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Größter eisenzeitlicher Waffenhort in Nordrhein-Westfalen auf Wilzenberg entdeckt

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Von: Claudia Metten

Burkhard König, Bürgermeister der Stadt Schmallenberg (l.), und die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe präsentierten die außergewöhnlichen Fundstücke.
Burkhard König, Bürgermeister der Stadt Schmallenberg (l.), und die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe präsentierten die außergewöhnlichen Fundstücke. © Claudia Metten

Der größte eisenzeitliche Waffenhort in Nordrhein-Westfalen wurde in den vergangenen drei Jahren auf der Wallburg Wilzenberg bei Grafschaft (Ortsteil von Schmallenberg) entdeckt. Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) präsentierten jetzt diesen besonderen Fundkomplex zusammen mit Schmallenbergs Bürgermeister Burkhard König. 

Schmallenberg/Grafschaft – Entdeckt hatte die Fundstücke Heimatforscher Matthias Dickhaus, der im Auftrag und in enger Abstimmung mit der LWL-Archäologie für Westfalen Begehungen mit seiner Metallsonde zwischen 2018 und 2020 durchführte. In 1.200 Stunden ehrenamtlicher Arbeit hat der Winkhausener rund 100 Fundstücke aus der Zeit der Kelten geborgen. Die Ausrüstungen werden 30 bis 40 Kriegern zugeordnet.

„Der Waffenhortfund hier auf dem Wilzenberg ist der größte in Nordrhein-Westfalen. Er verknüpft das Sauerland mit komplexen Vorgängen im eisenzeitlichen Europa. Matthias Dickhaus hat hier ein kulturelles Erbe an einem hoch sensiblen Ort gefunden. Er hat äußerst gewissenhaft gearbeitet und alle Auflagen genauestens erfüllt“, erklärte LWL-Archäologe Prof. Dr. Michael Baales, Leiter der Außenstelle Olpe.

Es ist denkbar, dass nach aktueller Forschungslage im Umfeld des Wilzenbergs ein Kampf stattgefunden hat.

LWL-Archäologe Dr. Manuel Zeiler 

In akribischer Kleinarbeit hat der Heimatforscher Speerspitzen ausgemessen, den Winkel zur Wallburg berechnet und eingetragen, die Tiefe beim Graben sowie die Abstände zu den Fundstücken festgehalten. Insgesamt hat der Hobbyarchäologe rund 40 Spitzen von Speeren und Lanzen, Bruchstücke von Schildbuckeln und Pferdegeschirrteile, Werkzeuge sowie Gewandspangen (Anstecknadeln) auf dem Wilzenberg mit seinem Metalldetektor gefunden.

Laut Baales seien die Fundstücke von großer Bedeutung für die Archäologie im Land. Sie beleuchteten die kultischen Handlungen eisenzeitlicher Krieger nach einer gewonnenen militärischen Auseinandersetzung. Bereits 1950 wurden am Wilzenberg zufällig zwei Speer- und Lanzenspitzen, die in zwei Schwerter eingewickelt waren, ausgegraben. Nicht nur die Schwerter waren verbogen, auch die Spitzen waren absichtlich deformiert worden.

„Es ist denkbar, dass nach aktueller Forschungslage, im Umfeld des Wilzenbergs ein Kampf stattgefunden hat. Der Sieger der Schlacht hat seinen Triumph vollendet, indem er die erbeuteten Waffen, Gürtel und Pferdegeschirre auf die Wallburg brachte“, erläuterte LWL-Archäologe Dr. Manuel Zeiler den geschichtlichen Vorgang.

Laut seiner Aussage hätten die Sieger die Waffen mutwillig beschädigt und zerstört, bevor sie dann auf dem Wilzenberg zur Schau gestellt und sich selbst überlassen wurden. Diese Hypothese stützt sich nach Zeiler auf Ergebnisse französischer Forschungen, die zeigen, dass solche Kulthandlungen im eisenzeitlichen Europa vor allem in der keltischen Kultur und an ihrer Peripherie stattfanden. Waffen unterlegener Gegner wurden dabei rituell zerstört, in der Regel ging diesen Handlungen eine Schlacht voraus.

Der Hortfund auf dem „Heiligen Berg des Sauerlandes“, der bereits von den Menschen in der Eisenzeit zu besonderen Anlässen besucht wurde (ungefähr zwischen 300 v. Chr. und Christi Geburt) schließt möglicherweise Forschungslücken. In den letzten Jahrhunderten v. Chr. wurden im Raum zwischen Frankreich im Westen und der Slowakei im Osten immer wieder derartige Waffendepots angelegt.

Unter den rund 100 Fundstücken sticht eines besonders hervor: Ein Teil einer sehr seltenen Art von Pferdetrensen. Die vorhandenen Griffteile zum Führen des Pferdes legen nahe, dass diese Trensenart bei Pferden verwendet wurde, die einen Streitwagen zogen. Das Gebissstück ließ eine sehr präzise und direkte Lenkung des Pferdes zu – für einen Krieger auf einem Streitwagen im Gewimmel einer Schlacht überlebenswichtig.

Alle Fundstücke, die der Heimatforscher Dickhaus entdeckt hatte, befanden sich recht nah an der Erdoberfläche. Durch Ausgrabungen konnte im vergangenen Jahr rekonstruiert werden, wie die Stücke, die nicht bewusst vergraben wurden, in den Boden gelangten. Die Sieger stumpften die Schneiden der Lanzen- und Speerspitzen ab oder verbogen sie, zerbrachen eiserne Schildbuckel und ließen sie einfach liegen. Im Lauf der Jahrhunderte sedimentierten (versanken) die Überreste dann ins Erdreich.

„Der Wilzenberg ist der zentrale Berg in der Stadt Schmallenberg. Er ist rund 660 Meter hoch und verfügt über eine lange und bewegte Geschichte. Der Berg hat einen religiösen Hintergrund, der aus der Geschichte unserer Stadt nicht wegzudenken ist. Neben vielen sichtbaren, aber auch vielen im Verborgenen befindlichen Artefakten unterstreicht der Waffenfund ums Neue seine Bedeutung. Ich darf mich bei allen Akteuren, ganz besonders beim LWL und Herrn Dickhaus, für die Mühen bedanken und zu dem Fund ganz herzlich gratulieren“, so Schmallenbergs Bürgermeister Burkhard König.

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