„Wunden noch nicht verheilt“

Mehr als 1.000 Besucher bei Kyrill-Veranstaltung in Schmallenberg

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Moderatorin Carmen Thomas im Gespräch mit Thomas Weber, Geschäftsführer des Sauerland Tourismus.

Schmallenberg. Auf dem Vorplatz der Stadthalle Schmallenberg hielten die rund 1.000 Besucher, die der Einladung des Regionalforstamtes Oberes Sauerland zur Veranstaltung „Zehn Jahre nach Kyrill“ gefolgt waren, zunächst einmal inne. Eine Ausstellung von schwerem Wegebaugerät, Forstmaschinen und Holz-Lkw erinnerte an die Zeit der Schadensbewältigung nach dem Orkan. Schwedenfeuer erleuchteten den Weg zum Eingangsportal.

In der Stadthalle wurden die Gäste von der Band „Acoustica“ mit eigens für den Abend auswählten Musikstücken begrüßt. Mit einer unglaublich zerstörerischen Kraft zeichnete der Orkan Kyrill in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2007 die Konturen der Region neu. Binnen einer Nacht verwüstete er mehr Wald im Sauerland als irgendein Sturm je zuvor. 16 Millionen Festmeter fielen in NRW, vier Millionen im Hochsauerland.

Es war für die Gäste ein informativer, emotionaler, aber auch unterhaltsamer Abend. Zeitzeugen blickten auf die Naturkatastrophe zurück. Sie berichteten in Talks mit Carmen Thomas, Moderatorin des Abends, von Angst und Verzweiflung, aber auch von Mut und Tatkraft. In NRW kamen sechs Menschen zu Tode. Mehr als 150 wurden verletzt. 25 Millionen Bäume fielen alleine in NRW. Über die Aufbruchstimmung einer neuen Gemeinschaft im Sauerland und ihre substantiellen Sorgen, die Kyrill verursacht hat, berichteten Betroffene für den Waldbesitz und für die Tourismusbranche.

Über Hilfen wie unbürokratische Genehmigungsverfahren, einer tollen Zusammenarbeit, das Freiräumen der Straßen, und von der Versorgung der über 200 externen Hilfskräfte erzählten Kreisbrandmeister Bernd Krause und Verena Albers von den Landfrauen. Das Regionalforstamt erinnerte, dass alle Mitarbeiter an ihrem Platz die gesamte Koordination von Holzverkauf, Unternehmereinsatz, Wegeinstandsetzung und Transport übernommen haben. Hoch anzurechnen sei es vielen Sägewerkern, dass sie mit dem Waldbesitz zusammen Hilfspläne aufgestellt und nicht auf Marktvorteile gepocht haben. Den Blick nach vorne wandte Bernhard Halbe stellvertretend für die Bürgermeister der Städte und Gemeinden. Mithilfe der Geldmittel des Solidarfonds für die Instandsetzung wurden die durch Kyrill völlig zerstörten forstwirtschaftlichen und touristischen Wegenetze hervorragend wieder hergestellt.

Großes Entsetzen herrschte indes am Morgen nach Kyrill. „Noch nie habe ich so viele betroffene Menschen gesehen.“ Waldbauer Stefan Belke: „Es ist in einer Nacht das zerstört worden, worauf wir unsere Zukunft gebaut haben. Unser Wald ist unsere Sparkasse, die lag nun am Boden. Vor lauter Bäumen fanden wir unseren Wald nicht mehr. Nach zehn Jahren nun ist der Wald wieder grün, er ist wieder sauber, trotzdem sind die Wunden sichtbar“.

Stellvertretend für alle Funktionsträger, die während und nach Kyrill im Einsatz waren, gab es Dankesworte. Heinrich Barkmeyer vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW überreichte symbolisch ein Lindenblatt an Paul Noeke vom Waldbauernverband, Hubert Sapp, Polizei, Thorsten Grewe, Spediteur, Johannes Trippe, Tiefbauer und Alain Paul vom Baumschulverband.

Das Improvisationstheater „Springmaus“ bereitete zum Schluss der offiziellen Veranstaltung die Erinnerung an dieses Krisenszenario humorvoll auf. Um Kyrills Folgen über Jahre hinaus sicht- und erlebbar zu machen, haben die Ranger des Landesbetriebes Wald und Holz NRW am Rothaarsteig in Handarbeit den „Kyrill-Pfad Schanze“ geschaffen. Auf einer nicht geräumten Sturmholzfläche im Staatswald können Wanderer über schmale Stiegen und unter umgestürzten Bäumen auf etwa einem Kilometer Länge „Naturgewalt ganz friedlich“ erleben.

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