"Mehr Fragen als Antworten"

Der Caritasverband Meschede, vertreten durch Ottilie Schulte (re.), leistet durch Referentin Claudia Fischer (li.) Aufklärungsarbeit zu den Themen: Patientenverfügung und Organspende. Foto: Kerstin Thielemeier

"Wir sind doch zu alt, um Organe zu spenden. Habe gehört ab 70 Jahren ist da Schluss", meldet sich eine Zuhörerin am vergangenen Donnerstag zu Wort. Weit gefehlt! Der Caritasverband Meschede, vertreten durch Ottilie Schulte, hatte zum Vortrag über Organspende, Patientenverfügung und Sterbehilfe ins Alexander-Haus in Schmallenberg eingeladen.

Als Referentin kam die Religionspädagogin und Krankenhausseelsorgerin Claudia Fischer. Mit einer erfrischenden Leichtigkeit gelang es Claudia Fischer die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Über Chancen, Grenzen, Gefahren und persönliche Erfahrungen wurde offen referiert und diskutieren.

Auf Wunsch der Gäste startete Fischer ihren Vortrag mit dem großen Thema der Patientenverfügung. Hierbei unterscheidet man zwischen Patientenverfügung, Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht. Bei der Patientenverfügung wird festgelegt, welche ärztlichen Maßnahmen vom Patienten gewünscht werden. Aber auch, welche Behandlungen auf gar keinen Fall gewünscht und akzeptiert werden. Hier können Behandlungsgrenzen angesichts einer aussichtslosen Erkrankung, insbesondere in der letzten Lebensphase, festgelegt werden. Die Betreuungsverfügung dient dem Zweck, eine Person des eigenen Vertrauens zu benennen, die für den Fall, dass eine Betreuung notwendig wird, vom Vormundschaftsgericht bestellt werden kann. Das heißt, der bisherige Vormund oder Pfleger wird zu einem Betreuer, der unter Aufsicht des Vormundschaftsgerichtes steht. Die Betreuungsverfügung kann aber auch enthalten, welche Person auf keinen Fall die Interessen des Patienten vertreten soll. Diese Vollmacht ist eine sinnvolle Ergänzung zu der Patientenverfügung. Es ist eine "rechtliche Betreuung".

Anstelle der Betreuungsverfügung kann eine Vorsorgevollmacht ausgestellt werden, in der eine Person des eigenen Vertrauens als Bevollmächtigte eingesetzt werden kann, die im Unterschied zum Betreuer nicht vom Vormundschaftsgericht bestellt werden muss, sondern im Fall der eigenen Entscheidungsunfähigkeit sofort für den Vollmachtgeber handeln kann. Die Vorsorgevollmacht kann für die unterschiedlichsten Bereiche, an eine oder mehrere Personen ausgestellt werden. Beispiele: Gesundheitsfragen, Wohnangelegenheiten, Aufenthaltbestimmungsrecht, Vermögensfragen, Rentenangelegenheiten, das Öffnen der Post. Was alle drei Vollmachten gemeinsam haben, ist die schriftliche Willenserklärung in gesunden Tagen. Hilfestellungen zur formellen Abwicklung bietet Meinolf Andree, Diplom-Sozialarbeiter beim Sozialdienst katholischer Frauen in Meschede, zuständig für Schmallenberg.

Organgspende ist altersunabhängig

Der eingangs erwähnte Widerspruch zum Thema Organspende, dass alte Menschen Organe spenden können, stieß auf großes Interesse. Auch in diesem Fall ist in Deutschland alles gesetzlich geregelt. Der Organspender entscheidet im Vorfeld selbst, was gespendet wird. Die Organspende ist altersunabhängig. Unterschieden wird zwischen Herz- und Hirntod. Beim Herztod können im Gegensatz zum Hirntod keine Organe gespendet werden. Laut Umfrage sind 80 Prozent der Bevölkerung für die Organspende. Allerdings tragen lediglich 12 Prozent einen Ausweis bei sich. "Traurige Wahrheit", stellt Claudia Fischer fest.

"Sie gehen heute mit mehr Fragen als Antworten nach Hause", beendet die Referentin ihren Vortrag und die Diskussionsrunde. Womit sie zweifelsohne Recht hat. Dem überwiegend älteren Publikum war schon längst klar: Sterben ist heute gar nicht mehr so einfach. Wem kann und will man vertrauen? Wann ist mein Leben noch lebenswert? Will ich nach meinem Tod durch Organspende anderen helfen und deren Leben verlängern, es "lebenswerter" machen? Individuelle Fragen, die nur jeder für sich beantworten kann.

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