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Nach mehr als 150 Jahren: Letzter Gasthof im Dorf schließt seine Pforten

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Von: Marco Twente

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Geschenk als Dank: Michael Rickert (Ortsvorsteher, l.), Christine Borys, (Heimat- und Verkehrsverein, 2. v.r.) und Christian Vollmert (r.) verabschieden als Vertreter der Orte Lenne und Hundesossen die Gastwirte Renate und Dieter Viehl.
Geschenk als Dank: Michael Rickert (Ortsvorsteher, l.), Christine Borys, (Heimat- und Verkehrsverein, 2. v.r.) und Christian Vollmert (r.) verabschieden als Vertreter der Orte Lenne und Hundesossen die Gastwirte Renate und Dieter Viehl. © privat

43 Jahre haben Renate und Dieter Viehl den Gasthof Heimes-Willmes in Lenne geführt. Als Gastwirte des Treffpunktes im Ort für gutes Essen, Feierlichkeiten, Stammtische oder das Vereinsleben hat das Ehepaar einiges erlebt und das Dorfgeschehen mitgeprägt. Doch nach all den Jahren verabschiedeten sich die Viehls jetzt in den Ruhestand. Damit gibt es in Lenne keinen Gasthof mehr.

Lenne – „Wir haben keinen Nachfolger und sind froh, dass unser Sohn das Gebäude als Wohnhaus übernimmt“, sagt Dieter Viehl, der gemeinsam mit seiner Frau den Entschluss gefasst hat, im Alter von nunmehr 68 Jahren den Gasthofbetrieb einzustellen.

Am 15. Mai 1978 übernahmen Renate und Dieter Viehl aus Bad Laasphe den Gasthof in Lenne vom Ehepaar Franz und Maria Heimes sowie Klara Willmes. „Wir wollten uns damals selbstständig machen“, blickt Dieter Viehl zurück. Er selbst war zuvor im Astenturm in Winterberg, seine Frau im Hotel Gnacke in Nordenau beschäftigt.

„In den 43 Jahren haben dann einiges erlebt, auch Zeiten, die nicht ganz einfach waren“, berichtet das Ehepaar. Als zuletzt einziger Gasthof im Ort war man als Mittelpunkt stark ins Dorfgeschehen eingebunden. Zugleich sei der Gasthof ein Anziehungspunkt für Motorradfahrer, Biker und Wanderer gewesen. „Auch unser Biergarten ist immer gerne besucht worden“, erklärt der Gastronom. Ein Highlight des Gasthofes, der seit 1862 existierte, sei stets die eigene Heidschnuckenzucht gewesen. Im vergangenen Jahr habe es jedoch aufgrund der Corona-Pandemie eine große Durststrecke gegeben, ebenso wie im zweiten Lockdown. „Wir hätten aber auch ohne Corona Schluss gemacht“, verrät Viehl, dass der Entschluss länger gereift war.

„Die Familie Viehl führte den Gasthof Heimes-Willmes über 43 Jahre. Dort traf man sich zum Stammtisch, richtete Familienfeiern aus, es gab die Möglichkeit zur Übernachtung – und der Gasthof war Vereinslokal der ansässigen Lenner Vereine“, bedauert Ortsvorsteher Michael Rickert den Verlust des beliebten Treffpunktes.

Zugleich bedankten sich die Vereine aus Lenne in Form eines Geschenkes, das am vergangenen Wochenende vor dem Gasthof an das Ehepaar übergeben wurde. „Dieter und Renate Viehl sind leidenschaftliche Wanderer und lieben die Natur. Der Wanderrucksack mit zugehörigen Leckereien kommt sicher schnell zum Einsatz“, sagt Rickert und betont, dass es in dem kleinen Ort ein stark ausgeprägtes Vereinsleben gebe. „Es gibt ein gewisses Maß an Kultur und Dorfleben. Dass der Gasthof als Mittelpunkt nicht mehr existiert, wird uns wohl erst später richtig bewusst werden“, so der Ortsvorsteher.

Es werde daher nach einer Lösung gesucht, wie es in Bezug auf einen neuen Treffpunkt im Ort für die Vereine weitergeht. Hier gebe es bereits Überlegungen, die aber unter anderem aufgrund der Corona-Beschränkungen noch nicht konkretisiert werden konnten.

Der zweite Gasthof, der in Lenne existierte, sei bereits vor rund 25 Jahren nach einem Brand nicht mehr wiedereröffnet worden. Mit dem Gasthof Heimes-Willmes schließt jetzt die zweite Lokalität. „Der Abschluss ist leider aufgrund von Corona nicht so schön, aber falls im Sommer wieder geöffnet werden darf, werden wir uns mit einem Gartenfest nochmals bei allen Gästen bedanken“, verspricht Dieter Viehl. Dann wird der Gasthof Heimes-Willmes ein letztes Mal ein Mittelpunkt des Ortsgeschehens sein.

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