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Neuer Verein „Lächelwerk“ aus Bad Fredeburg initiiert Luftballon-Aktion für schwerkranke Kinder

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Von: Anna Sartorius

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Mia (links), Namensvetterin der kleinen Mia aus dem Text, ist sechs Jahre jung und an Leukämie in Kombination mit dem Down-Syndrom erkrankt. Für sie hat der Verein ein Therapie-Reisebett organisiert. „Somit war es uns möglich, die Familie samt Bett an die Ostsee zu begleiten“, erklären Alex Göbel und Manja Schulz. „Dort haben wir das Bett aufgebaut und der Familie einen schönen Urlaub realisieren können. Manchmal ist es schließlich die letzte Reise, wer weiß das schon.“

Bad Fredeburg. „Auch wenn es befremdlich klingt: Krebs hat nicht nur Nachteile“, sagt Alex Göbel. Der Schmallenberger ist 2014 selbst an Krebs erkrankt und kennt alle Schattenseiten: die Schmerzen, die starke emotionale Belastung, den Fall aus dem sozialen Raster, der gleichzeitige Kampf gegen die Krankheit und gegen den finanziellen Ruin. Und doch: „Durch die Krankheit kann man auch gewinnen – zum Beispiel eine ganz andere Sicht, eine dankbarere, auf das Leben.“ Um andere betroffene Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche mit ihren Familien, in dieser schweren Zeit zu unterstützen, hat Alex Göbel gemeinsam mit Manja Schulz das Krebs- und Sozialwerk „Lächelwerk“ – ab dem 10. November mit Sitz in Bad Fredeburg – gegründet. Vor der Eröffnung der Räumlichkeiten haben sie für den 27. Oktober eine besondere Aktion geplant: einen Kindertag.

Denn schon ganz jungen Menschen kann das Leben übel mitspielen, sagen die beiden. Sie können schwer erkranken, viel zu früh sterben, manche erblicken nicht einmal das Licht der Welt. Ein Symbol für diese Kinder setzen möchte das Team des Lächelwerks am Samstag, 27. Oktober, bei seinem Kindertag. Kinder können dann in Gedanken an andere Kinder, denen es nicht so gut geht wie ihnen, Luftballons in den Himmel steigen lassen mit selbstbemalten und -beschriebenen Karten, deren ‘Rohlinge’ das Lächelwerk verteilt. 

Falls das Wetter mitspielt, werden zudem Paragliding-Tandemflüge angeboten. Jeder gibt für einen Flug, so viel wie er kann, alle Spenden kommen kranken und sozial benachteiligten Kindern zugute. Motivationstrainer Dr. Biyon Kattilathu wird zu Gast sein und sein Konzept zur „Glücklichwerdung“ vorstellen, außerdem ist Rapper „Kollegah“ vor Ort und unterstützt die Aktion. 

„Ihr Lachen gibt uns so viel Kraft“ 

In den vergangenen Wochen hat das Team Grundschulen und Kindergärten auf seinen Kindertag und die Luftballon-Aktion angesprochen. Alex Göbel: „Die Resonanz war klasse. Einige haben uns direkt eingeladen, damit wir den Kindern persönlich von unserem Verein, den Zielen und der Aktion erzählen konnten.“ Es sei sehr bewegend gewesen, wie nachdenklich die Kinder wurden, wie aufmerksam sie zugehört haben. „Wir haben gemerkt, dass unsere Worte etwas mit den Kindern gemacht und zumindest für kurze Zeit ihre Sichtweise verändert haben.“ 

Mittlerweile sind Karten für rund 250 Kinder vorbestellt worden – weitere Kindergärten, Grundschulen und Einrichtungen aus dem gesamten Hochsauerlandkreis können sich diesbezüglich gern noch beim Lächelwerk melden (siehe Infokasten). „Wir freuen uns natürlich über jedes einzelne Kind, das mitmachen möchte. Auch wenn nur zehn Kinder dabei sein sollten und diese an andere Kinder denken, ist die Aktion für uns ein voller Erfolg.“ Den Kindertag besuchen werden zudem Kinder mit ihren Familien, die der Verein unterstützt. 

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Alex Göbel und Manja Schulz haben den Verein "Lächelwerk" gegründet.

So wie Milo. Der Neunjährige leidet an der tödlich verlaufenden Erkrankung HLHS, ist aber wahrscheinlich stabil genug, um zum Kindertag zu kommen. „Es sieht bei unserem Helden sehr gut aus, zumindest momentan“, so Göbel. Auch Amina, 18 Monate jung, wird wohl dabei sein. Sie ist wie Milo an HLHS erkrankt, einem schweren angeborenen Herzfehler. Und für wen lässt Alex Göbel seinen Ballon steigen? „Ganz klar für Mia. Die kleine Maus hat mit ihren drei Jahren schon zum dritten Mal Leukämie. Eigentlich galt Mia für die Ärzte als austherapiert. Doch: Der Versuch einer weiteren speziellen Chemotherapie brachte Hoffnung.“ Der Erfolg zeigte sich, nun wird Mia erneut auf eine Stammzelltransplantation vorbereitet. All das lässt sie ganz tapfer über sich ergehen. „Ihr Lachen gibt uns so viel Kraft und ihre Zuversicht nehmen wir mit nach Hause“, sagt Alex Göbel lächelnd. 

Um sich um die Dreijährige und ihre drei Geschwister zu kümmern, hat sich Mias Papa unbezahlten Urlaub genommen. Eigentlich, so berichtet Alex Göbel, haben die Ärzte Mia noch eine Lebenserwartung von drei, vier Monaten gegeben. Seitdem ist ein Jahr vergangen. „Das ist natürlich ganz wunderbar. Doch für die Familie bedeutet der unbezahlte Urlaub eine enorme finanzielle Belastung. Allein für die Fahrtkosten kommen im Monat über 800 Euro zusammen. Sie hat schlicht Angst vor dem finanziellen Ruin.“ Täglich steht Mias Familie mit dem Lächelwerk in Kontakt – „und ist so herzlich und warm. Alle freuen sich über jedes Wort und bedanken sich für jede noch so kleine finanzielle und auch emotionale Unterstützung.“ 

Ansprechpartner in allen Belangen

Genau das ist Ziel des gemeinnützigen Vereins, der sich ausschließlich über Spenden finanziert: Die Ehrenamtlichen möchten Ansprechpartner in allen Belangen sein. „Eine Katastrophe bricht bei der Diagnose über einen hinein“, weiß Alex Göbel aus Erfahrung. „Man weiß nicht, wohin mit sich, weiß nicht, an wen man sich wenden soll.“ 2017 haben Göbel und Manja Schulz daher das Lächelwerk gegründet. Aus acht Ehrenamtlichen sind seitdem über 25 geworden, die sich direkt mit den Familien in Verbindung setzen, sie besuchen – auch mit Hunden, über die sie besseren Zugang zu eher verschlossenen Kindern bekommen – und sich um sie kümmern, 24 Stunden am Tag erreichbar sind. „Schließlich kann man sich nicht aussuchen, wann es einem schlecht geht“, so Göbel und sagt gemeinsam mit Manja Schulz: „Als Dank für diese Gesten erhält man ein Lächeln, ein warmes Lächeln von starken, zuversichtlichen Kindern und Jugendlichen, die es schon sehr früh sehr schwer haben im Leben.“ 

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Ihre Hunde sind ein wichtiger Bestandteil der Vereinsarbeit.

Übrigens: Wer helfen möchte, ist zudem eingeladen zum Benefizkonzert am 14. Dezember. Onita Boone und der Gospelchor „Sound of Light“ kommen ab 18.30 Uhr in den Konzertsaal des Kurhauses Bad Fredeburg. Dr. Biyon Kattilathu wird ebenfalls auftreten. Sein Vortrag „Glück ist (K)inderleicht“ soll das Publikum zum Nachdenken und Umdenken anregen. Tickets (20 Euro Erwachsene, 12 Euro Kinder bis 12 Jahre) gibt es im Konzerthaus Bad Fredeburg, Allianz Bad Fredeburg, Volksbank Bigge-Lenne und im Online-Shop unter www.lächelwerk.de. Im Online-Shop ist zudem die Puppe „Loona“ erhältlich – hergestellt von Menschen mit körperlichen und/oder geistigen Defiziten.

Zum Kindertag lädt der Verein Lächelwerk für Samstag, 27. Oktober, von 10 bis 13 Uhr auf dem Flugplatz Rennefeld, Zum Rennefeld 50 in Schmallenberg-Wormbach, ein. Um etwa 12 Uhr erfolgt der Aufstieg der Ballons. Den erwachsenen Besuchern zwischen 17 und 50 Jahren bietet der Verein die Gelegenheit, sich als freiwillige Stammzell-/Knochenmarkspender bei der Westdeutschen SpenderZentrale aufnehmen zu lassen. Auch spontan können Kinder vorbeischauen – das Team hält einige Karten bereit.

Die Kontaktdaten (ab 10.11.):

Lächelwerk e.V.
Im Ohle 5
57392 Bad Fredeburg
Tel. 01 76/23 69 25 58
www.lächelwerk.de 

Spendenkonto:
Volksbank Bigge-Lenne
DE 39 460 628 174 749 316 400
BIC: GENODEM1SMA

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