Wünsche werden ernstgenommen

Neues Angebot: Beratung zur letzten Lebensphase für Menschen mit Assistenzbedarf

Susanne Fabri hofft, dass sich die Vorsorgeberatung im Hochsauerlandkreis etabliert.

Schmallenberg/Hochsauerland – Gesellschaftliche Tabuthemen gibt es viele – würde man eine Liste anlegen, stünden Krankheit und Sterben sicherlich weit oben. Die Planung der letzten Lebensphase gestaltet sich nicht nur aufgrund zahlreicher offener rechtlicher Fragestellungen als äußerst komplex.

Besonders schwierig ist es für Menschen, die zum Beispiel aufgrund kognitiver Einschränkungen einen erhöhten Assistenzbedarf haben. Sie können ihre Wünsche zur letzten Lebensphase oft nicht klar formulieren, geschweige denn dokumentieren. Das „Kompetenzzentrum Qualität des Lebens“ des Sozialwerk St. Georg schließt diese Lücke und bietet seit 1. April 2020 Unterstützung bei der Versorgung der letzten Lebensphase für die Klienten im Hochsauerlandkreis an. Susanne Fabri hat sich des Themas angenommen. Für die Leiterin des Bildungsateliers und Stabsstelle Inhaltliche Qualität und Leitbild im Sozialwerk St. Georg war es eine Herzenssache, wie sie berichtet: „Wir möchten mit unserem Projekt dazu beitragen, dass Menschen mit Assistenzbedarf ihre Wünsche und Vorstellungen für die letzte Lebensphase ausleben können. 

Bei den Möglichkeiten, die es zurzeit dafür gibt, werden die Klienten außen vor und allein gelassen, denn Patientenverfügungen zum Beispiel sind häufig kompliziert geschrieben und daher für viele nicht verständlich.“ Eine Beobachtung, die sie in den vergangenen Jahren immer wieder gemacht hat und die zur Entwicklung des Konzeptes zum „Kompetenzzentrum Qualität des Lebens“ führte. Die Idee, die dahinter steckt, ist denkbar einfach: Die Betroffenen werden von geschulten und vertrauten Personen ausführlich beraten, sodass sie sich eine Meinung über eine für sie würdevolle Gestaltung der letzten Lebensphase bilden und Vorsorge treffen können.

"Es geht viel um Ethik, Kultur, auch Spiritualität"

Fabri ist dabei besonders wichtig, dass es sich um eine ganzheitliche Planung handelt: „Natürlich geht es bei uns auch um Fragen wie ‚Wo möchte ich sterben? Wann möchte ich nicht mehr behandelt werden? Was soll mit meinem Körper geschehen?‘ Aber für uns sind auch andere Fragen von großer Bedeutung – Welches Essen mögen die Klienten besonders gerne? Und welches gar nicht? Welche Musik? Und so weiter. Es geht viel um Ethik, Kultur, auch Spiritualität.“ 

Beraterinnen und Berater stellt das Sozialwerk St. Georg aus den eigenen Reihen. Die Krankenkassen haben entsprechende Schulungsangebote konzipiert, die über das hauseigene Referat „bilden & entwickeln“ durchgeführt werden. Neben der fachlichen Qualifizierung müssen die potenziellen Beraterinnen und Berater auch einen besonderen Zugang zu den Menschen mit Assistenzbedarf haben. Susanne Fabri: „Teilhabebegleiterinnen und -begleiter zum Beispiel sind sehr gut geeignet für diese Aufgaben. Sie haben sehr viel Erfahrung in der Gesprächsführung mit unterschiedlichsten Menschen und bringen ein hohes Maß an Sensibilität und Empathie mit. Das ist wichtig, wenn man zum Beispiel mit Menschen zu tun hat, die aufgrund einer psychischen Erkrankung eine erhöhte Verletzlichkeit aufweisen. Die Teilhabebegleiterinnen und -begleiter nehmen die Klienten mit ihren Wünschen und Ängsten ernst und können sie mitnehmen in einer Art und Weise, die für sie verständlich ist.“ 

Neun von ihnen aus dem Hochsauerlandkreis haben bereits eine Qualifizierung für die Beratung zur gesundheitlichen Versorgungsplanung erhalten. Das Projekt ist auf fünf Jahre angelegt und wird von der Aktion Mensch gefördert. Susanne Fabri hofft, „dass wir diese Vorsorgeberatung im HSK etablieren und dauerhaft dazu beitragen können, dass Menschen mit Assistenzbedarf ihre Wünsche und Vorstellungen für die letzte Lebensphase ausleben können.“

Wer Informationen zu diesem Angebot haben möchte, wendet sich an Susanne Fabri, Sozialwerk St. Georg, Breite Wiese 36 in 57392 Schmallenberg oder s.fabri@sozialwerk-st-georg.de.

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