Schulen und Betriebe loben Initiative 

Projekt „Handwerk macht Schule!“ soll in Schmallenberg weiterlaufen

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Die Beteiligten wollen das Projekt „Handwerk macht Schule!“ auch in Zukunft weiterführen. 

Schmallenberg. Eine Wand verputzen, Fliesen kleben oder eine Heizung anschließen – diese Tätigkeiten standen im vergangenen Schuljahr auf dem Stundenplan der Christine-Koch-Schule und des Städtischen Gymnasiums Schmallenberg. Im Rahmen des Projektes „Handwerk macht Schule!“ waren heimische Betriebe in den Schulen zu Gast und gaben einen Einblick in ihr jeweiliges Berufsbild. Nach der erfolgreichen „Pilot-Phase“ soll das Projekt jetzt fortgeführt werden. Mit dieser innovativen und praxisorientierten Form der Berufserkundung sollen Schüler für eine Ausbildung in einem handwerklichen Beruf in der Heimat gewonnen werden.

Die vom Rotary Club Schmallenberg-Winterberg-Lennetal ins Leben gerufene Initiative setzt vor allem darauf, den ersten und vor allem persönlichen Kontakt von Schülern mit den Handwerksbetrieben im „vertrauten Umfeld Schule“ herzustellen, um spätere Praktika oder Bewerbungen zu erleichtern. „Es sollen Hemmschwellen abgebaut werden“, sagt Siegfried Kruse, Präsident des Rotary Clubs. Dabei arbeiten Schulen und Betriebe „Hand in Hand“, um jungen Menschen die Attraktivität und Vielfältigkeit handwerklicher Berufe vor Ort aufzuzeigen, denn insbesondere in Handwerk, Gastronomie, Hotelbetrieben und Pflegeberufen fehlten Auszubildende in der Region, so die Initiatoren.

Im Rahmen des Projektes stellen sich über das Schuljahr verteilt heimische Handwerksbetriebe jeweils für zwei Stunden in der Schule vor. Der Name „Handwerk macht Schule!“ ist dabei Programm. Denn bei der praxisorientierten Berufserkundung lernen die Schüler erste Handgriffe, Arbeitsweisen und Materialien kennen und „packen“ auch selber mit an. „Ihnen wird vermittelt, mit welchen Materialien und Werkzeugen man in dem Beruf umgeht und was sie dort erwartet“, erklärt Projektleiter Rudolf Cater vom Rotary Club.

Die Schüler können den Beruf praktisch erproben und damit im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“, so Cater. Dies ermögliche ihnen, frühzeitig ihre Talente zu entdecken, um sich gezielter für einen Beruf entscheiden zu können. Darüber hinaus erfahren die Teilnehmer alles über die Ausbildung und betriebliche Leistungen.

Vier Handwerksbetriebe haben sich bisher in der Christine-Koch-Schule vorgestellt, ein Betrieb im Gymnasium. Dabei wurden an den Terminen jeweils für zwei Stunden verschiedene Workshops oder Stationen angeboten, an denen die Schüler den Beruf erkunden konnten. Meister, Gesellen und Auszubildende standen den Teilnehmern Rede und Antwort. „Viele haben unseren Lehrling nach seinen Erfahrungen gefragt“, erinnert sich Christian Witte, Geschäftsführer der Firma Störmann. Bei den Workshops habe sich zudem gezeigt, wo die Stärken und Schwächen der Schüler liegen.

"Bleibt hier, macht eine Ausbildung"

In einem Punkt waren sich die Vertreter beteiligter Betriebe einig: „Es wäre wichtig, das Projekt weiterzuführen, um die jungen Leute in der Heimat zu halten“, so Christoph Vollmers-Dünnebacke (Geschäftsführer Vollmers-Dünnebacke GmbH), Christian Witte und Andreas Köster (Geschäftsführer Bauzentrum Köster GmbH).

Vom Projekt angetan zeigten sich auch die Vertreter der teilnehmenden Schulen. Die Christine-Koch-Hauptschule, ohnehin mit dem Schwerpunkt Berufsorientierung, wolle das Projekt auf jeden Fall weiterführen, betonte Schulleiterin Lisa Richter. Die Schüler benötigten bei ihrer beruflichen Orientierung persönliche Kontakte, Gesichter, Menschen. „Wir wollen den Schülern ein möglichst breites Bild darstellen, was es hier vor Ort gibt. Wir propagieren: ‘Bleibt hier, macht eine Ausbildung’“, so Lisa Richter. „Wir als Gymnasium haben auch viele Schüler, die mehr die Begabung haben, etwas Praktisches zu machen.“ Das Handwerk biete viele Möglichkeiten. „Wir wollen den Schülern eine mögliche Hilfestellung beim Thema Ausbildung geben“, sagte Schulleiterin Dr. Elke Winekenstädde. Das Berufsbild im Handwerk ändere sich und sei auch für Gymnasiasten interessant, so Cater.

In Bezug auf zukunftsorientierte Arbeitsplätze für junge Menschen, den Erhalt einer intakten Infrastruktur im Handwerk, die Fachkräftegewinnung und das Alleinstellungsmerkmal der teilnehmenden Schulen sei die Initiative eine Win-Win-Situation für alle. „Die eigentlichen Akteure des Projektes sind die Schulen und die Handwerksbetriebe“, so der Rotary Club. Die Betriebe seien Mithilfe von Mit-Initiator Schmallenberg Unternehmen Zukunft (SUZ) für das Vorhaben begeistert worden. Aufgrund der erfolgreichen Projekte werde der Rotary Club die Initiative für das Handwerk in Verbindung mit den Schulen, SUZ und den angeschlossenen Betrieben weiterführen, betont Cater. Nun werden weitere Handwerksbetriebe gesucht, die ab Januar 2019 in der Christine-Koch-Schule oder dem Gymnasium Workshops durchführen. Wie genau diese Präsentation aussehen sollte, möchte SUZ am Donnerstag, 15. November, um 17 Uhr bei der Elektro Föster GmbH, Wehrscheid 5b, beim Handwerkscluster vorstellen.

Tourismusbranche zieht nach

Im Rahmen ihres Projektes G.A.S.T. habe sich zudem die Tourismusbranche entschieden, die Initiative zu übernehmen und unter dem Begriff „Gastro macht Schule“ Workshops in der Christine-Koch-Schule anzubieten. Die Pilotveranstltung soll am Donnerstag stattfinden.

Eine Ausweitung von „Handwerk macht Schule!“ über die Grenzen Schmallenbergs hinweg auf andere Organisationen und Städte sei aus Sicht des Rotary Clubs möglich. „Je mehr mitmachen, desto besser“, so Kruse.

An vier Veranstaltungen in der Hauptschule und einer im Gymnasium wurden 120 Schüler über die Gewerke Heizung/Sanitär, Elektroinstallation, Dachdeckung, Hoch- und Innenausbau informiert, danach entschlossen sich acht Jugendliche für ein Betriebspraktikum, zwei Ausbildungsverträge wurden geschlossen, 17 Entlass-Schüler des Jahrgangs 2017/18 der Christine-Koch-Schule haben sich für eine Ausbildung in 9 verschiedenen Handwerksberufen entschieden.

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