder an, dazu Schühchen und Mützchen. 

Das brachte die beiden Gründer des Lächelwerks auf eine Idee: eine „Sternenkinder-Lächelwerkstatt“. Alle fleißigen Helfer und Helferinnen mit einer eigenen Nähmaschine sind für Dienstag, 19. Februar, in der Zeit von 13 bis 18 Uhr in das Habbels in Schmallenberg eingeladen, um Kleidung für Sternenkinder zu nähen. Die Stoffe werden vom Verein gestellt. Wer noch nach einer schönen und sinnvollen Möglichkeit sucht, sein Brautkleid weiter zu verwerten, kann sich ebenfalls melden. Aus den Kleidern sollen Hemdchen und Hosen für Sternenkinder genäht werden. 

Sterne und Engelchen für die kleinen Mäuse

„Kreative Unterstützer sind ebenfalls sehr willkommen und es darf fleißig gebastelt werden. Leckereien und Getränke gibt’s auch“, lädt Alex Göbel mit viel Vorfreude ein. Die Helfer können neben der Kleidung auch kleine Beigaben wie genähte Stofftiere, gegossene Sterne oder Engelchen herstellen. Anmeldungen sind möglich bis zum 15. Februar unter sternenkind@laechelwerk.de. Eltern dürfen anschließend gern beim Verein (Im Ohle 5, 57392 Bad Fredeburg) vorbeischauen, sich die Kleidung und Beigaben für ihr Sternchen aussuchen und kostenfrei mitnehmen. 

Kleidung ähnlich dieser soll für die Sternenkinder genäht werden (für Vollbild oben rechts klicken).

Die Sternenkinder-Lächelwerkstatt soll künftig regelmäßig stattfinden, verspricht Alex Göbel, „wir werden definitiv öfters Nähveranstaltungen in diesen Bereichen organisieren“. Mit Nachdruck fügt er hinzu: „Wir müssen lernen, auf die Minderheiten Acht zu geben, die Eltern eines Sternenkindes zu fördern und sie emotional wie finanziell wieder zu festigen. Ihnen dabei helfen, sich würde- und liebevoll von ihren Kindern zu verabschieden. Wir dürfen sie nicht alleinlassen, weder nach der Geburt noch darüber hinaus beim Leben ohne die kleinen Mäuse. Kein Sternchen wird je vergessen.“ 

Lesen Sie auch: Sternenkinder - wenn die ersten Fotos auch die letzten sind

Das wissen auch Emmas Eltern. Einfach wird das Leben ohne ihre kleine Maus, ihr Sternchen, nicht. Diese Kälte – an diesem ganz normalen Tag, an dem nichts normal war, nichts mehr, wie es war, nichts gut – werden sie noch oft spüren. In diesen Momenten wollen das Lächelwerk und die Lächelwerkstatt für sie und die anderen Eltern da sein. Denn auch sie werden nicht vergessen.

Weitere Infos und Spenden

Weitere Aktionen zu Sternenkindern will der Verein künftig anbieten, das Thema generell intensivieren. Ab März bietet das Lächelwerk zudem für erkrankte beziehungsweise sozial schwache Kinder kostenlose Holzmodell- und Holzbrennerei-Kurse an. Alle Infos sind auf der Homepage und auf der Facebook-Seite des Vereins zu finden. 

Das Lächelwerk freut sich zudem immer über Spenden: Volksbank Bigge-Lenne, IBAN: DE39 4606 2817 4749 3164 00, BIC: GENODEM1SMA

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