"Glaube, Sitte, Heimat"

Im Gasthof 'Zur Post' in Wenholthausen wurde am 15. Dezember 1929 der Sauerländer Schützenbund nach langer Planung aus der Taufe gehoben. Foto: Tatjana Tillmann

Dass der Begriff Tradition im Sauerland untrennbar mit dem Schützenwesen zusammenhängt, zeigt nicht nur die Aussage von Uli Stracke aus Gleidorf (Kasten rechts). Der Großteil aller Befragten gab spontan als Beispiel für eine heimische Tradition das Feiern von Schützenfesten an. Doch woher kommt dieser hohe Stellenwert in der Region?

Ein wesentlicher Grund ist sicherlich die Gründung des Sauerländer Schützenbundes. Dabei nahm der Schützenbund des Kreises Olpe eine Vorreiterrolle ein.

In Zeiten der größten wirtschaftlichen Not entschloss man sich dort, im Jahr 1923, näher zusammenzurücken, den diversen Schützenvereinen des Kreises eine ordnungsfähige Grundlage zu geben und damit das gesamte Schützenwesen zu revolutionieren. Bereits in Paragraph 1 der neuen Satzung wurde die Bestrebung verankert, sämtliche Schützengesellschaften des ehemaligen kurkölnischen Sauerlandes im Laufe der Zeit miteinander zu vereinen. Die Idee für einen einheitlichen Sauerländer Schützenbund war geboren.

Die zweite tragende Rolle bei der Umsetzung dieses Vorhabens spielte der 1921 in Wennemen gegründete "Sauerländer Heimatbund". Entstanden aus einer Protestbewegung gegen den Krieg hatte es sich dieser zum Ziel gesetzt, die Sauerländer Volksgemeinschaft zu festigen. Auf dem Bundesdelegiertentag am 19. August 1928 in Heggen verfassten beide Parteien einen gemeinsamen Aufruf "Auf dem Wege zu einem Sauerländer Schützenbund". Es folgten etliche Diskussionen, ehe am 15. Dezember 1929 im Gasthof "Zur Post" in Wenholthausen Vollzug gemeldet werden konnte: Der "Sauerländer Schützenbund" (kurz SSB) war aus der Taufe gehoben. Ihm traten zunächst die Kreisschützenbünde Arnsberg, Brilon und Olpe als Mitglieder bei, 1930 folgte der Kreisschützenbund Meschede und 1934 der Kreisschützenbund Lippstadt.

Von der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten und der Schreckensherrschaft Adolf Hitlers erholte sich das Schützenwesen nur langsam. Erst am 18. November 1953 kam es in Meschede zur Wiedergründung des Sauerländer Schützenbundes. Zunächst waren daran nur Arnsberg, Brilon und Meschede beteiligt, im Laufe der Zeit kamen aber Olpe, Lippstadt (beide 1955), Iserlohn (1963) und Soest (1971) dazu. Das erste Bundesschützenfest nach dem Zweiten Weltkrieg fand 1956 in Schmallenberg statt.

Derzeit gehören dem SSB sieben Schützenkreise mit 347 Vereinen und circa 164.000 Mitgliedern an, die unter dem Leitspruch von "Glaube, Sitte, Heimat" die Sauerländer Tradition gemeinsam fortführen.

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