Stadt Schmallenberg erhält Antrag auf Umbenennung der Christine-Koch-Schule

"Kein aktueller Grund zur Diskussion"

Thema NS-Vergangenheit: Schmallenberg erhält Antrag auf Umbenennung der Christine-Koch-Schule/Straße.

Nelliusstraße oder Josefa-Berens-Weg – Straßen, die diese Namen tragen, sind derzeit in vielen Kommunen im Sauerland in der Diskussion. Der Grund: Neuere Forschungen deckten die NS-Vergangenheit der Heimatdichterin (1891-1969) und des Komponisten (1891-1952) auf. So beschloss unter anderem der Rat in Eslohe, den Josefa-Berens-Weg umzubenennen. In diesem Zusammenhang liegt auch der Stadt Schmallenberg ein Antrag vor, in dem die Umbenennung der Christine-Koch-Straße bzw. -Schule gefordert wird.

„Christine Koch war eine enge NS-Weggefährtin von Georg Nellius, Josefa Berens-Totenohl und Maria Kahle. Sie gehörte der völkischen Literaturszene an, und ihre Gedichte weisen daher patriotisch bis völkisch-nationalsozialistische Tendenzen auf. Deshalb stelle ich hiermit den Antrag, die Christine-Koch-Schule in Schmallenberg und die Christine-Koch-Straße in Schmallenberg-Bracht umzubenennen in Hans-Frankenthal-Schule und in Hans-Frankenthal-Straße“, heißt es unter anderem in dem Antrag von Roland Klose.

Wie Prof. Dr. Hubertus Halbfas, Autor des in den „Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe“ erschienenen Artikels „Nazistraßen in Bamenohl“ und Vorstandsmitglied des Kreisheimatbundes Olpe, bestätigt, war Christine Koch mit Josefa Berens-Totenohl befreundet. Letztere sei auch schon weit vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten eindeutig auf „extrem rechter Linie“ gewesen. Das wiederum treffe auf Christine Koch nicht zu. „Es gibt nirgendwo einen Hinweis darauf, dass sie sich an der Hetze gegen Juden beteiligt oder andere typisch nationalsozialistische Einstellungen verbreitet hat“, sagt Halbfas.

Eine Aussage, die Peter Bürger bestätigt. Der Heimatforscher hat das Christine-Koch-Mundartenarchiv in Eslohe mitbegründet und ist dort seit 25 Jahren als Archivar tätig. „In dieser Zeit“, so erklärte Bürger erst am Montag im Rahmen eines Vortrags in Finnentrop über die Nazi-Schriftstellerinnen Josefa Berens-Totenohl und Maria Kahle, „habe ich nicht eine einzige Stelle in ihren Werken gefunden, mit der sie sich des Rassismus oder Antisemitismus schuldig gemacht hat.“

Zwar sei ihren frühen Werken eine gewisse Faszination für Adolf Hitler nicht abzusprechen. Diese habe sich allerdings bis zu den 40er Jahren zunehmend verflüchtigt. Sie sei „ganz eindeutig“ nicht mit Josefa Berens-Totenohl und Maria Kahle zu vergleichen, schon weil sie sich der „geistigen Mittäterschaft“ nicht schuldig gemacht habe.

Schmallenbergs Bürgermeister Bernhard Halbe, gleichzeitig Geschäftsführer der Christine-Koch-Gesellschaft, bestätigte, dass ein entsprechender Antrag vorliege und der Rat sich damit befassen wird. Eine inhaltliche Prüfung werde es im entsprechenden Ausschuss oder in der Verwaltung geben. Das Thema sei nicht neu. So hätten sich historisch interessierte Personen auch in der Vergangenheit damit beschäftigt – mit dem Ergebnis, dass keine NS-Vergangenheit bei Christine Koch vorliege. „Wir berufen uns da stark auf Peter Bürger, der Christine Koch für unverdächtig hält“, so Halbe. Es bestehe daher kein aktueller Grund zur Diskussion. Dennoch müsse man sich natürlich damit befassen und dies im Lichte der Zeit stets neu belegen.

„Man muss immer hellhörig sein und sehr genau hinterfragen, ob es neue Tatsachen oder Erkenntnisse gibt“, so Halbe.

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