„Das ist schon verrückt“

Jürgen Schmagold aus Menkhausen per Rennrad über die Pyrenäen in Urlaub

Herrliche Landschaften und Quälerei am Berg zugleich: Jürgen Schmagold (Mitte) mit seinen beiden jungen Begleitern am Col d’Aspin.

Menkhausen - Für gewöhnlich reisen Urlauber per Flugzeug oder Auto, um an ihr Ziel zu gelangen. Nicht so Jürgen Schmagold aus Menkhausen. Der 66-Jährige wählte eine eher unkonventionelle Anreise für den Familienurlaub in Frankreich. Mit dem Rennrad und 15 Kilo Gepäck pro Fahrrad ging es in acht Tagen gut 700 Kilometer von Barcelona nach Vielle-Saint-Girons. Besondere Herausforderung: die Pyrenäen und 12.000 Höhenmeter.

„Da bin ich so ein Bekloppter, der sagt: der Wegweiser kann auch mal dorthin gehen, wo er hinzeigt“, ließ sich der Diplom-Sportlehrer und Leiter des Hochschulsports an der Uni Duisburg-Essen nicht von seinem Plan abhalten. Genau wie vor einigen Jahren, als er mit seinem Rad von New York nach San Francisco und von Vancouver nach Boston jeweils „Coast-to-Coast“ unterwegs war. Schließlich müsse man sich ja ein bisschen bewegen, schmunzelt Schmagold. In diesem Sommer wollte der Wahl-Sauerländer (seit 2012) elf Jahre nach den Trips in den USA wieder mal „so etwas Ähnliches“ machen.

Gesagt, getan – die Anreise zum gemeinsamen Familienurlaub in Vielle-Saint-Girons wurde kurzerhand auf den Radsattel verlegt. Mit dabei: sein Stiefsohn Antoine und dessen Cousin Benno. Die „Berghärte“ holten sich die drei Sportler übrigens im Schmallenberger Sauerland bei etlichen Trainingstouren. Auch zur Uni ist Schmagold zweimal pro Woche von Essen nach Duisburg mit dem Fahrrad unterwegs. „Wir Menschen bewegen uns heute viel zu wenig, das macht uns krank. Da hat man auch eine Vorbildfunktion“ – und Sport sei schließlich auch sein (Traum-)Beruf.

Umso begeisterter sei er gewesen, dass sich „die beiden Jungs“ quasi in „seine Planungen hineingedrängt“ haben. „Sie haben sich topfit präsentiert, hatten genau wie ich glänzende Augen angesichts solcher Bergpanoramen und mir manchmal gezeigt, dass die Jugend eine schnellere Erholungsfähigkeit hat“, lobt Schmagold.

Col de Tourmalet als Höhepunkt der Reise 

Los ging es – dann doch ganz konventionell – mit dem Flugzeug Richtung Barcelona. Von dort begaben sich die drei Rennradfahrer auf die anstrengende Tour. 

Apropos Tour: „Wir haben es geschafft, die Tour de France live zu sehen“, berichtet Schmagold. Die Stars des Radsports erlebten die Hobbyradler hautnah am Col de Tourmalet. Dieser bietet über zirka 17 Kilometer eine durchschnittliche Steigung von 8,5 Prozent an. Den 2.115 Meter hohen Gebirgspass absolvierten sie ebenso wie die Profis. „Und das mit jeweils 15 Kilo Gepäck hinten drauf, das ist schon verrückt“, lacht der Menkhauser. Aber die tollen Landschaftsbilder entschädigten für die „Quälerei“. „An manchen Tagen hatte schon mal der eine, mal der andere einen kleinen Durchhänger“, so der Diplom-Sportlehrer. Aufgeben kam jedoch auch für die beiden 15- und 17-jährigen Jungs nie in Frage. Gemeinsam habe man es ans Ziel geschafft. Dafür absolvierte das Trio rund 80 Kilometer pro Tag. „Der Col de Tourmalet war auf einem Tagesabschnitt mit drei bekannten Tour-Pässen und knapp 3.000 Höhenmetern natürlich unsere Königsetappe“, so Schmagold, der von den vielen Fans der Tour de France beeindruckt war. „Das war ein tolles Erlebnis“. Besonders an den steilen Abfahrten hätten Tausende Wohnmobile gestanden und die Leute hätten die Straßen zur Begrüßung ihrer Idole bemalt. „Da mussten wir einige Male ganz schön bremsen“, erinnert sich der Abenteurer. In den Abfahrten sei er von den beiden „Teenagern“ das ein oder andere Mal stehengelassen worden.

Besonders sein Stiefsohn hatte es eilig. „Er wollte unbedingt pünktlich auf dem Campingplatz in Vielle-Saint-Girons sein, um dem Rest der Familie beim Aufbauen der Zelte zu helfen“, verrät Schmagold, der sich auch im verdienten Urlaub nach der Ankunft noch auf den Sattel schwang und „ein paar schöne Kilometer“ an der Küste drehte.

Und auch das nächste große „Projekt“ könnte bald folgen. „Ich weiß noch nicht was, aber es ist noch Feuer drin“, sagt der 66-Jährige. Ob unkonventionell mit dem Rennrad zum Urlaubsort oder von Ost- zur Westküste in den USA – Jürgen Schmagold wird den Wegweiser bestimmt auch beim nächsten Mal wieder passend ausrichten.

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