Geht nicht gibt’s nicht!

INKLUPLAY ServicePoint in Schmallenberg zeigt, wie Inklusion gelingen kann

+
Das Team des „INKLUPLAY ServicePoint“ in Schmallenberg: Niki, Frieda, Rita Dücking, Manja Göbel und Alexandra Gamm.

Schmallenberg – Frieda und Niki sind verliebt, ganz eindeutig. Die beiden 18-Jährigen strahlen sich an, lachen miteinander, necken sich und zwischendurch gibt es immer wieder eine liebe Umarmung für den jeweils anderen. Hier an ihrem Arbeitsplatz, beim INKLUPLAY ServicePoint in Schmallenberg, genießen sie das Zusammensein und das Arbeiten Hand in Hand sehr.

In dem hellen sauberen Raum, ausgestattet mit Waschmaschine, Trockner und Bügeleisen, mit einem heißen Kaffee in den Tassen und dem frischen Duft von Waschmittel gehen sie ihrer gemeinsamen Leidenschaft nach: dem Wäschewaschen. Ein Paar sind die beiden – Frieda wohnt noch in Fleckenberg und Niki in Schmallenberg – schon seit einigen Jahren. Gemeinsam haben sie viele Hürden des Lebens gemeistert und sie wissen felsenfest: Sie können sich aufeinander verlassen. Vor Kurzem sind die beiden in ihr nächstes großes, gemeinsames Abenteuer gestartet.

Niki und Frieda sind in ihr nächstes, gemeinsames Abenteuer gestartet.

 

Mithilfe der gemeinnützigen INKLUPLAY gGmbH, hervorgegangen aus dem Verein Lächelwerk aus Schmallenberg, ist für Frieda und Niki ein Traum in Erfüllung gegangen. Sie sind überglücklich über ihre Arbeit auf dem 1. Arbeitsmarkt. Denn die beiden haben das Down-Syndrom. Und die Beschäftigung beim ServicePoint bedeutet für die zwei nicht nur jeden Tag gute Laune bei der Arbeit, sondern vor allem einen weiteren Schritt in ein selbstbestimmtes Leben. „Auf diesem Weg möchten wir Frieda und Niki so gut es geht unterstützen“, erklärt Manja Göbel, Geschäftsführerin der gemeinnützigen INKLUPLAY gGmbH. „Ein fester, sicherer Arbeitsplatz gehört natürlich dazu.“

Gemeinsam mit der zweiten ehrenamtlichen Geschäftsführerin Alexandra Gamm, der Ehrenamtlichen Rita Dücking sowie natürlich Niki und Frieda möchte Manja Göbel das Angebot eines Wäschereiservices in und rund um Schmallenberg erweitern. Seit etwa einer Woche ist der ServicePoint offiziell geöffnet und schon hat das Team feste Kunden. Zum Beispiel die erste und zweite Mannschaft des SV Schmallenberg/Fredeburg. 

Zu waschen und zu bügeln - das macht Niki Spaß. Bei der Arbeit hat er fast immer ein Lächeln im Gesicht. (für Vollbild oben rechts klicken)

Insbesondere Fußballfan Niki freut sich über die sportlichen Kunden – an der Wand seines Arbeitsplatzes hinten im Raum vor der kleinen Küche, aus der es so gut nach Kaffee duftet, hängt ein großes Bild von „seiner“ Mannschaft aus Schmallenberg/Fredeburg. Er ist bestens informiert über die SV-Farben, erklärt, während er die Wäsche umsichtig in die Maschine wirft, welches Trikot zu welchem Team gehört und auch, dass man bei Sportbekleidung später beim Trocknen vorsichtig sein muss. „Es macht mir richtig viel Spaß zu waschen und zu bügeln“, sagt Niki, stimmt ein Lied an und schnappt sich direkt ein Kleid, das eine Privatkundin eben erst reingebracht hat, zum Bügeln und Zusammenlegen. 

Auch sein Schatz Frieda lächelt glücklich. Sie ist ebenso fleißig, bügelt ihm gegenüber auf der anderen Seite des Raumes konzentriert ein T-Shirt, achtet darauf, alle Falten auf dem Kleidungsstück zu glätten und freut sich zudem über ihre eigene Nähmaschine. Sowieso sind kleinteilige feinere Arbeiten ganz Friedas Welt: Sie näht gern selbst Taschen oder Kopfkissenbezüge und zeigt stolz ihre neuesten Kreationen, beklebt auch gern kleine Gegenstände oder faltet Flyer und Speisekarten. 

Frieda freut sich insbesondere über ihre eigene Nähmaschine.

„Uns ist wichtig, dass sich Frieda und Niki nicht auf eine Tätigkeit einschränken müssen“, sagt Manja Göbel. „Sie sollen sich entfalten können.“ Daher ist geplant, das Angebot des ServicePointes nach und nach auszubauen, Frieda und Niki weitere Möglichkeiten zu bieten und sie zu fördern. Zunächst soll der Bügel- und Wäscheservice gut anlaufen. Unter anderem Sportvereine können sich gern melden; die Vereinswäsche wird gewaschen, gefaltet und für den nächsten Spielbetrieb einsatzfertig bereitgestellt.

Den Begriff Inklusion mit Leben füllen

Ein Hol- und Bringservice ergänzt das Angebot, das auch Hotels, Pensionen und Privatpersonen nutzen können. „Unser Wäscheservice ist zum Beispiel eine große Erleichterung für Menschen, die ihre Angehörigen pflegen. Oft fällt jede Menge Wäsche an und zumindest in diesem Punkt können wir Entlastung bieten.“ Auch Tisch-, Haushalts- oder Bettwäsche (auch große Gegenstände wie Bettdecken oder Matratzentopper) nimmt das Team an. Heimische Vereine oder Gastronomen können sich zudem melden, wenn sie Arbeiten wie das Falten von Flyern oder Speisekarten an jemand Externes abgeben wollen, der zudem noch jede Menge Spaß an seiner Arbeit hat. 

Das Team freut sich auch, seine Kunden persönlich kennenzulernen, schließlich möchte es den Begriff Inklusion mit Leben füllen. „Jeder ist eingeladen vorbeizuschauen – auch ohne Wäsche – und sich ein Bild davon zu machen, wie gut Inklusion gelingen kann und wie gut Menschen mit und Menschen ohne Behinderung zusammenarbeiten können“, fasst Manja Göbel zusammen. „Es ist so schön zu sehen, wie glücklich diese beiden Menschen bei der Arbeit sind. Das macht auch uns glücklich.“ 

Alle Mitarbeiter arbeiten Hand in Hand und nehmen aufeinander Rücksicht.

Viele Helfer sind dafür verantwortlich, dass die INKLUPLAY gGmbH dieses Ziel erreicht hat, viele Privatleute, die mit Rat und Tat zur Seite stehen, und Sponsoren, die unter anderem die Einrichtung gespendet haben, wie die Deutsche Stiftung für Menschen mit Down-Syndrom, die die höhenverstellbaren Arbeitstische für Frieda und Niki ermöglicht hat. „Allen möchten wir ein riesengroßes Dankeschön aussprechen“, sagt Manja Göbel stellvertretend für das Team, während Niki und Frieda zustimmend nicken – und sich nach einem verliebten Blick und einem Lachen wieder ganz ihrer Leidenschaft widmen, dem Wäschewaschen.

Einige Impressionen aus dem Alltag des Teams:

Der INKLUPLAY ServicePoint in Schmallenberg macht Inklusion (er)lebbar

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare