Indienbericht macht betroffen

Fischerfrauen aus Kerala mit Hildegard Zeumer (re.).

"Das war ein besonderer Vortrag", bemerkten einige der Teilnehmer anerkennend und Pfarrer Werner Wiewiora ergänzte: "Es ist eben etwas ganz anderes, wenn jemand aus eigener Erfahrung über Missions- und Entwicklungshilfeprojekte redet".

Hildegard und Willi Zeumer berichteten zum Seniorennachmittag der Caritas der Kirchengemeinde Bödefeld über ihre Reise nach Indien, Kerala - von Orten, die noch heute durch die Spätfolgen des Tsunami 2004/2005 gezeichnet sind. Das Ehepaar Zeumer erzählt von einem Projekt in Süden Keralas. Auf einem schmalen Küstenstreifen hat Sister Alice dort Fischerfrauen in Gruppen organisiert. Sister Alice berichtete anlässlich ihres Deutschland-Besuches im Sommer dieses Jahres von der Weiterentwicklung ihres Projektes. Bei den wöchentlichen Treffen der Fischerfrauen, jeweils bei einer anderen Familie aus der Gruppe, wird geschickt Weiterbildung im Lesen, Schreiben, Rechnen, im Reden und Argumentieren gelernt, ohne dass dies wie Schulunterricht wirkt.

Die Frauen haben in der Regel nur vier bis fünf Jahre die Schule besucht. Zugleich bilden die Frauen eine Spar- und Kreditgemeinschaft, die auf gegenseitigem Vertrauen fußt.

Außerdem hat Sister Alice ein Netzwerk von Initiativen ausgearbeitet, die den Frauen die Möglichkeit verschaffen, selbst etwas Geld zu verdienen, etwas selbständiger zu werden. So trocknen die Frauen die kleinen Fische, die ihre Männer fangen, verpacken sie in Beuteln und verkaufen diese Ware an der Straße. Andere flechten aus Kokosfasern Fuß- und Sitzmatten, sie halten sich eine Kuh und produzieren Joghurt, sie backen Teigwaren, die verkauft werden, sie produzieren Kerzen. Die Frauen lernen mit ihren Töchtern sticken, schneidern, selbst Computerlehrgänge werden angeboten und mit einer staatlich anerkannten Prüfung und mit Zeugnis abgeschlossen. All diese Tätigkeiten ergeben für die Familien zusätzlichen Verdienst. So können die Kinder besser ausgebildet werden, sie haben bessere Zukunftsaussichten.

Es gibt weitere Hoffnungszeichen. Denn wenn sich die Frauen zu friedlichen Protestmärschen entschließen, um die Behörden auf sich aufmerksam zu machen, dann bewegt sich etwas, es geschieht etwas, wenn auch nur langsam. Und deshalb lohnt sich der Einsatz.

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